Wirtschaft

About You: Countdown für IPO Zalando bekommt Konkurrenz an der Börse

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Die trendige Onlinemodeplattform About You geht an die Börse. Im Bild Model Lena Gercke bei der Verleihung der About-You-Awards.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit dem Online-Modehändler About You wagt ein weiteres Schwergewicht den Schritt aufs Börsenparkett. Mit 23 Euro je Aktie ist der Zuspruch für den Zalando-Konkurrenten jedoch nicht überwältigend. Privatanleger waren bei der Zuteilung außen vor. Ins Auge sticht: Auch das Top-Management macht Kasse.

Der Countdown für einen weiteren namhaften Neuzugang an der Frankfurter Börse läuft: An diesem Mittwoch will es die Otto-Tochter About You wagen, nachdem in diesem Jahr schon der Linux-Softwareanbieter Suse, der Funkmasten-Betreiber Vantage Towers und der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 ihre Börsendebüts gefeiert haben.

Die Aktien des Hamburger Online-Modehändlers werden für das geplante Börsendebüt bei 23 Euro zugeteilt, wie das Unternehmen am Montag in einer Pflichtmitteilung verkündete. Das ist in etwa in der Mitte der Spanne von 21 bis 26 Euro, zu der die Aktien Investoren angeboten worden waren. Insgesamt wurden gut 36 Millionen Papiere einschließlich Mehrzuteilung platziert, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp vier Milliarden Euro. Der Streubesitz beträgt voraussichtlich 21 Prozent, sofern die sogenannte Greenshoe-Option vollumfänglich ausgeübt wird. Das Volumen des Börsengangs liegt bei 842 Millionen Euro. Dem Unternehmen selbst fließen den Angaben nach brutto 657 Millionen Euro zu, den Rest streichen die Alteigentümer ein.

Bei der Platzierung handelte es sich um eine Privatplatzierung. Das heißt, nur ausgewählte Investoren - meist institutionelle Anleger - konnten Aktien erwerben. Werden die Anteilsscheine ausschließlich an weniger als 100 professionelle Anleger verkauft, gibt es keine Prospektpflicht. Privatanleger können erst dann Aktien ergattern, wenn diese an der Börse gehandelt werden.

Eine Milliarde Umsatz, kein Gewinn

About You wurde 2014 als Tochter des Hamburger Versandhandelsriesen Otto gegründet, der auch heute noch der größte Anteilseigner bei About You ist. Das Unternehmen will vor allem in Konkurrenz zu Zalando treten. Sie bedienen ähnliche Märkte, und bei beiden Unternehmen geht es um den E-Commerce. Beziehungsweise um den Modeversandhandel, der zwar eine Nische ist, allerdings in diesem Markt durchaus eine Bedeutung hat.

Die Hoffnungen hängen hoch: Der Onlineboom während der Corona-Pandemie hat About You erstmals einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro beschert. Die Erlöse des vergangenen Geschäftsjahres stiegen im Vorjahresvergleich um 57 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Dennoch schreibt das Unternehmen weiter einen operativen Verlust. So hat sich die Marge des bereinigten operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwar von minus neun auf minus drei Prozent verbessert, bleibt aber damit negativ. Immerhin: Im Schlussquartal wirtschaftete das Unternehmen den Angaben zufolge auf Basis des bereinigten operativen Ergebnisses profitabel.

Konkurrent Zalando steht komfortabler da: Europas größter Online-Modehändler, der schon länger an der Börse ist, kam im vergangenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von rund acht Milliarden Euro und wird an der Börse mit rund 23 Milliarden Euro bewertet. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass Zalando mit seinem Angebot auch breitere Konsumentenschichten anspricht.

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Für das laufende Geschäftsjahr hofft About You auf weitere Zuwächse. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erwartet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2021/22 ein Wachstum des Nettoumsatzes von 40 bis 50 Prozent. Das Unternehmen will davon profitieren, dass Menschen weniger im stationären Handel einkaufen gehen und stattdessen verstärkt Online-Shopping für sich entdecken. Dafür wirbt About You mit Influencern und Künstlicher Intelligenz um die Aufmerksamkeit junger Kunden, die für soziale Medien und digitales Marketing empfänglich sind. Aktuell ist das Unternehmen in 23 europäischen Märkten vertreten. Mit dem Geld aus dem Börsengang will das Unternehmen weiter expandieren, der Erlös könnte aber auch für Investitionen in die Technik genutzt werden.

In den vergangenen Wochen hatten sich verstärkt vor allem jüngere Unternehmen an das Börsenparkett getraut. Als Nächstes dürfte der Online-Fahrradhändler Bike24 folgen. Börsenpläne haben laut Insidern auch der nordbayerische Autozulieferer Novem und der Windparkbetreiber Blue Elephant. Am Montag gab der Berliner Online-Optiker Mister Spex seinen IPO für das dritte Quartal bekannt.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/dpa

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