Wirtschaft

iPhone zwischen den Fronten Wie Trumps Handelskrieg Apple trifft

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Schon 2016 zweifelte Apple-Chef Tim Cook (r.) an Trumps Zollpolitik. Nun dürfte sie den Konzern richtig Geld kosten.

(Foto: REUTERS)

Nach Harley-Davidson, Tesla und den Bauern dürfte auch die wertvollste US-Firma zum Opfer von Trumps Zollpolitik werden: Apple ist "designed in Kalifornien, gefertigt in China". Keinem anderen Konzern drohen verheerendere Schäden.

Als der künftige US-Präsident sich im Dezember 2016 kurz nach seiner Wahl mit den Bossen der US-Tech-Branche traf, gab er den Managern aus dem Silicon Valley ein Versprechen: "Ich bin hier, um Ihnen zu helfen, erfolgreich zu sein", sagte Trump in die Runde. "Wir werden für Sie da sein. Rufen Sie mich an, rufen Sie meine Leute einfach an. Wir werden faire Handelsdeal abschließen und es Ihnen viel einfacher machen, Handel zu treiben."

Apple-Chef Tim Cook, der damals neben Trump und Tech-Investor Peter Thiel an dem rechteckigen Marmortisch im 25. Stock des Trump Tower saß, sah schon bei dem Meeting skeptisch aus. Wie die meisten Tech-Bosse hatte er Trumps Gegnerin Hillary Clinton unterstützt. Inzwischen ist aus stiller Abneigung offene Feindschaft geworden. Cook hat sich nicht nur wie viele Tech-Manager gegen Trumps Einreisestopp für Muslime gestellt. Er muss nun zuschauen, wie die Handelspolitik des Präsidenten seiner Firma die Bilanz zu verhageln droht.

Heute Abend legt Apple seine neusten Quartalszahlen vor. Der Handelskrieg, den Trump mit Peking vom Zaun gebrochen hat, dürfte dabei seine Spuren hinterlassen. Nachdem sie bei Harley-Davidson, dem Waschmaschinen-Hersteller Whirlpool, Tesla und den Bauern angekommen sind, werden die Kollateralschäden nun erstmals in der ersten Reihe der US-Wirtschaft sichtbar werden. Es gibt wohl kaum eine andere US-Firma, die so sehr vom Handel zwischen den USA und China profitiert wie Apple. Und die deshalb durch Trumps Zollkrieg so viel zu verlieren hat.

"Gefertigt in China" wird zu Apples Verhängnis

Denn Trump hat seine Drohungen inzwischen wahr gemacht und Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft gesetzt, weitere 16 Milliarden sollen bald folgen. China hat mit Vergeltungszöllen auf US-Waren in gleicher Höhe nachgezogen. Das Schadenspotenzial ist riesig. Die Analysten von Morgan Stanley sehen in dem wirtschaftlichen Schlagabtausch zwischen Washington und Peking inzwischen eines der "größten Risiken" für Apples Aktienkurs bis zum Herbst, wenn der Konzern das nächste iPhone vorstellt.

Apple sitzt beim Handelsstreit zwischen den Stühlen: Der Konzern lässt seine iPhones günstig in China herstellen und importiert einen Großteil zurück in die USA. Er ist gleichermaßen vom Verkauf in Übersee und im Reich der Mitte abhängig. Mit einem Fünftel des Umsatzes war China nach den USA im letzten Quartal Apples zweitwichtigster Markt, nahezu gleichauf mit Europa. "Designed von Apple in Kalifornien, gefertigt in China" - das Geschäftsmodell, das der Tech-Riese stolz auf die Rückseite jedes iPhones druckt, könnte dem Konzern in Trumps Handelskrieg zum Verhängnis werden.

Mit Zöllen kann Peking Apple zwar kaum gefährlich werden, weil der Konzern seine iPhones eben vor Ort produziert und nicht importiert. Doch der Regierung bleiben viele andere Wege, um die Verkäufe in den mehr als drei Dutzend chinesischen Apple-Stores und in den USA zu behindern. Chinas Bürokratie könnte Apples Zulieferer mit Verweis auf die nationale Sicherheit blockieren. Oder die Produktion in den iPhone-Fabriken mit schärferen Auflagen lähmen.

Trump schadet Apples Zubehör-Geschäft

Ebenso große Gefahr droht Apple von der Trump-Regierung. Denn in der nächsten Angriffswelle will sie bald Zölle auf chinesische Importe in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar erlassen. Die Liste wurde bereits vor zwei Wochen veröffentlicht, bis Ende August dürfen US-Firmen in öffentlichen Anhörungen ihre Bedenken äußern. Danach dürften sie zügig in Kraft treten.

iPhones stehen zwar nicht darauf: Laut US-Medien soll Trump Apple-Chef Tim Cook persönlich versichert haben, dass er seinen wichtigsten Verkaufsschlager nicht zur Waffe in seinem Handelskrieg machen wird. Dafür finden sich jede Menge andere Apple-Produkte auf Trumps neuester Zoll-Liste: AirPod-Kopfhörer, die Apple Watch, der HomePod-Lautsprecher oder Apple TV. Der kalifornische Internetriese macht inzwischen mehr als sechs Prozent seines Umsatzes mit diesen sogenannten Gadgets.

Und weil Apple sie wie das iPhone in China produzieren lässt, würden auf den Re-Import für den Verkauf in den USA dann bald zehn Prozent Strafzoll fällig. "Preisänderungen würden offensichtlich die Nachfrage beeinträchtigen", zitiert die britische "Financial Times" einen Analysten der Firma Canalysis. Für Apple wäre das umso verheerender, weil das Segment die am schnellsten wachsende Sparte des Apple-Imperiums ist: Im Vergleich zum Vorjahr legte ihr Umsatz um fast 40 Prozent zu, die iPhone-Umsätze dagegen nur um 14 Prozent. "Es ist unvermeidlich, dass 'Andere Produkte' im Laufe der Zeit Apples drittgrößter Umsatzbringer werden", sagt Apple-Analyst Neil Cybart von Above Avalon dem Blatt. Wie schnell das geht, hängt von Trumps Handelskrieg ab.

Quelle: n-tv.de

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