Wirtschaft

Um die Gaslücke zu schließen "Wirtschaftsweise" Grimm für längere AKW-Laufzeiten

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Die Atommeiler sollen eigentlich Ende 2022 vom Netz gehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Russlands Drosselung der Gaslieferungen entfacht die Debatte um eine Laufzeitverlängerung neu. Die "Wirtschaftsweise" Grimm fordert deswegen nicht nur längere Laufzeiten der Atomkraftwerke. Es sollten auch alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um Gas einzuspeichern.

Die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm hat sich für längere Laufzeiten der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke ausgesprochen. "Für die kommenden Jahre, in denen wir noch nicht ausreichend Erneuerbare Energien zur Verfügung haben, kann die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke etwas Luft verschaffen", sagte Grimm den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Atommeiler sollen eigentlich Ende 2022 vom Netz gehen. Russlands Drosselung der Gaslieferungen hat die Debatte um eine Laufzeitverlängerung aber neu entfacht. Die Wirtschaftswissenschaftlerin, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, warnte vor einem Zusammenbrechen der Lieferketten, sollte Russland Deutschland kein Gas mehr liefern. "Die Auswirkungen müssten dann mit staatlichen Hilfsmaßnahmen adressiert werden, ähnlich die in der Corona-Pandemie: Unternehmenshilfen und Kurzarbeit", sagte Grimm.

Je nach Szenario würde bei einem russischen Lieferstopp beim Gas die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,5 bis 6 Prozent sinken, im Extremfall sogar um 12 Prozent. "Je geringer die Gaslücke, desto geringer auch die Auswirkungen auf die Lieferketten. Daher gilt es jetzt, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Gas einzusparen", mahnte Grimm. Es sollte Anreize für die Haushalte geben, Gas zu sparen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert einen Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Isar 2 und sieht keinen Mangel an Brennstäben. "Viele Experten halten es nach unseren Informationen für möglich. Das belegt auch ein Gutachten des TÜV Süd, das vom bayerischen Umweltministerium in Auftrag gegeben wurde", sagte Söder dem "Münchner Merkur". "Demnach könnte Isar 2 bis zum Jahresende 100 Prozent Strom erzeugen - und mit den bestehenden Brennstäben dann noch mal sechs Monate lang insgesamt weitere fünf Terawattstunden. Bis dahin hätten wir schon wieder neue Brennelemente." Söder verlangte Tempo: "Es ist also eine politische Entscheidung und keine technische. Aber jeder Tag, den die Ampel verstreichen lässt, macht es schwieriger."

Quelle: ntv.de, jki/dpa

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