Erste Schiffe verlassen MeerengeWie schnell normalisiert sich die Lage in der Straße von Hormus?

Hunderte Schiffe stecken noch in der Golfregion fest. Auch wenn die Straße von Hormus durch die Vereinbarung im Iran-Krieg geöffnet wird: Bis der Verkehr wieder normal läuft, könnten Monate vergehen.
Etwa 150 Schiffe durchfuhren die Straße von Hormus noch im Februar durchschnittlich pro Tag - bis der Iran-Krieg den Verkehr fast komplett zum Erliegen brachte. Nach mehr als drei Monaten Krieg soll der wichtige Seeweg nun wieder öffnen, nachdem die USA und der Iran sich auf ein Rahmenabkommen geeinigt haben. Die Unterzeichnung des Dokuments ist für Freitag geplant, dann könnte der Seeweg normal befahrbar werden. Aber ist die Krise für den Welthandel dann wirklich beendet?
Der internationalen Schifffahrtskammer mit Sitz in London zufolge müssen derzeit rund 500 Schiffe die Straße von Hormus durchfahren, um die Region sicher zu verlassen. Nach Angaben der International Maritime Organisation (IMO) vom Mai stecken in der Region rund 20.000 Seeleute, Hafenarbeiter und Offshore-Besatzungen fest. Nach iranischen Angaben hatten vor zwei Wochen mehr als 300 Schiffe ohne Bezug zum Iran um sichere Durchfahrt der Meerenge gebeten, die meisten davon Öltanker. Vor Kriegsbeginn fuhren im Schnitt alle zwei Tage rund 300 Schiffe durch die Straße von Hormus.
Bis sich der Verkehr nach einer Öffnung normalisiert, dürften aber noch Monate vergehen. Und die Frage sei dabei auch nicht, ob die Straße von Hormus heute öffnet, meint Jack Prandelli, der Rohstoffmärkte von der Schweiz aus beobachtet. "Es ist die Frage, ob sie morgen geöffnet bleibt und ob die Angriffe auf Schiffe tatsächlich aufhören." Denn der Iran habe nun verstanden, dass er die Weltwirtschaft durch Blockade der Meerenge in die Knie zwingen kann.
"Die Vorstellung, dass die Straße von Hormus einfach zur Normalität vor der Krise zurückkehren wird, ist eine gefährliche Illusion", schreibt das Fachmedium "Lloyd's List". Reedereien und Versicherer blieben skeptisch, dass eine tatsächliche Öffnung wirklich bevorstehen könnte.
Auch die deutsche Handelsschifffahrt rechnet damit, dass die Rückkehr deutscher Schiffe aus dem Persischen Golf mehrere Monate in Anspruch nehmen werde. "Wir schätzen mindestens drei Monate, wenn nicht sogar noch einen Tick länger, bis wir alle Schiffe wieder raus haben aus dem Persischen Golf", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger, RTL/ntv.
Kröger verwies darauf, dass zahlreiche Schiffe seit rund vier Monaten in dem Seegebiet vor Anker lägen oder dort unterwegs seien. Deshalb sei "wirklich schwer abzuschätzen, wie lange die Schiffe brauchen werden". Das hänge auch von der Route nach Deutschland ab. "Wenn ein Schiff unterwegs ist, kommt es darauf an, ob man durch das Rote Meer fahren kann, was im Moment immer noch schwierig ist", so Kröger. "Wenn Sie da durchfahren können, dann dauert es ungefähr eine Woche, wenn Sie nicht durchfahren können, dauert es ungefähr zwei Wochen, bis Sie in Deutschland anlanden können als Schiff."
Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump verlassen derweil bereits zahlreiche Schiffe die Straße von Hormus. Auf der Plattform Truth Social schrieb der Republikaner: "Schiffe, viele mit Öl beladen, beginnen, sich aus der Straße von Hormus herauszubewegen." Sie würden eine südliche Route nehmen, die "völlig sicher" sei. Es gebe weitere solche Bereiche in der Meerenge. Trump hatte zunächst betont, dass die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Meerenge erst nach der formellen Unterzeichnung des Iran-Abkommens am Freitag geöffnet werden soll.