Wirtschaft

Kleiner Umbau, große Wirkung Wie ein Modehändler Verpackungsmüll einspart

Karton

Viele Kartonagen werden nach einmaliger Nutzung weggeworfen - dabei ließen sich viele einfach mehrfach verwenden.

imago/Norbert Schmidt

Ein Berliner Online-Modehändler setzt beim Versand seiner Waren auf Nachhaltigkeit. Mit einem einfachen Kniff versucht das Unternehmen weniger Verpackungsmüll zu produzieren - und spart damit sogar Geld.

Philipp Schultheis ist überzeugt davon, dass sich etwas ändern muss. Bei den Rücksendungen, die beim Online-Modehändler "Kauf Dich Glücklich" in Berlin eintreffen, sind die Kartonagen meist nahezu unbeschädigt, in denen bestellte Jeans, Sneakers und pastellfarbene Sofakissen zurückgeschickt werden. Trotzdem landeten die Pappkartons danach meist im Müll.

"Die meisten haben keinen Riss, sondern höchstens eine kleine Delle", sagt Schultheis. Der 25-Jährige ist Marketingmanager bei "Kauf Dich Glücklich", der nicht nur online seine Mode und Einrichtungsgegenstände vertreibt, sondern auch in 22 Läden in deutschen Städten sowie in Wien und Amsterdam. Ein großes Standbein ist aber auch der Versandhandel. Und die Erfahrung, die Schultheis beschreibt, ist kein Einzelfall.

Kartons, die als Retour-Sendung bei Online-Händlern eintreffen, werden in der Regel weggeworfen. Eine Studie des Instituts für Abfall, Abwasser und Infrastruktur (INFA) hat nun ergeben, dass das Volumen des Verpackungsanteils in der Papiertonne mittlerweile bis zu 71 Prozent beträgt - und damit mehr als dreifach so viel, wie bislang angenommen. Grund hierfür ist auch der boomende Internethandel. Gerade in der Modeindustrie sind die Retouren-Quoten besonders hoch.

Zwei Sorten von Kartonagen im Lager

Philipp Schultheis sieht immer wieder die Mengen an Verpackungsmüll, die im eigenen Betrieb anfallen. Fast die Hälfte der Bestellungen wird an den Shop zurückgesandt. Seit Mai 2018 steht in dem Versandzentrum im Wedding deshalb ein Schwerlastenregal, auf dem sich zwei Sorten von Kartonagen befinden. Auf der einen Seite stapeln sich nagelneue Kartons. Auf der anderen Seite Pappkartons, die bereits mehrfach verschickt wurden.

"Ein wirklicher Mehraufwand entsteht dadurch nicht", versichert Schultheis. Die Verpackungen müssten ja ohnehin angefasst und Pullis, Shirts und Hosen ins Sortiment zurückgelangen. Die insgesamt zehn Mitarbeiter im Versand sortieren bei jeder Retour-Sendung die Verpackungen aus und werfen nur noch Kartonagen in den Müll, die tatsächlich großflächig beschädigt sind.

Bislang ist es für die Kunden - meist weiblich und um die dreißig Jahre alt - auf der Online-Plattform optional, sich bei ihrer Bestellung für die sogenannte Re-Buy Funktion zu entscheiden. An den Versandkosten ändert sich für die Kunden dabei nichts.

"Geh zum zweiten Mal auf die Reise"

Aber immerhin jede zweite Bestellung, die auf der Online-Plattform getätigt wird, verlässt mittlerweile mit einem bereits schon einmal benutzten Karton das Versandzentrum. Auf dem Paket, das zu Hause eintrifft, klebt dann ein Aufkleber mit den Worten: "Geh zum zweiten Mal auf Reise." Oder: "Danke für Re-Use."

Ein und derselbe Karton wird maximal dreimal an unterschiedliche Kunden versendet. "Kauf dich Glücklich" bezieht seine Kartonagen seit der Mehrfachverwendung von einem neuen Lieferanten. Das Material der Kartons - eine Wellpappe - ist stabiler und rissfester als früher.

Zudem hat "Kauf Dich Glücklich" auch einen eigenen Nutzen davon. "Ein Nebeneffekt ist, dass es uns als Unternehmen auch Kosten spart", sagt Schultheis. Seit der Einführung des neuen Versands im vergangenen Jahr hat das Unternehmen eine hohe vierstellige Summe eingespart - und noch dazu jede Menge Verpackungsmüll.

Quelle: n-tv.de

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