Wirtschaft

US-Anwälte sammeln Klagen Wirecard droht neuer Ärger

Die Kursturbulenzen der Wirecard-Aktie bringen den Zahlungsabwickler an unerwarteter Front in Schwierigkeiten. Nach der Welle an Singapur-Gerüchten wollen Anwälte das Dax-Unternehmen nun vor US-Gerichte zerren. Die ersten Klagen liegen schon auf dem Tisch.

In den USA haben prominente Kanzleien juristische Schritte gegen den Dax-Konzern Wirecard eingeleitet. Dem Zahlungsdienstleister, der erst seit vergangenem Herbst im deutschen Leitindex notiert ist, drohen damit womöglich neue Risiken - zusätzlich zu den Spekulationen um etwaige Unregelmäßigkeiten in einer Niederlassung in Singapur.

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Mehrere US-Kanzleien haben in den vergangenen Tagen Aufrufe gestartet, um von Kursverlusten betroffene Anleger als Mandanten zusammenzutrommeln. Die ersten Sammelklagen wegen angeblicher Verstöße gegen Wertpapiergesetze wurden bereits eingereicht, heißt es. Weitere könnten schnell folgen.

Vorwurf: "Luftbuchungen"

Unter den Anwaltsfirmen, die den neuen deutschen Börsenstar ins Visier nehmen, ist auch die bekannte US-Kanzlei Hagens Berman, die schon etlichen anderen Konzernen wie etwa Volkswagen im "Dieselgate"-Skandal zu schaffen machte. "Wir konzentrieren uns auf Verluste von Investoren, das Ausmaß, in dem die Unternehmensführung an Luftbuchungen beteiligt gewesen sein könnte, und die Frage, ob Anleger womöglich in die Irre geführt wurden", teilte Hagens-Berman-Partner Reed Kathrein mit.

Auslöser der massiven Kursturbulenzen waren Berichte der "Financial Times" (FT) über Vorwürfe wegen angeblicher Kontomanipulationen und Dokumentenfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur. Die Berichte hatten unter Anlegern große Unruhe ausgelöst und die Aktie zuletzt wiederholt kräftig unter Druck gebracht.

Das Unternehmen räumte interne und externe Untersuchungen in dem Fall ein, sieht sich aber völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Rede war von einer "irreführenden und diffamierenden" Berichterstattung.

Kurssturz ohne konkrete Grundlage?

Der Autor des "FT"-Beitrags habe nur einen frühen Stand veröffentlicht, hieß es aus der Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München. Es habe im Fall Singapur keine schlüssige Feststellung eines Fehlverhaltens gegeben. Um die Vorwürfe restlos aufzuklären, arbeitet Wirecard eng mit externen Ermittlern zusammen. In Singapur untersuchen die Behörden den Fall. Und mit Blick auf die von den Berichten ausgelösten Kursturbulenzen hat mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft München ein eigenes Ermittlungsverfahren eingeleitet.

In den USA prüfen derzeit mindestens fünf weitere Kanzleien Sammelklagen gegen das Dax-Unternehmen aus Aschheim bei München. Die erste Klage wird im Namen eines Anlegers geführt, der sich durch irreführende oder falsche Angaben von Wirecard geschädigt sieht. Die dazugehörige Klageschrift wurde bereits am vergangenen Freitag bei einem Bundesbezirksgericht in Los Angeles eingereicht. Neben dem Unternehmen sind darin auch Wirecard-Manager wie Vorstandschef Markus Braun als Beschuldigte aufgeführt.

Die Aktien von Wirecard sind zwar im deutschen Leitindex Dax gelistet, was die Brisanz von US-Klagen mindert. Allerdings gibt es verschiedene Wertpapiere, die als Platzhalter etwa in Form von Aktienhinterlegungsscheinen am US-Kapitalmarkt gehandelt werden. Deshalb könnten dem Unternehmen dort theoretisch durchaus unangenehme und langwierige Verfahren drohen. Zunächst muss sich jedoch zeigen, wie viele der Kanzleien ernst machen und ob die zuständigen US-Gerichte entsprechende Sammelklagen gegen Wirecard zulassen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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