Wirtschaft

Billigflieger in Schwierigkeiten Wow Air fliegt in die Pleite

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Drehkreuz im Nordatlantik: Von Keflavik aus bietet Wow Air günstige Verbindungen zwischen Europa und den USA an.

(Foto: Wow Air)

Die nächste Airline muss aufgeben: Die isländische Fluggesellschaft Wow Air sagt kurzfristig alle Flüge ab. Der Billigflieger steckt in Zahlungsnöten, Verhandlungen um eine Rettung in letzter Minute sind gescheitert. Alle Jets bleiben am Boden.

Der isländische Billigflieger Wow Air ist mit dem Versuch gescheitert, kurzfristig doch noch eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Die in finanzielle Bedrängnis geratene Fluglinie Wow Air stellte den Betrieb am Vormittag komplett ein. "Alle Wow-Air-Flüge werden gestrichen", teilten die Isländer mit.

Wow Air hatte Anfang der Woche zwar eine Einigung mit den Anleihegläubigern erzielt, die ihre Papiere in Eigenkapital umtauschen wollten. Diskussionen mit Investoren über eine weitere Finanzierung des Unternehmens hatten aber erst begonnen und führten nun zu keinem Ergebnis.

Am Morgen noch hatte die Airline erklärt, alle Maschinen der Wow-Air-Flotte "bis auf Weiteres" am Boden zu lassen. Als Begründung wurde dabei angegeben, man befinde sich in der Endphase von Kapitalverhandlungen mit möglichen Geldgebern. Man stehe in den Verhandlungen kurz davor, eine Kapitalerhöhung abzuschließen, hieß es. Bis all das "finalisiert" sei, würden alle Flüge ausgesetzt.

Die Hoffnungen auf eine schnelle Geldspritze haben sich offenbar nicht erfüllt. Wow Air rief die betroffenen Passagiere mit gebuchten Tickets dazu auf, sich nach anderen Fluggesellschaften umzusehen. Möglicherweise seien diese bereit, Wow-Air-Reisende zu vergünstigen Konditionen zu befördern. Sollte das der Fall sein, würden entsprechende Informationen veröffentlicht, teilte die Fluggesellschaft weiter mit.

Am Morgen wurden unter anderem die Wow-Air-Flüge zwischen Reykjavik und Berlin-Schönefeld sowie Reykjavik und Frankfurt am Main gestrichen. Alle Passagiere seien bereits informiert worden, erklärte die Airline. Weitere Informationen sollten im Lauf des Tages folgen.

Rettung in letzter Minute geplatzt

Die Fluggesellschaft hatte in den vergangenen Tagen dem Vernehmen nach unter anderem auch Gespräche mit Icelandair geführt, nachdem Verhandlungen mit dem Risikokapitalgeber Indigo Partners abgebrochen worden waren. Icelandair hatte allerdings bereits im vergangenen Jahr ein Übernahmeangebot an Wow Air zurückgezogen. Wow Air musste daraufhin bereits den Gürtel enger schnallen.

Im Dezember 2018 kündigte Wow Air an, die Flugzeugflotte von 20 auf elf Maschinen einzudampfen und das Personal um 111 Stellen auf rund 1000 Angestellte zu verringern. Wow Air fliegt durchgehend mit Mittelstreckenjets vom Typ Airbus A320neo und A321-200.

Das Konzept der Airline stützt sich dabei voll auf das heimische Drehkreuz im Nordatlantik. Vom isländischen Flughafen Keflavik bei Reykjavik aus verbindet Wow Air Ziele in Europa und Nordamerika. In Deutschland werden die Flughäfen Frankfurt am Main und Berlin-Schönefeld bedient.

Sollten die Wow-Air-Maschine dauerhaft am Boden bleiben, sind Beobachtern zufolge größere Auswirkungen auf den für Island wichtigen Tourismussektor zu erwarten. Wow Air beförderte mehr als ein Drittel aller Passagiere auf dem Weg nach Island. Wow Air kam im vergangenen Jahr auf insgesamt rund 3,5 Millionen beförderte Passagiere.

Branchenkennern zufolge ist Wow Air ein weiteres Opfer des erbitterten Wettbewerbs um Reisende in Europa. Steigende Kosten für Treibstoff belasten die knapp kalkulierenden Billig-Flieger, während das Überangebot an Flügen auf die Preise drückt. In Deutschland war zuletzt die Fluggesellschaft Germania in die Pleite geflogen, im Sommer 2017 hatte sich Air Berlin verabschiedet. Auch die britischen Billig-Flieger Flybmi und Primea Air bleiben am Boden.

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Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/dpa/rts

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