Wirtschaft

VW könnte Ex-Manager verklagen Zivilrechtliche Schritte gegen Winterkorn?

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Juristisch könnte der VW-Skandal für Martin Winterkorn noch ernste Folgen haben.

(Foto: AP)

Managementfehler müssten auch zivilrechtlich geahndet werden, sagt der Präsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz angesichts des VW-Skandals. Ex-Vorstandschef Winterkorn könnte deshalb von Volkswagen auf Schadenersatz verklagt werden.

Nachdem die Staatsanwaltschaft gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wegen möglicher Beteiligung an Straftaten ermittelt, sollte nach Auffassung von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und Ulrich Hocker, des Präsidenten der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der Aufsichtsrat auch zivilrechtliche Schritte prüfen.

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"Strafrechtlich gilt die Unschuldsvermutung", sagte Hocker gegenüber der "Rheinischen Post". "Aber der Aufsichtsrat ist vom Aktiengesetz her verpflichtet, mögliche Managementfehler bei Volkswagen nun auch zivilrechtlich zu ahnden. Da kann es um Schadenersatz von vielen Millionen Euro für das Unternehmen gehen."

Kutschaty erklärte: "Winterkorn als früherer Vorstandsvorsitzender muss nun damit rechnen, dass ihn das Unternehmen zivilrechtlich verklagt. Wenn gegen Gesetze verstoßen wurde, kann dies eine Haftung des Managers gegenüber dem Unternehmen begründen."

Müller will Vertrauen zurückgewinnen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zuvor erklärt, sie ermittle gegen den ehemaligen Topmanager. Hintergrund seien mehrere Strafanzeigen wegen Betrugs. Bei den Ermittlungen geht es der Staatsanwaltschaft Braunschweig nach eigenen Angaben vor allem um die Klärung der Verantwortlichkeiten bei dem Abgas-Skandal. Auch der Volkswagenkonzern stellte demnach eine Strafanzeige - allerdings sei darin kein Beschuldigter genannt worden.

Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller sieht den Autobauer angesichts des Abgas-Skandals vor der "größten Bewährungsprobe" der Unternehmensgeschichte. "Es geht darum, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen", sagte Müller laut VW-Mitteilung vor Führungskräften des Konzerns. "Dazu braucht es eine schonungslose und konsequente Aufklärung." Müller sprach von einem "schweren Weg".

Täuschung und Manipulation seien durch nichts zu rechtfertigen, sagte der neue Konzernchef, der zuvor den Sportwagenbauer Porsche geführt hatte. Er sprach von einem "unfassbaren Fehlverhalten bei Volkswagen". Der Aufsichtsrat habe eine unabhängige externe Untersuchung durch die US-amerikanische Großkanzlei Jones Day beauftragt.

Auch Zulieferer betroffen

Weltweit betrifft der Abgas-Skandal insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns. Die Software sei aber nur in einem Teil davon aktiviert, sagte Müller laut Mitteilung. "Wir rechnen deshalb damit, dass die Zahl der tatsächlich betroffenen Fahrzeuge letztlich geringer sein wird." In Deutschland sind laut Volkswagen etwa 2,8 Millionen Autos betroffen.

Zuletzt wurde bekannt, dass weltweit auch rund 2,1 Millionen Audi, 1,2 Millionen Skoda und 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge betroffen sind. Die in den Autos verwendete Software kann dafür sorgen, dass im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen werden als im regulären Betrieb.

Die IG Metall fürchtet inzwischen um Arbeitsplätze bei Automobilzulieferern. "Wir haben vor allem ein Beschäftigungsproblem bei den Zulieferern, die heute Dieselteile liefern", sagte Gewerkschaftsvize Jörg Hofmann der "Stuttgarter Zeitung". Allein bei Bosch seien gut 15.000 Arbeitsplätze in Deutschland von dieser Antriebstechnik unmittelbar abhängig.

Quelle: ntv.de, mli/DJ/AFP/dpa

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