DAX stürzt tief
Die Angst der Anleger vor einem Abschwung der US-Wirtschaft hat die Börsen auf Talfahrt geschickt. Ein überraschend langsamer Stellenaufbau und eine steigende Arbeitslosigkeit im Juli brachten das Thema Rezession zurück in die Handelsräume. Ebenso verunsicherte die sich schneller drehende Eskalationsspirale im Nahen Osten und die zunehmende Kriegsgefahr in der Krisenregion die Investoren. Der VIX-Index, der die Volatilität des US-Aktienmarkts misst und als Angstbarometer der Wall Street gilt, stieg auf den höchsten Wert seit Oktober 2023.
Der deutsche Leitindex Dax rutschte unter die im Mai eroberte 18.000-Punkte-Marke und fiel 2,2 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 17.668 Punkten.
Glorreiche Sieben "haben hohe Erwartungen nicht erfüllt"
Tech-Riesen schwingen die Job-Axt
Nach Jahren des Wachstums setzt die Technologiebranche beim Personal den Rotstift an. Seit Anfang 2022 wurden der Internetseite Layoffs.fyi zufolge allein in den USA 550.000 Beschäftigte der Technologie-Industrie vor die Tür gesetzt.
ALPHABET: In mehreren Wellen setzt die Google-Mutter insgesamt mehr als 12.000 Beschäftigte an die Luft.
AMAZON: Der Online-Händler und Cloud-Anbieter streicht insgesamt etwa 27.000 Jobs.
META PLATFORMS: Die Facebook-Mutter baut erstmals seit der Firmengründung 2004 Stellen ab. Insgesamt müssen 21.000 Beschäftigte gehen. Das entspricht knapp einem Viertel der Belegschaft. Außerdem würden weitere 5000 offene Stellen vorerst nicht besetzt.
MICROSOFT: Der Software-Konzern baut insgesamt etwa 13.000 Jobs ab. Hierzu gehören auch Beschäftigte des Karriere-Netzwerks LinkedIn, der Videospiele-Sparte und der in China geschlossenen Jobbörse InCareers.
SAP: Europas größtes Software-Haus kündigt nach einem Gewinnrückgang Anfang 2023 den Abbau von 3000 Stellen an. Das entspricht 2,5 Prozent der SAP-Belegschaft. Weitere 10.000 Jobs fallen 2024 wegen der Konzentration auf zukunftsträchtige Geschäftsbereiche weg. Da ein Teil der Betroffenen umgeschult werden soll und beispielsweise Experten für Künstliche Intelligenz (KI) neu eingestellt werden, bleibe die Gesamtzahl der Belegschaft in etwa gleich.
INFINEON: Nach zwei Prognose-Senkungen binnen weniger Monate legt der Chip-Hersteller ein Sparprogramm auf. In diesem Rahmen wird im Werk Regensburg eine "mittlere dreistellige Zahl" der insgesamt mehr als 3100 Stellen dort abgebaut.
INTEL: Der kriselnde Chip-Hersteller legt ein zehn Milliarden Dollar schweres Sparprogramm auf. Es umfasst neben einer gestrichenen Dividende auch den Abbau jedes sechsten Arbeitsplatzes.
X, EHEMALS TWITTER: Nach der Übernahme im Herbst 2022 feuerte der neue Eigentümer Elon Musk etwa 3700 Beschäftigte, knapp die Hälfte der Belegschaft. Musks Aussagen vom April 2023 zufolge arbeiteten zu diesem Zeitpunkt noch etwa 1500 Personen bei der damals noch Twitter genannten Firma, die inzwischen "X" heißt. Damit schrumpfte der Personalbestand um etwa 80 Prozent.
US-Industrie mit kräftigem Auftragsschwund
Die US-Industrie hat im Juni überraschend den zweiten Monat in Folge weniger Aufträge erhalten. Die Bestellungen sanken um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte.
