Wirtschaft

Keine "Krisenfeuerwehr" Weidmann warnt vor Missbrauch der EZB

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Jens Weidmann warnt vor den Folgen des EZB-Führungswechsels.

(Foto: REUTERS)

Bundesbank-Präsident Weidmann kritisiert die Anleihenkäufe der EZB schon seit längerem. Sie hätten die Notenbank an die Grenzen ihres Mandats geführt, sagt er. Sie dürfe aber nicht als Krisenfeuerwehr missbraucht werden.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt im Jahr des EZB-Führungswechsels davor, die Geldpolitik mit der Aufgabe als Krisenfeuerwehr zu überfrachten. Auf einer Veranstaltung im südafrikanischen Pretoria sagte Weidmann: "Am Ende des Tages könnte es für die Europäische Zentralbank immer schwieriger werden, sich auf ihr Versprechen einer stabilen Währung zu fokussieren." Aufgrund der unerledigten Arbeiten bei der Reform der Währungsgemeinschaft könnte die Geldpolitik gezwungen werden, wiederholt als eine solche Krisenfeuerwehr zu agieren, ergänzte er.

Weidmann räumte zwar ein, dass das Einspringen der Währungshüter in der Euro-Schuldenkrise notwendig gewesen sei und geholfen habe, die Lage zu stabilisieren. Aber einige der Maßnahmen, vor allem die Staatsanleihenkäufe, hätten sie an die Grenzen ihres Mandats geführt. Inzwischen seien die Notenbanken sogar zu den größten Gläubigern der Euro-Länder aufgestiegen. "Dies könnte letztendlich unsere Unabhängigkeit infrage stellen", warnte der Bundesbank-Präsident.

Die Europäische Zentralbank steht in diesem Jahr vor einem großen Wechsel an der Führungsspitze. Bereits klar ist, dass Irlands Notenbank-Chef Philip Lane neuer EZB-Chefvolkswirt werden soll. Spätestens nach der Europawahl im Mai dürfe auch die Suche nach einem Nachfolger für Notenbankchef Mario Draghi beginnen. Dieser verlässt Ende Oktober nach acht Jahren aus dem Amt.

Auch Weidmann gilt als potenzieller Kandidat für das Amt des EZB-Chefs. Zudem läuft Ende Dezember die Amtszeit des Franzosen Benoit Coeure im EZB-Direktorium ab. Die Neubesetzungen fallen in eine Zeit, in der die EZB sehr vorsichtig zu einer weniger lockeren Geldpolitik umschwenkt. Weidmann stand den EZB-Staatsanleihenkäufen stets kritisch gegenüber. Die auf über 2,6 Billionen Euro angeschwollenen Transaktionen wurden Ende 2018 nach fast vier Jahren eingestellt. Fällig werdende Titel sollen aber noch für längere Zeit weiterhin ersetzt werden.

Quelle: n-tv.de, ese/rts

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