Wirtschaft

Bundesbank bekommt neuen Chef Wer ist Joachim Nagel?

Der Favorit hat das Rennen gemacht. Joachim Nagel wird Nachfolger von Jens Weidmann als Chef der Bundesbank. Geldpolitisch gilt er als kompromissfähig.

Von der Zentralbank der Notenbanken in Basel auf den Bundesbank-Chefsessel in Frankfurt: Für den promovierten Ökonomen und erfahrenen Notenbanker Joachim Nagel ist der Weg von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) an die Spitze der deutschen Notenbank in Frankfurt eine Rückkehr zur alten Wirkungsstätte. Denn der 55-Jährige, der in der internationalen Welt der Geldpolitik bestens verdrahtet ist, hat den größten Teil seiner beruflichen Karriere bei der Bundesbank verbracht.

Das SPD-Mitglied durchlief insgesamt 17 Jahre lang bei der Bundesbank verschiedene Karrierestufen. Seine Wahl steht daher auch für eine gewisse Kontinuität an der Bundesbank-Spitze. In einem Interview hatte Nagel einmal angemerkt, er wolle keinen Tag bei der deutschen Notenbank missen.

Nagel studierte Volkswirtschaftslehre in seiner Heimatstadt Karlsruhe. Vor seiner Promotion 1997 war er 1994 für kurze Zeit Referent für Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik beim damaligen SPD-Parteivorstand in Bonn. Nagels Laufbahn bei der Bundesbank begann 1999 als Leiter des Büros des Präsidenten der Landeszentralbank in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in Hannover. Dort erlebte er 2002 die Euro-Bargeldeinführung. Im Jahr darauf wechselte er in die Zentrale der deutschen Notenbank nach Frankfurt in den Zentralbereich Märkte, den er ab 2008 während der Finanzkrise leitete.

In den Bundesbank-Vorstand zog er 2010 ein. Im Führungsgremium rückte er damals auf den nach dem Rücktritt von Thilo Sarrazin frei gewordenen Posten. Bis zu seinem Ausscheiden im April 2016 war Nagel für das wichtige Ressort Märkte zuständig und damit für die konkrete Umsetzung der Geldpolitik.

"Ideologisch nicht fixiert"

Nagel hat sich bei der Bundesbank einen Ruf als fachlich versierter Währungshüter erworben, der kollegial und teamorientiert auftritt. Geldpolitisch gilt er als kompromissfähig - obgleich auch er sich in der Vergangenheit beispielsweise kritisch zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) geäußert hatte. In Interviews trat er meist vorsichtig überlegend und abwägend auf, wenn er die Bundesbank-Linie vertrat.

Notenbank-Experten äußerten sich positiv über ihn. "Ihm ist zuzutrauen, dass er weiterhin die deutsche Bundesbanktradition in die Debatten im EZB-Rat tragen wird, ohne dabei ideologisch fixiert zu sein", sagt Friedrich Heinemann, Notenbank-Experte und Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. "Mit ihm dürfte die Deutsche Bundesbank ihrer Linie treu bleiben, den in Maastricht vereinbarten Ordnungsrahmen mit seiner Betonung von Preisstabilität und soliden Finanzen beizubehalten und weiterzuentwickeln."

In der Ampel-Koalition heißt es, Nagel stehe für geldpolitische Stabilität, nehme Inflationsgefahren ernst und bringe viel Erfahrung mit. FDP-Chef Christian Lindner, der neue Bundesfinanzminister, hatte zuletzt deutlich gemacht, einen Kurswechsel bei der Bundesbank verhindern zu wollen. Mit Nagel könnte die FDP gut leben, sagt ein Insider. Die SPD hat zwar das Vorschlagsrecht, Grüne und FDP müssen aber zustimmen.

Die ebenfalls gehandelte EZB-Direktorin Isabel Schnabel galt bei den Liberalen dagegen überhaupt nicht als erste Wahl. Sie steht bei ihnen für den expansiven Kurs der EZB, der immer wieder auf Kritik in Deutschland stößt.

Weidmann will nicht mehr

Noch-Bundesbankchef Jens Weidmann tritt Ende des Jahres ab. Er hatte 2016 in seiner Abschiedsrede für Nagel ausdrücklich dessen Entschlusskraft, Kommunikationsfähigkeit, tiefen Finanzmarktkenntnisse und analytischen Fähigkeiten gelobt. Nagel war bis Ende April 2016 auch Leiter des Krisenstabs der Bundesbank.

Viele Jahre war er zudem Mitglied im Märkte-Ausschuss der BIZ. Nach seiner langen Bundesbank-Karriere zog es Nagel zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), wo er 2017 in den Vorstand rückte. Dort war er für die Förderung von Entwicklungs- und Schwellenländern verantwortlich. Laut einer mit der Situation vertrauten Person konnte Nagel aber bei der Förderbank nicht heimisch werden und so wechselte er 2020 schließlich zurück in die Notenbank-Welt nach Basel zur BIZ. Zurzeit ist Nagel dort Vize-Chef der Banking-Abteilung.

Quelle: ntv.de, jga/rts

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