Die Talfahrt könnte auch im Juli anhalten, wie ein wichtiger Frühindikator signalisiert: Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank auf 46,8 Punkte von 48,5 Zählern im Juni, wie aus der Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Dies ist der niedrigste Wert seit November 2023. Erst ab 50 wird ein Wachstum angezeigt. Die Industrie macht gut zehn Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus.
Frische Impulse könnte die von vielen Experten für September erwartete Zinswende durch die US-Notenbank liefern. Die Federal Reserve beließ den Leitzins in dieser Woche zwar in der Spanne von 5,0 bis 5,25 Prozent, öffnete aber zugleich die Tür für eine Senkung. Niedrigere Zinsen machen Kredite billiger, etwa für Investitionen. Das könnte der Industrie zu neuen Aufträgen verhelfen.
Verluste in New York
Die Talfahrt der Wall Street setzt sich zum Wochenschluss fort. Risikoaversion ist das beherrschende Thema an den US-Finanzmärkten: Der Dow-Jones-Index verliert1,3 Prozent auf 39.838 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite fallen um 1,5 bzw. 2,2 Prozent.
Im Handel spricht man von einer ungünstigen Kombination von Belastungsfaktoren: Wurden schwache Daten bislang meist als Beleg für baldige Zinssenkungen positiv gewertet, stellten nun immer mehr Anleger die fest eingepreiste "weiche Landung" der US-Konjunktur in Frage, heißt es.
In dem insgesamt sehr schwachen Marktumfeld befeuert der Arbeitsmarktbericht die Rezessionängste zusätzlich. Denn es wurden im Juli deutlich weniger neue Stellen geschaffen als erwartet, auch die separat erfasste Arbeitslosenquote fällt höher als veranschlagt aus.
Französischer Versorger hebt Gewinnprognose wegen Regenfällen an
Aussichten auf florierende Geschäfte mit Wasserkraft lassen den französischen Versorger Engie trotz eines Gewinnrückgangs im Halbjahr optimistischer in die Zukunft blicken. Der Konzern hob seinen Gewinnausblick auf eine Spanne von 5 bis 5,6 Milliarden Euro an.
Die stärker als erwartet ausgefallenen Regenfälle in Europa würden das Geschäft mit der Wasserkraft ankurbeln, und auch die Energiewende stärke die Nachfrage, sagte Finanzchef Pierre-François Riolacci. Der Versorger, der auch Atomkraftwerke betreibt, hatte im ersten Halbjahr wegen des lauen Winters und einer geringeren Nachfrage nach Gas einen geringeren operativen Gewinn ausgewiesen. Die Engie-Aktien legten an der Pariser Börse knapp 4 Prozent zu.
RWE-Aktien rauschen in die Tiefe
RWE-Aktien gehören mit einem Minus von mehr als 7 Prozent zu den Schlusslichtern im DAX. Händler verweisen auf einen Bericht Branchendienstes "PeakLoad", wonach RWE bei dem US-Versorger Calpine einsteigen will. "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", sagt eine RWE-Sprecherin mit Blick auf den Bericht.
DAX baut Verluste nach US-Arbeitsmarktdaten aus
Nach sehr schwachen US-Arbeitsmarktdaten baut der DAX die Verluste auf minus 2 Prozent auf 17.725 Punkte aus.
Die Zahl der Beschäftigten ist im Juli nur um 114.000 Punkte gestiegen, erwartet worden war ein Plus von 185.000. Auch stieg die Arbeitslosenquote auf 4,3 Prozent, was ebenfalls klar über der Prognose von 4,1 Prozent liegt. Die Daten unterstreichen die Sorge vor einer Rezession in den USA.
Zugleich steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank aggressiver als bisher erwartet die Zinsen senken wird.
