Wirtschaft

Manipulation auch bei Benzinern? Zeugen deuten weiteren VW-Betrug an

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(Foto: picture alliance/dpa)

Der Abgasbetrug bei VW betrifft womöglich nicht nur Diesel-Modelle. Der Staatsanwaltschaft München liegen Hinweise vor, dass der Konzern auch den CO2-Ausstoß von Benzinern auf dem Prüfstand beeinflusst hat.

VW, Audi und Porsche haben womöglich auch die Abgastests von einigen Benzinern manipuliert. Dies gehe aus Zeugenberichten in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft München hervor, schreibt die "Bild am Sonntag". Bei einem Krisentreffen im November 2015 hätten Experten aus dem VW-Konzern berichtet, dass die Automatikgetriebe der Hersteller Schaltprogramme enthielten, die nur auf dem Prüfstand aktiv seien und Emissionswerte beeinflussen könnten. Gegenüber den Ermittlern sollen die Zeugen erklärt haben, dass die Getriebefunktionen in erster Linie genutzt wurden, um den CO2-Ausstoß und damit den Spritverbrauch zu manipulieren.

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Ein VW-Sprecher wollte sich zu den Fragen wegen des laufenden Verfahrens der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Er verwies darauf, dass der VW-Konzern in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Kraftfahrtbundesamt über Getriebethemen gesprochen habe. "Es gibt in diesem Zusammenhang keine neuen Sachverhalte."

Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, für einen Betrug bei Benzinern des Konzerns gebe es keine Anhaltspunkte. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sei den bereits bekannten Vorwürfen nachgegangen.

Die Grünen warfen dem Bundesverkehrsministerium dagegen Untätigkeit vor. "Es ist gut, dass die Staatsanwälte den schon lange bekannten Hinweisen nachgehen, denn weder Verkehrsminister Scheuer noch sein Vorgänger Dobrindt haben in der Frage irgendetwas Substanzielles unternommen", erklärte Vize-Grünen-Fraktionschef Oliver Krischer. Es könne niemanden verwundern, dass die Konzerne nicht nur bei Dieseln, sondern auch bei Benzinern Abgasmessungen auf dem Prüfstand manipuliert hätten.

Anleitung zur Manipulation

Der "Bild am Sonntag" liegt nach eigenen Angaben eine interne Präsentation vor, aus der hervorgeht, wie die Schaltprogramme auf dem Prüfstand aktiviert werden. Eine Anleitung betreffe den T5 Bulli, schreibt die Zeitung. Um den "Rollenmodus" zu aktivieren und die Emissionen zu verringern, müsse der Fahrer die Zündung einschalten, den Warnblinker betätigen und fünf Mal das Gaspedal 100 Prozent drücken.

VW hatte im November 2015 zugegeben, bei der Typen-Zulassung zahlreicher Modelle zu niedrige CO2-Werte angegeben und damit falsche Versprechen über den Spritverbrauch gemacht zu haben. Davon waren nach ersten Angaben des Konzerns rund 800.000 Fahrzeuge betroffen, darunter auch mehrere Benziner. Später reduzierte VW die Zahl der betroffenen Fahrzeuge auf etwa 36.000. Bis dahin war der Abgasskandal auf die Manipulation von Stickoxidwerten bei Dieselautos beschränkt.

Quelle: n-tv.de, chr/rts

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