Wirtschaft

Interne Mails aufgetaucht Was wusste Zuckerberg über Datenlecks?

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg will die Daten der Nutzer seines sozialen Netzwerks besser schützen. Aufgetauchte E-Mails wecken allerdings Zweifel an seinem neuen Engagement.

(Foto: REUTERS)

Enthüllungen, Ermittlungen, Klagen: Facebook versinkt immer tiefer in der Datenmisere. Laut US-Medien sind nun interne E-Mails aufgetaucht, die Konzernchef Zuckerberg in Erklärungsnot bringen könnten.

Vor einem Jahr löst der Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica bei Facebook ein Erdbeben aus. Zahlreiche Untersuchungen und Klagen setzen dem Unternehmen seitdem kräftig zu. Und schon wieder droht ein neuer Skandal: Im Rahmen der Ermittlungen der US-Verbraucherschutzbehörde FTC sollen interne E-Mails aufgetaucht sein, die den Konzernchef Mark Zuckerberg belasten sollen. Laut "Wall Street Jornal" könnte er von "potenziell problematischen Praktiken" beim Umgang mit persönlichen Daten schon viel früher gewusst haben, als zugegeben.

Die Enthüllungen kommen für Facebook zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Das Unternehmen steht kurz vor einer möglichen Einigung mit der FTC. Für den Fall, dass ein Vergleich erzielt werden kann, hat das soziale Netzwerk bereits mehrere Milliarden Dollar zur Seite gelegt. Die aufgetauchten E-Mails könnten im schlimmsten Fall eine zügige Einigung verhindern. Zumindest drohen sie aber ein erneutes PR-Problem für Facebook zu werden.

Der Zeitpunkt ist entscheidend

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück:  "Facebook und seine Vorstände haben zu jeder Zeit alle relevanten Gesetze befolgt." Zuckerberg oder andere Manager hätten zu keinem Zeitpunkt wissentlich gegen Abmachungen aus dem Übereinkommen mit der FTC verstoßen, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Facebook hatte der Aufsichtsbehörde nach mehreren Datenschutzverstößen 2011 zugesichert, keine Informationen von Nutzern ohne ihre Zustimmung weiterzugeben. Die nun entdeckten E-Mails legten Insidern zufolge jedoch nahe, dass Zuckerberg und andere Top-Manager sich nicht an die Vereinbarungen gehalten haben. Laut "Wall Street Journal" soll der Facebook-Chef nicht entschlossen genug gehandelt haben, als er erfuhr, dass eine Drittanbieter-App auf Daten der Facebook-Nutzer zugreift.

Die Antwort auf die Frage, wann die betreffenden E-Mails versandt wurden, könnte somit erhebliche Brisanz für Facebook erlangen, schreibt die Zeitung. Sollte sich herausstellen, dass der interne Schriftverkehr nach Inkrafttreten des Abkommens stattfand, könnte das gewaltige Konsequenzen haben. Es drohen hohe Strafzahlungen, einzelne Verantwortliche könnten persönlich belangt werden. Sogar Haftstrafen werden nicht ausgeschlossen.

Eine Datenpanne jagt die nächste

Ausgelöst wurden die Ermittlungen der FTC gegen den Internetkonzern durch den Skandal um den Missbrauch von Facebook-Nutzerdaten durch Cambridge Analytica. Im März 2018 hatte ein ehemaliger Mitarbeiter enthüllt, dass die britische Politik-Marketing-Agentur Daten von mehr als 87 Millionen Facebook-Nutzern verwendete, um detaillierte Persönlichkeitsprofile zu erstellen und Nutzer mit zielgerichteter politischer Werbung auf Facebook zu beeinflussen.

Seitdem bemüht sich Facebook, das Vertrauen in sein soziales Netzwerk zurückzugewinnen. Zuletzt kündigte Zuckerberg eine große Initiative zum Schutz von Nutzerdaten und die Entwicklung eines neuen, vollständig verschlüsselten Facebook an. Trotz der Versprechungen werden immer wieder neue Fälle bekannt, die zeigen, dass Datenschutz innerhalb des Unternehmens immer noch nicht die höchste Priorität genießt.

Die Liste der Datenpannen bei Facebook wächst: Im Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte die "New York Times" einen Bericht, wonach Facebook großen Tech-Konzernen wie Spotify, Netflix und Amazon umfangreichen Zugriff auf Nutzerdaten ermöglicht haben soll, ohne dass diese davon gewusst oder eingewilligt hätten. Drei Monate später waren Millionen von Nutzerdaten öffentlich auf den Cloud-Servern von Amazon zu sehen. Im April lud Facebook Daten der Kontakte von bis zu 1,5 Millionen neuen Nutzern ohne Erlaubnis hoch.

In Anbetracht der unzähligen Pannen wächst laut Insidern die Sorge, dass die nun entdeckten E-Mails erneut Zweifel an dem Engagement Zuckerbergs für die Privatsphäre der Facebook-Nutzer wecken könnten. Die Vorwürfe kommen zudem zu einer Zeit, in der der politische Druck auf Tech-Giganten wächst. Vor allem bei Facebook, wie auch bei Google, werden die parteiübergreifenden Forderungen nach einer Zerschlagung immer lauter.

Quelle: n-tv.de

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