Rheinmetall will mit Zukauf Munitionsgeschäft stärken
Rheinmetall reagiert mit der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an einem Gemeinschaftsunternehmen in Südafrika auf die weltweit steigende Nachfrage nach Munition. Rheinmetall werde über eine Tochtergesellschaft 51 Prozent am neu gegründeten Joint Venture Rheinmetall Resonant South Africa halten, teilte der Konzern mit.
Resonant beschäftige rund 150 Menschen, das Unternehmen plane und baue auch Produktionsanlagen für chemische Erzeugnisse sowie Sprengstoffprodukte. Für das Gemeinschaftsunternehmen werde ein Umsatzpotential von jährlich rund 100 Millionen Euro erwartet. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Rheinmetall ist einer der größten Munitionshersteller der Welt.
"Angstbarometer" an der Wall Street auf höchstem Stand seit dem Frühjahr
Die Aussicht auf weiter fallende Kurse an den US-Börsen schürt die Nervosität der Anleger. Der VIX-Index, der die Volatilität des US-Aktienmarkts misst und als Angstbarometer der Wall Street gilt, steigt um elf Prozent auf den höchsten Wert seit April. Enttäuschende Quartalsberichte von US-Technologieriesen und aufkommende Rezessionsängste setzen die Kurse in New York vorbörslich unter Druck.
Gewinn von Exxon Mobil geht durch die Decke
Eine gestiegene Erdöl-Förderung beschert Exxon Mobil einen überraschend hohen Quartalsgewinn. Das Nettoergebnis sei im zweiten Quartal um rund 17 Prozent auf 9,24 Milliarden Dollar gestiegen, teilte der US-Ölkonzern mit. Der Produktionsschub ging unter anderem auf das Konto der Mega-Übernahme des Schieferöl-Förderers Pioneer.
Linde bekommt schwache Konjunktur zu spüren
Der weltgrößte Industriegasekonzern Linde spürt die schwächelnde Konjunktur in Europa und Teilen Asiens. Der Umsatz des amerikanisch-deutschen Unternehmens wuchs im ersten Quartal nur noch dank Preiserhöhungen um ein Prozent auf 8,27 Milliarden Dollar, wie Linde mitteilte. Trotzdem schaffte es Linde, den bereinigten Nettogewinn um sechs Prozent auf 1,86 Milliarden Dollar zu steigern. Linde-Chef Sanjiv Lamba sprach von einem "herausfordernden makroökonomischen Umfeld", dem zum Trotz das Unternehmen seine Margen nochmals ausgeweitet habe.
Ein Audi ohne die vier Ringe?
Die Volkswagen-Tochter Audi bringt Insidern zufolge die gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC entwickelten Autos ohne das Logo mit den vier Ringen auf den Markt. Die Fahrzeuge sollten im November vorgestellt werden, sagen mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Der Verzicht auf das bekannte Logo sei Teil des Versuchs, die in China entwickelten Elektroautos vom bestehenden Programm abzusetzen, das in Deutschland entwickelt worden sei. SAIC erklärte, die gemeinsam entwickelten Elektro-Autos seien "echte Audis mit einer authentischen Audi-DNA".
Die beiden Autobauer hatten sich im Mai auf eine weitreichende Zusammenarbeit geeinigt. Die Ingolstädter versprechen sich von der Partnerschaft schnellere Entwicklungszeiten: Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten Fahrzeuge auf den Markt kommen. Geplant sind zunächst drei Modelle im B- und C-Segment, also kleinere Fahrzeuge. Bis 2030 könnten es einer mit dem Vorgang vertrauten Person zufolge neun Fahrzeuge werden.
Die Fahrzeuge mit dem Codenamen "Purple" werden Insidern zufolge auf einer gemeinsam entwickelten Plattform gebaut und nutzen Komponenten und Software von chinesischen Zulieferern wie CATL oder das System für automatisiertes Fahren des Startups Momenta. Audi und auch Volkswagen sind vom raschen Aufstieg der Elektromobilität in China zunächst kalt erwischt worden und wollen zusammen mit Partnern nun wieder Boden gutmachen. Volkswagen hat dazu ebenfalls eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Autobauer Xpeng vereinbart, aus der 2026 die ersten beiden Mittelklasse-Fahrzeuge kommen sollen.
