Wirtschaft

Was diesmal anders ist Der Skandal, der Facebook im Kern trifft

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Vorhang zu: Datenschützer klagen, Facebook habe sein Transparenzversprechen gebrochen.

(Foto: AP)

Bloß ein weiterer Vorfall in der langen Liste der Datenschutzaffären bei Facebook? Keineswegs. Der jüngste Skandal könnte dem Konzern eine Billionenstrafe einbringen und sein Geschäftsmodell gefährden.

Warum sollte es diesmal anders sein? Die bisherige 14-jährige Geschichte von Facebook ist eine Geschichte ständiger Kontroversen um den Datenschutz und mutmaßliche Verstöße dagegen. Doch kein Skandal konnte das Wachstum des Netzwerks bislang stoppen oder nachhaltig beeinträchtigten. 2010 etwa sammelte und veröffentlichte ein Sicherheitsexperte Daten von 100 Millionen Nutzern. Im Vergleich dazu und zu vielen anderen Vorfällen mutet der jüngste Skandal kaum außergewöhnlich an: Der umstrittene Datenanalyse- und Wahlkampf-Dienstleister Cambridge Analytica sammelte mutmaßlich unter Verstoß gegen Facebooks Geschäftsbedingungen Informationen aus 50 Millionen US-amerikanischen Mitgliederprofilen.

Facebook behauptet sogar, dass diesmal praktisch gar nichts passiert sei. Cambridge Analytica hat zwar offenbar die Datensätze unter Vortäuschung falscher Tatsachen gesammelt und Berichten zufolge zunächst nicht gelöscht. Doch die Firma will die Daten gar nicht verwendet haben - vor allem nicht für ihre umstrittenen Dienste für Donald Trumps Wahlkampf 2016. Doch anders als Facebook es darstellt, ist dieser Fall mit dem Ausschluss von Cambridge Analytica aus dem Netzwerk keinesfalls erledigt - im Gegenteil: Die wichtigsten Gründe, warum dieser Skandal der bisher gefährlichste für Facebook werden könnte:

Investoren ergreifen die Flucht: Die Empörung bei früheren Skandalen blieb weitgehend auf überschaubare Kreise von Politikern, Datenschützern und wenigen interessierten Nutzern beschränkt. Das Gros der Nutzer und der Werbetreibenden, von deren Milliardenausgaben Facebook lebt, sowie der Investoren reagierte nicht. Der Absturz der Facebookaktie um inzwischen rund 12 Prozent zeigt, dass zumindest die Investoren diesmal ernsthaft besorgt sind.

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Mögliche Anlegerklagen wegen Verstoß gegen Veröffentlichungspflicht: Der Börsenwert von Facebook ist damit um über 50 Milliarden Dollar geschrumpft. Anleger könnten versuchen, den Konzern für ihre Verluste haftbar zu machen. Denn Facebook wusste offenbar bereits seit Jahren, dass Cambridge Analytica widerrechtlich Nutzerdaten sammelte, und beendete diese Praxis auch - doch der Konzern machte den Vorfall nicht umgehend öffentlich. Dazu aber sind börsennotierte Unternehmen bei IT-Sicherheitsproblemen und Datenleaks verpflichtet.

Drohende Billionenstrafe wegen Verstoß gegen Verbraucherschutzvereinbarung: Um ein Vielfaches höhere Kosten als durch Anleger-Klagen drohen Facebook, wenn die für Verbraucherschutz zuständige Handelskommission der US-Regierung (FTC) einen Verstoß gegen eine Vereinbarung zwischen Regierung und Konzern von 2011 feststellt. Damals konnte Facebook eine harte Strafe wegen mutmaßlich irreführender Nutzungsbedingungen dadurch abwenden, dass es versprach, seinen Nutzern fortan vollständig offenzulegen, wie ihre Daten genutzt würden. Im Fall von Cambridge Analytica habe Facebook dagegen "klar verstoßen", teilte die US-Datenschutzorganisation Epic mit, die mit ihren Beschwerden einst das Verfahren der FTC gegen Facebook angestoßen hatte. Laut dem Ex-FTC-Chef David Vladeck ist in der Vereinbarung von 2011 eine Strafe von bis zu 40.000 Dollar pro betroffenem Nutzer festgelegt. Das summiert sich bei den mutmaßlich 50 Millionen von Cambrige Analytica ausgeforschten Profilen auf eine Maximalstrafe von zwei Billionen Dollar.

Einschränkung des Geschäftsmodells: Als mindestens so große Gefahr wie mögliche Geldstrafen machen Analysten das "regulatorische Risiko" durch die politische Empörung aus. Vor allem das umstrittene Geschäftsmodell der Datenanalysten von Cambridge Analytica, die nach eigener Darstellung schon zweifelhaften Kandidaten in aller Welt zu Wahlerfolgen verholfen haben, alarmiert Politiker von Washington bis Brüssel. Sollten sie aus Sorge vor politischer Manipulation die Regeln für den Umgang mit Nutzerdaten verschärfen, könnte das den Kern des Geschäftsmodells treffen, das Facebook zu einem der wertvollsten Konzerne der Welt macht: Das weitgehend ungehinderte Sammeln detaillierter persönlicher Informationen von Milliarden von Menschen und die Weitergabe dieser Daten an Werbetreibende.

Quelle: n-tv.de

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