Wirtschaft

Seit Monaten fehlt jede Spur Wo steckt Alibaba-Gründer Jack Ma?

Der Alibaba-Gründer, der öffentlich immer loyal zur Kommunistischen Partei stand, ist nach scharfer Kritik an dem chinesischen Finanzsystem in Ungnade gefallen. Inzwischen ist nicht nur der Börsengang der Finanztochter Ant Group vom Tisch, sondern der Tech-Milliardär ist seit Monaten spurlos verschwunden.

Einer der reichsten Männer Chinas, Alibaba-Gründer Jack Ma, ist seit Ende Oktober von der öffentlichen Bildfläche verschwunden, das legt ein Bericht des "Wall Street Journals" nahe.

Ein Indiz: Der Gründer des chinesischen Online-Versandhauses Alibaba ist eigentlich sehr aktiv auf Twitter. Doch auf dem Account des Unternehmers ist es seit dem 10. Oktober sehr ruhig. Hatte Ma zuvor seine Follower regelmäßig auf dem Laufenden gehalten, ist seit dem Herbst kein einziger Tweet mehr abgesetzt worden. Auch in seiner eigenen Show "Africa's Business Heroes" taucht Ma nicht mehr auf, sondern wurde als Jury-Mitglied durch das Vorstands-Mitglied Lucy Peng ersetzt. In einem Statement des Unternehmens heißt es laut "Financial Times" dazu lediglich: Aufgrund einer Terminüberschneidung kann Mr. Ma nicht mehr länger Teil der Jury des Finales von "Africa's Business Heroes" sein. Die Erklärung widerspricht allerdings einem Tweet von Ma aus dem August, in dem er den Finalisten gratulierte und ankündigte, er könne es nicht abwarten, sie zu treffen. Mas Vermögen wird von "Bloomberg" auf rund 50 Milliarden Dollar geschätzt. Damit liegt er weltweit auf Platz 25.

Auf einem Finanzforum in Shanghai hatte der Milliardär scharfe Kritik an dem chinesischen Regime und der Wirtschaft geübt. Er hatte dort gesagt, dass das chinesische Finanzsystem durch zu strenge Regulierungen den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt des Landes behindern würde. Dem Bericht zufolge sollen diese Äußerungen auch der Grund gewesen sein, weshalb Chinas Präsident Xi Jinping persönlich den geplanten Börsengang von Mas Unternehmen Ant Group verhindern ließ. Der Megabörsengang sollte mindestens 34 Milliarden US-Doller einbringen, was Ant mit mehr als 300 Milliarden Dollar bewertet hätte.

Die Zeitung zitiert einen hohen chinesischen Beamten, wonach es den Präsidenten nicht interessiere, wie reich jemand sei, sondern lediglich, ob man seine Interessen, mit denen des Staates in Einklang bringe. Im November 2018 wurde Ma vom Präsidenten noch als einer der 100 Menschen ausgezeichnet, die in den vergangenen vier Jahrzehnten "außergewöhnlich" zu Chinas wirtschaftlicher Entwicklung beigetragen haben. In dem entsprechenden Bericht der Staatszeitung "Peoples Daily" wurde zugleich bekannt gegeben, dass Ma Mitglied der Kommunistischen Partei sei.

Megabörsen-Deal geplatzt

Ende Dezember war dann bekannt geworden, dass die chinesische Kartellbehörde Ermittlungen gegen Alibaba eingeleitet hatte und wegen mutmaßlicher Monopol-Verstöße ermittelt. Es folgte eine Aufforderung der Kartellbehörden an die Ant Group, das Unternehmen solle sich auf ihr Kerngeschäft mit Bezahldiensten konzentrieren und Teile seiner Geschäftsbereiche stark überarbeiten.

Der Fall erinnert an den im März verschwundenen Immobilien-Mogul Ren Zhiqiang. Er hatte den Präsidenten wegen seines Umgangs mit der Corona-Krise zuvor als "Clown" bezeichnet und wurde im September dann zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll laut Gericht "freiwillig" verschiedene Korruptionsdelikte gestanden haben.

Chinas Präsident hatte bereits vor seinem Amtsantritt im März 2013 seinem Volk versprochen, er wolle gegen die grassierende Korruption im Land vorgehen. Mit hollywoodreifen Verhaftungen geht Xi seitdem auch gegen den Finanzsektor vor und versucht damit, nicht nur korrupte Funktionäre, sondern auch seine Rivalen zu beseitigen.

Quelle: ntv.de, jki