Wirtschaft

Pipeline lahmgelegt Wird Benzin nach Hackerangriff teurer?

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Europäische Energiehändler haben bereits Tankschiffe gesichert, um Benzin in die USA zu schaffen. 

(Foto: imago images/Future Image)

In den USA legen Hacker eine wichtige Pipeline lahm. Den Produktionsausfall wollen die Amerikaner durch Rohölimporte aus Europa ausgleichen. Experten befürchten, dass dadurch die Spritpreise in Deutschland ansteigen.

Der Hackerangriff auf einen US-Pipelinebetreiber treibt Rohöl- und Benzinpreise und könnte auch an deutschen Tankstellen spürbar werden. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 1,3 Prozent auf 69,20 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI gewann ähnlich stark auf 65,75 Dollar. Da unklar ist, wann die zentrale Pipeline zur Versorgung der US-Ostküste den Betrieb wieder aufnehmen kann, kletterten auch die Preise für künftige Lieferungen. Betreiber Colonial Pipeline erklärte, das Netz schrittweise wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Eine Rückkehr zum normalen Betrieb werde aber dauern.

Laut Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch hätte eine längere Unterbrechung Auswirkungen auch auf Europa. Fehlende Mengen in den USA könnten zu ungewöhnlichen Benzinlieferungen von Europa in Richtung USA führen: "In der Folge könnten also auch hier die Benzinpreise steigen." Dem Wirtschaftsdaten-Dienst Refinitiv zufolge haben europäische Energiehändler mindestens sechs Tankschiffe gesichert, um Benzin in die USA zu schaffen.

Brent Rohöl
Brent Rohöl 74,33

Am Wochenende musste Colonial Pipeline sein gesamtes Rohr-Netzwerk abschalten. Das komplette Leitungssystem des Betreibers ist fast 9000 Kilometer lang. Im Kern verbindet es Raffinerien und Ölhäfen am Golf von Mexiko mit den Ballungsräumen an der US-Ostküste und führt bis New Jersey. Rund die Hälfte des Treibstoffs für die US-Ostküste wird über diese Pipelines transportiert. Täglich fließen mehr als 2,5 Millionen Fass durch die Rohre. Durch einige kleinere Leitungen fließt den Angaben von Colonial zufolge zwar wieder Treibstoff. Die Haupt-Pipelines seien aber immer noch abgeschaltet. Auch der Transport mittels Lkw gilt angesichts der Kapazität der Pipeline als kein Ersatz.

Das Unternehmen war mithilfe sogenannter Ransomware angegriffen worden. Dabei infiziert ein Virus einen oder mehrere Rechner und verschlüsselt wichtige Daten. Hacker fordern anschließend ein Lösegeld ("Ransom") als Gegenleistung für das Passwort zur Entschlüsselung der Daten. Die US-Regierung arbeitet mit Colonial bei der Bekämpfung des Hackerangriffs zusammen. Über die Urheber ist offiziell nichts bekannt.

"Böse Jungs sind sehr geschickt"

Zu den Verdächtigen gehöre aber auch eine Kriminellen-Gruppe namens DarkSide, die aus Staaten der früheren Sowjetunion operiere, sagten mit dem Fall Vertraute zu Reuters. "Böse Jungs sind sehr geschickt darin, neue Wege für Angriffe auf die Infrastruktur zu finden", sagte Andrew Lipow, Chef der Beratungsfirma Lipow Oil. "Diese hat nicht die notwendigen Verteidigungsmöglichkeiten, um alle Wege, über die ein System infiziert werden kann, zu versperren." Die verstärkte Verteilung von Treibstoff per Tanklaster könne die weggefallenen Pipeline-Kapazitäten nicht wettmachen, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Da unklar sei, wann das Leitungsnetzwerk wieder in Betrieb gehe, müsse mit weiter steigenden Preisen für Erdöl-Produkte gerechnet werden. Der Terminkontrakt für Benzin - also für künftige Lieferungen - stieg um mehr als vier Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 2,217 Dollar je Gallone (3,8 Liter). Heizöl war mit 2,0776 Dollar so teuer wie zuletzt vor knapp eineinhalb Jahren.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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