Wirtschaft

"Katastrophale Lage" Zehn Millionen neue Arbeitslose in den USA

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Leere Straßen - inzwischen sind 200 Millionen US-Amerikaner von Ausgangssperren betroffen.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Ein trauriger Rekord, der erwartungsgemäß nicht alt wurde. In den USA setzen die Unternehmen reihenweise ihre Beschäftigten vor die Tür. Bereits vergangene Woche haben so viele Menschen wie seit Jahrzehnten nicht um staatliche Hilfe ersucht. Nun hat sich binnen Wochenfrist die Zahl der Erstantragssteller verdoppelt.

In der Coronavirus-Krise schnellen die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA auf historische Höchstwerte. In der vergangenen Woche stellten 6,65 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Analysten hatten lediglich mit 3,5 Millionen Anträgen gerechnet. In der Woche zuvor war bereits mit knapp 3,3 Millionen Anträgen der bisherige Höchststand von 1982 überboten worden.

Damit haben allein in den beiden letzten März-Wochen rund zehn Millionen Menschen einen Erstantrag auf staatliche Hilfe gestellt. Helaba-Analyst Ralf Umlauf bezeichnete die Arbeitsmarktlage in den USA als katastrophal. Bis vor wenigen Wochen hatte die Zahl der Erstanträge noch regelmäßig unter 100.000 pro Woche gelegen.

200 Millionen von Ausgangsbeschränkungen betroffen

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote von zuletzt 3,5 Prozent im Zuge der durch die Virus-Pandemie ausgelösten Entlassungswelle in die Höhe schießen wird: Führende Währungshüter der Notenbank Fed rechnen mit einem Anstieg auf zweistellige Werte. Am morgigen Freitag wird der US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. In ihm dürfte sich die Lage aber noch nicht widerspiegeln, weil es wie in Deutschland auch einen Stichtag dafür gibt - und der lag vor der Explosion der Erstanträge.

Inzwischen allerdings unterliegen etwa zwei Drittel der rund 330 Millionen Amerikaner von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. Mittlerweile berichteten Personaldienstleister sogar von einer rückläufigen Nachfrage nach Arbeitskräften in normalerweise wenig konjunktursensiblen Bereichen wie Gesundheitswesen und Erziehung, sagten die Experten der Commerzbank.

Mit einem Konjunkturpaket, mit dem der US-Kongress rund zwei Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen will, wurde die bislang sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe vergangene Woche ausgeweitet. Nun soll es Arbeitgebern auch möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben statt sie zu entlassen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Die Neuregelung hatte auf die jüngsten Erstanträge zunächst aber wohl noch kaum Auswirkungen. Bis Anfang Februar brummte die US-Konjunktur noch, an der Börse wurden Höchststände vermeldet und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent.

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Trump: "Wie eine Rakete" durchstarten

Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronavirus-Pandemie ist immer noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten inzwischen aber einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet. In den USA wird die Konjunktur in weiten Teilen vom Konsum getragen. Mit einem wachsenden Heer von Arbeitslosen sinken folglich auch die Ausgaben der Verbraucher.

Präsident Donald Trump, der sich im November um eine Wiederwahl bewirbt, rühmte sich seiner erfolgreichen Wirtschaftspolitik. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte. Trump verspricht derweil, die Wirtschaft werde nach dem Ende der Epidemie wieder "wie eine Rakete" durchstarten. In den USA gab es bis Donnerstagmorgen (Ortszeit) Forschern der Universität Johns Hopkins zufolge rund 220.000 bestätigte Corona-Infektionen. Mehr als 5000 Menschen sind infolge der vom Virus ausgelösten Erkrankung Covid-19 gestorben.

Quelle: ntv.de, jwu/wne/rts/AFP/dpa