Wirtschaft

"Bitcoin auf Rädern"? Was steckt hinterm Tesla-Hype?

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Technischen Analysen zufolge ist die Tesla-Aktie stärker überverkauft als Bitcoin auf dem Höhepunkt der Blase 2017.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Aktienkurs von Tesla explodiert förmlich. Innerhalb kurzer Zeit steigt der Börsenwert des Unternehmens um mehr als 100 Milliarden Dollar. Beispiellos ist diese Entwicklung allerdings nicht. Vergleiche zu früheren Blasen drängen sich auf.

Ohne Frage: Elon Musk konnte in den vergangenen Wochen mit einigen Erfolgsmeldungen aufwarten. Tesla, der von ihm geführte Elektroautobauer, konnte nach jahrelangen Verlusten immerhin in den letzten beiden Quartalen einen - wenn auch vergleichsweise bescheidenen - Gewinn einfahren. Dazu meldet Tesla einen Absatzrekord nach dem anderen und konnte sein neues Werk in China schneller in Betrieb nehmen als geplant. Doch kann das alles erklären, was in den vergangenen Tagen und Wochen an der Börse mit der Tesla-Aktie passiert ist?

Tesla Motors (USD)
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Seit Jahresbeginn stieg der Kurs der Papiere um mehr als das Doppelte, in den vergangenen sechs Monaten um das Vierfache. Allein in den vergangenen Tagen überholte Tesla erst den Börsenwert von Volkswagen, dem am Absatz gemessen größten Autokonzern der Welt von umgerechnet rund 95 Milliarden Dollar, um dann zeitweise auf mehr rund 170 Milliarden Dollar zu springen. Dieser plötzliche Anstieg ist mit den positiven Nachrichten des Unternehmens allein kaum noch zu erklären. Es drängen sich andere Erklärungen und Vergleiche auf.

Einen ganz ähnlichen Kursanstieg erlebte auch VW vor einigen Jahren. Im Herbst 2008 stieg der Aktienkurs innerhalb von nur zwei Tagen von etwa 200 auf mehr als 1000 Euro. Durch den Übernahmeversuch von Porsche waren plötzlich nicht mehr genug VW-Aktien am Markt verfügbar, mit denen Leerverkäufer, die auf einen sinkenden VW-Kurs gewettet hatten, ihre sogenannten Short-Positionen hätten decken können. Short-Seller verkaufen geliehene Aktien, die sie in der Hoffnung auf sinkende Preise erst zu einem späteren Zeitpunkt dann tatsächlich erwerben.

Tesla war lange die meist "geshortete" Aktie an den US-Börsen. Nicht wenige Anleger setzten darauf, dass Tesla tiefer in die roten Zahlen rutschen und dem Konzern schließlich das Geld ausgehen würde. Schließlich musste sogar Musk selbst zugeben, dass die Firma zeitweise nur knapp an der Pleite vorbeischrammte. Die guten Nachrichten und die steigenden Kurse in den ersten Wochen des Jahres haben viele Short-Seller auf dem falschen Fuß erwischt. Dem Datendienst S3-Partners zufolge verloren die Spekulanten bis einschließlich gestern fast 12 Milliarden Dollar.

Regeln der Branche verändert

Aber haben diese Leerverkäufer tatsächlich wie bei VW den extremen Anstieg der letzten Tage verursacht? Dagegen spricht, dass die Short-Positionen zuletzt nicht abgebaut wurden. Tatsächlich kamen laut S3 zuletzt sogar wieder mehr dazu. Im Gegensatz zu VW 2008 sind auch genügend Tesla-Aktien am Markt frei handelbar, um alle Positionen zu decken.

Viele Analysten sehen eine Parallele zu einer anderen Blase. Tesla-Aktien seien "gewissermaßen Bitcoin auf Rädern", zitiert "Bloomberg" Gordon Johnson von GLJ Research. Die Kurs-Explosion bei Tesla sei in den vergangenen Tagen sogar extremer als beim Bitcoin auf dem Höhepunkt des Krypto-Hypes Ende 2017. Die Angst vieler, vor allem privater Anleger, einen Trend zu verpassen, treibe zuletzt die Kursentwicklung ohne rationale Grundlage. Für eine solche "Dienstmädchenhausse", das heißt, eine durch plötzliche Popularität einer Anlage in der breiten Bevölkerung ausgelöste Blase, spricht auch, dass sich die Zahl der Google-Suchen nach "Tesla Aktienkurs" oder "Tesla share price" seit Jahresbeginn etwa vervierfacht hat.

Trotz all dieser für Tesla wenig schmeichelhaften Vergleiche, halten einige Experten auch die jüngsten Kursanstiege für gerechtfertigt. Tesla mit den großen, traditionellen Autokonzernen zu vergleichen, führe in die Irre, sagte Tech-Investor Frank Thelen im ntv-Interview. Die technologische Disruption "verändert die Regeln der Autobranche. Es ist nicht mehr so wie früher: Wer den besten Sechszylinder macht und wer das beste Spaltmaß hat, ist die wertvollste Autofirma. Sondern wer hat die meisten Daten? Wer hat den schnellsten Chip? Wer hat die beste Batterietechnologie? Das ist auf einmal entscheidend in der Autoindustrie". In diesen Bereichen habe Tesla einen großen Vorsprung aufgebaut, ähnlich wie Apple im Smartphone-Bereich. Traut man Tesla wirklich eine ähnliche Entwicklung wie dem hochprofitablen iPhone-Konzern zu, muss die akutelle Kursentwicklung moderat erscheinen. Apple ist an der Börse derzeit fast zehn Mal so viel wert wie Tesla.

Quelle: ntv.de