Wirtschaft

Werke, Schulden, Synergieeffekte Wie viel ist Opel wert?

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Wertlos: Die großen Werke in Deutschland sind kein Wert mit dem Opel wuchern kann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Peugeot ist angeblich bereit, bis zu zwei Milliarden Dollar für Opel zu bezahlen. Müsste General Motors nicht eher Geld drauflegen, um den chronischen Verlustbringer loszuwerden? Analysten rechnen vor, warum sich der Kauf für die Franzosen lohnt.

Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Seit Jahren generiert Opel Verluste. Das Unternehmen wirft für seinen Besitzer keinen Gewinn ab, sondern verbrennt jährlich hunderte Millionen Euro. "Demnach scheint der Wert zunächst einmal negativ zu sein", sagt Sascha Gommel, Analyst für die Autoindustrie bei der Commerzbank. "Wenn man sich die Sache aber genauer anschaut, ergibt es durchaus Sinn, dass Peugeot Geld für den Kauf von Opel an den derzeitigen Eigentümer General Motors bezahlt - und nicht umgekehrt General Motors dafür, den Verlustbringer loszuwerden."

Die Rechnung, die Peugeot und GM jeweils machen, um ihr Gebot beziehungsweise ihre Forderung für Opel festzulegen, sei von außen nur schwer nachzuvollziehen, weil detaillierte Zahlen nicht öffentlich seien, sagt Auto-Analyst Frank Schwope von der NordLB. Viel hänge davon ab, welche Szenarien man für die künftige Entwicklung von Opel als Teil der Peugeot-Gruppe PSA annimmt.

Kaum ins Gewicht fällt jedenfalls der physische Besitz des deutschen Autobauers. "Es mag schwer vorstellbar sein, aber die riesigen Werke - auch wenn einmal viele Milliarden in sie investiert wurden - sind in der aktuellen Struktur praktisch wertlos", sagt Gommel. Angesichts der Überkapazitäten in der europäischen Autoindustrie, gibt es derzeit keine denkbaren Kaufinteressenten. Selbst wenn ein Autobauer eine neue Fabrik bräuchte, würde er wohl eher "auf der grünen Wiese und in einer anderen Region eine moderne Anlage bauen", so Gommel.

Marke soll 1,2 Milliarden Euro wert sein

Wertvoller ist da schon das geistige Eigentum von Opel. Allein den Wert der Marke hatten die Spezialisten des Beratungsunternehmens Spirit for Brands Ende vergangenen Jahres auf 1,2 Milliarden Euro beziffert. Dazu verfüge Opel über Technologie, die PSA künftig nutzen könne, vor allem im Bereich der Elektro-Mobilität, sagt Gommel. In welchem Wert Patente und Lizenzen allerdings mit dem deutschen Unternehmen den Besitzer wechseln, ist ein wichtiger Bestandteil der Verhandlungen und daher derzeit kaum konkret zu beziffern.

Ebenfalls schwer zu beziffern sind die Schulden und Verpflichtungen, die PSA mit Opel übernehmen müsste. Allerdings dürften sie erheblich sein. In der vergangenen Woche nannten Medien unter Berufung auf Insider aus den Verhandlungen die Zahl von rund einer Milliarde Dollar, die aber noch nicht endgültig sei. Der mit Abstand größte Brocken dabei dürften Pensionsverpflichtungen sein, schätzt Gommel.

Auf der Minus-Seite bei den Preisverhandlungen müssen auch die Kosten genannt werden, die Opel - zumindest vor einer möglicherweise erfolgreichen Restrukturierung - beim neuen Besitzer verursachen wird. So fuhr das Unternehmen im vergangenen Jahr beispielsweise einen Verlust von knapp einer Viertelmilliarde Dollar ein. Einen Jahresgewinn hatte Opel zuletzt 1999 ausgewiesen. Die Hoffnung, dass sich das einfach ändern wird, ist unter Analysten nicht weit verbreitet.

Restrukturierung erfordert Investitionen

Wieder in die Gewinnzone zu kommen, sei möglich, sagt Gommel. So könnte Opel als Teil von PSA seinen Absatz besser steigern. Denn bei GM war unter anderem China mit seinem riesigen Automarkt den anderen Konzernmarken vorbehalten. Opel durfte dort nicht aktiv werden. Zudem dürfte Peugeot auf Synergieeffekte im Zuge der enormen Expansion durch die Opel-Übernahme hoffen, etwa beim Einkauf und in der Forschung.

Um Opel wieder zu einem Gewinnbringer zu machen, sei eine umfassende Restrukturierung unumgänglich, sagt Schwope. Dass das nicht einfach wird, hat sich in den vergangenen Tagen bereits gezeigt. Gewerkschaften und Politiker in Deutschland wollen Druck auf PSA machen, möglichst alle Arbeitsplätze an den deutschen Standorten zu erhalten. Restrukturierungen erforderten aber auch, ebenso wie die Integration eines Unternehmens, meist hohe Investitionen, bevor Spareffekte oder Synergien eintreten, sagt Schwope. So sei etwa die Einführung eines konzernweiten Baukastensystems notwendig. Schwope rechnet hier wie Gommel mit Kosten in dreistelliger Millionenhöhe.

Trotz all dieser Kosten und Belastungen glauben die Experten, dass der Opel-Kauf für PSA ein lohnendes Geschäft sein könnte. Werden alle Synergie-, Spar- und Wachstumsmöglichkeiten konsequent genutzt, könnte Opel einen jährlichen Gewinn von 500 Millionen Euro oder mehr einbringen. Der in den Medien kolportierte Kaufpreis von rund einer Milliarde Dollar plus Schulden und Restrukturierungsaufwand könnte sich also innerhalb weniger Jahre amortisieren.

Quelle: n-tv.de

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