Wirtschaft

Facebook gefährdet Demokratie Zuckerberg muss Platz machen

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Zuckerberg ist mit Facebook zu einem Selfmade-Milliardär geworden.

REUTERS

Facebook ohne Mark Zuckerberg? Das klang lange völlig undenkbar. Doch mittlerweile ist klar: Bei einem der weltweit mächtigsten Konzerne ist es höchste Zeit für einen Neuanfang.

Bei Facebook folgt ein Skandal auf den nächsten: Datenmissbrauch, Fake News, Wahlmanipulationen. Glaubt man, es könnte nicht schlimmer werden, kommt es noch schlimmer. Das größte Problem? Mark Zuckerberg. Der Konzernchef hat Anfang dieses Jahres vollmundig verkündet, seine Mission bestehe darin, sein Gründungswerk Facebook zu "reparieren". Doch es sieht nicht danach aus, dass ihm das gelingt. Ganz im Gegenteil.

Aus der beeindruckenden Erfolgsgeschichte eines Harvard-Studenten, der zum jüngsten Selfmade-Milliardäre der Geschichte wurde, ist längst eine Bedrohung für die Demokratie geworden. Ein paar Beispiele: Facebook gab 87 Millionen Nutzerdaten an die Analysefirma Cambridge Analytica weiter, die damit unerlaubt Wahlkampf für US-Präsident Donald Trump betrieb. Der Kreml platzierte Fake-News über die Plattform und versuchten damit den Wahlkampf zu manipulieren, wovon Facebook offenbar sogar schon lange wusste.

Staatliche Regulierungen sind daher dringend nötig. Sie reichen aber nicht aus. Denn Zuckerberg ist entweder nicht in der Lage oder nicht bereit, aus Facebook einen Laden zu machen, dem seine Nutzer auch trauen können. Leere Versprechungen und Lippenbekenntnisse lassen daran zweifeln, dass Zuckerberg seine angekündigte Mission umsetzt.

Dass sich im Grunde nichts geändert hat, zeigen die jüngsten Enthüllungen der "New York Times". Der Konzern selbst soll bei Schmutzkampagnen mitgemischt haben: Die von Facebook beauftragte PR-Firma Definer versuchte gezielt, Kritiker zu diffamieren und von Facebooks Fehlern abzulenken. Und Zuckerberg? Er will als Konzernchef von all dem nichts gewusst haben.

Typisch Silicon Valleys

Zuckerberg verkörpert die Überheblichkeit des Silicon Valleys. Beim britischen Parlament etwa tauchte er trotz wiederholter Aufforderungen erst gar nicht auf. Zuckerberg schickte nur einen Vertreter, der die Vorwürfe, dass Facebook von Wahlmanipulationen bereits vorab gewusst haben soll, geflissentlich dementierte. Zuckerberg erscheint immer nur dann persönlich, wenn ihm nichts anderes übrig bleibt.

Er repräsentiert das Denken der kalifornischen Tech-Konzerne, bei denen der Erfolg über allem steht. Ob Uber, Airbnb oder Facebook:  Sie sehen sich als die Guten, die mit ihren Ideen die Welt verbessern - auch wenn sie die Realität eines Besseren belehrt.

Mit Facebook hat Zuckerberg etwas Neues erschaffen. Ein riesiges soziales Netzwerk, das Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbindet. Mittlerweile ist daraus aber ein übermächtiger Konzern, eine riesige Datenkrake geworden, die mit den privatesten Daten seiner Nutzer Geld verdient und Demokratien schadet. Millionen Nutzer kehren dem Konzern mittlerweile den Rücken. Zuckerberg sollte seinem Lebenswerk und sich selbst einen Gefallen tun und den Weg für einen Neuanfang frei machen.

Quelle: n-tv.de

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