Wirtschaft

Rücktritt von Rüdiger Grube Wer wird neuer Bahn-Chef?

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Bahnchef Rüdiger Grube ging mit einem Paukenschlag. Sein Nachfolger wird es nicht leicht haben.

(Foto: picture alliance / Rainer Jensen)

Nach dem großen Knall sucht Verkehrsminister Alexander Dobrindt hektisch nach einem Nachfolger für Bahnchef Grube. Wer auch immer das Ruder übernimmt: Der Job wird alles andere als ein Zuckerschlecken.

"Wir gehen jetzt einfach auf die Suche. Es gibt jetzt überhaupt keinen Grund, im Vorfeld schon irgendwelche Namen ins Gespräch zu bringen", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt nach dem plötzlichen Rücktritt von Bahnchef Grube. "Eine nicht zu erwartende Wendung" nannte er dessen Blitzentscheidung, das Handtuch zu werfen.

Grubes plötzlicher Abgang brüskiert den Verkehrsminister nicht nur. Er stürzt die Bahn mitten im Umbruch in eine Führungskrise: Einfach dürfte die Suche nach einem Nachfolger nicht werden. Denn auf den neuen Chef warten eine lange Problemliste, streiklustige Mitarbeiter und politischer Druck von allen Seiten. Wahrlich keine attraktive Jobbeschreibung.

Apparatschik oder Strippenzieher?

Vorerst übernimmt Finanzvorstand Richard Lutz den Chefposten kommissarisch - so will es die Geschäftsordnung. Er ist seit 1994 bei der Deutschen Bahn, seit April 2010 sitzt er im Vorstand. Er hätte eigentlich die nötige Erfahrung, die Bahn zu steuern. Doch auf Können kommt es beim Staatskonzern nicht unbedingt an. Ebenso wichtig, wenn nicht entscheidender, sind politische Drähte. Und an denen mangelt es Lutz. Ebenso wie Transportvorstand Berthold Huber, seit 1997 im DB-Konzern, und Personalchef Ulrich Weber, seit 2009 im Amt.

Ihr Vorstandskollege Ronald Pofalla schlägt sie alle in der Kategorie Polit-Connections um Längen. Seit 2015, als er auf den Versorgungsposten bei der Bahn wechselte, gilt Angela Merkels einstiger Kanzleramtschef als Kronprinz für die Grube-Nachfolge. Dafür hat er allerdings kaum Management-Qualifikation. Erst seit einem Monat führt Pofalla überhaupt ein richtiges Bahn-Ressort, den Infrastrukturbereich. Vorher war er knapp zwei Jahre eine Art Außenminister und Cheflobbyist der Staatsfirma.

Aus dem Aufsichtsrat heißt es nun, es sei auch eine ganz andere Lösung denkbar: Dass Pofalla den Konzern wieder verlässt und ein Manager aus der Bahntechniksparte von Siemens oder der Schweizer Staatsbahn SBB übernimmt. Selbst der gerade ausgeschiedene Netzvorstand Volker Kefer wird wieder ins Spiel gebracht.

Wenn Verkehrsminister Dobrindt also im Vorstand nach einem neuen Bahnchef sucht, hat er die Wahl zwischen versierten Apparatschiks mit wenig politischem Gewicht und einem gewieften Strippenzieher mit wenig Management-Erfahrung. Das Problem ist nur: Der neue Bahnchef braucht beides. Denn die Staatsfirma plagen seit Jahren drängende wirtschaftliche Probleme und politisches Ränkespiel zugleich.

Alles für alle - am besten umsonst

Die Bahn ist seit jeher ein Spielball der Verkehrspolitik. SPD-Vizefraktionschef Sören Bartol erklärte nach Grubes Abgang, es müsse jemand gefunden werden, "der Schienenverkehr zu bezahlbaren Preisen in Deutschland organisieren kann". Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte Grubes Rücktritt eine "Chance für einen Neuanfang". Matthias Gastel, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, forderte ein "Konzept, das die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen mit dem Klimaschutz verknüpft". Und die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Sabine Leidig, verlangte vom neuen Bahnchef "als erste Amtshandlung" den Ausstieg aus dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21.

Womit die widersprüchliche Wunschliste der Bahn-Politiker im Aufsichtsrat umrissen wäre: Billige Tickets und umweltfreundliche, moderne Züge mit WLAN und Video-Streaming möglichst ohne Bundeszuschüsse und ausufernde Schulden - und Gewinn soll die Bahn dabei bitte auch noch machen. Der neue Bahnchef muss nicht nur die Züge, sondern auch diese Agenda richtig managen, wenn er Erfolg haben will.

Das ist in den letzten Jahren immer schwerer geworden. Die zunehmende Konkurrenz von Fernbussen und Billigfliegern macht der Bahn zu schaffen. 2015 rutschte die Staatsfirma sogar in die roten Zahlen. Inzwischen bleibt zumindest operativ wieder ein Gewinn hängen. Doch der Güterverkehr schwächelt weiter. Ein gigantischer Schuldenberg drückt die Bahn. Ihn muss der Konzern in den nächsten Jahren dringend abbauen, obwohl gleichzeitig Milliardenkosten für die Digitalisierung der Züge anfallen.

Doch das Sparpotenzial ist äußerst gering: Die rebellischen Lokführer werden für die Probleme des Konzerns sicher nicht aus ihrer Tasche bezahlen wollen. Bis zum 19. Februar haben die Schlichter im Tarifkonflikt noch Zeit. Dann drohen mal wieder Streiks. Und zu guter Letzt schwebt über der Finanzplanung ein Damoklesschwert: Stuttgart 21. Wegen der explodierenden Mehrkosten hat die Bahn inzwischen die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg verklagt. Das Projekt liegt nun in der Verantwortung von Ronald Pofalla. Der könnte sich daran nun endlich als Manager beweisen, bevor er vielleicht selbst neuer Bahnchef wird.

Quelle: n-tv.de

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