British-Airways-Mutter ist heute Börsen-Liebling
Die Aktien der British-Airways-Mutter IAG legen nach einem überraschend positiven Quartalsergebnis und der abgeblasenen Übernahme der spanischen Air Europa deutlich zu. An der Londoner Börse klettern die Papiere um mehr als 4 Prozent und führen damit den Leitindex an.
Tech-Werte ziehen Börsen in die Tiefe
Ein Ausverkauf bei Techwerten sorgt weltweit für Kursverluste an den Börsen. Der DAX fällt unter die im Mai eroberte 18.000-Punkte-Marke.
Enttäuschende Quartalsberichte der US-Technologieriesen Apple, Amazon und Intel trafen auf eine ohnehin schlechte Stimmung am Aktienmarkt, getrübt durch wieder aufgeflammte Rezessionsängste. Dabei seien die gemeldeten Zahlen "unter dem Strich nicht schlecht", sagt Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. "Aber wenn immer noch hohe Erwartungen auf nervöse Anleger treffen, reicht schon das berühmte Haar in der Suppe, um Verkaufsdruck aufkommen zu lassen."
Massiver Sparkurs - ist Intel-Werk in Magdeburg bedroht?
Lufthansa-Konkurrent bläst Übernahme von Air Europa ab
Die British-Airways-Mutter IAG begräbt ihre Übernahmepläne für die spanische Air Europa. "Der Vorstand hat beschlossen, dass es im aktuellen regulatorischen Umfeld nicht im besten Interesse der Aktionäre wäre, die Transaktion fortzusetzen", gibt IAG bekannt. Der Konzern werde Air Europa eine Gebühr von 50 Millionen Euro zahlen.
Noch im Juni hatte IAG der EU-Wettbewerbsaufsicht neue Zugeständnisse für die Übernahme gemacht. Ursprünglich wollte der britisch-spanische Luftfahrtkonzern 80 Prozent von Air Europa kaufen und dafür 400 Millionen Euro zahlen. Die Übernahme erforderte die Zustimmung der EU-Kommission. Eine Frist dazu wurde kürzlich bis zum 20. August verlängert.
VW-Markenchef will mehr Einsparungen
Volkswagen-Markenchef Thomas Schäfer fordert angesichts gestiegener Kosten und des steigenden Anteils von Elektroautos verstärkte Sparmaßnahmen. "Wir müssen unsere Fixkosten noch weiter senken, um in diesem schwierigen Marktumfeld nachhaltig auf Kurs zu bleiben", sagte Schäfer bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr.
Zwar hätten vor allem Sondereffekte wie die Kosten für Abfindungen in Höhe von 900 Millionen Euro den Gewinn belastet. Ohne diese Sondereffekte hätte die Markengruppe Core, zu der neben Volkswagen auch Skoda und Seat/Cupra gehören, eine Rendite von sechs Prozent geschafft. "Unter Berücksichtigung zukünftig höherer Anteile von Elektrofahrzeugen mit derzeit niedrigeren Margen dürfen wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein.“
VW-Konzernchef Oliver Blume hatte gestern bei der Vorlage der Konzern-Zahlen ebenfalls verstärkte Sparanstrengungen angemahnt. Die strategischen Entscheidungen beim Sparprogramm seien getroffen. "Jetzt geht es um Kosten, Kosten, Kosten." Einsparungen solle unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Marken bringen. Erst vor wenigen Wochen hatte der Autobauer seine Prognose für das laufende Jahr gekappt und das mit zusätzlichen Belastungen für das Sparprogramm, dem möglichen Aus für das Audi-Werk in Brüssel und weiteren Sonderkosten begründet.
Kriegt Nvidia Ärger mit der US-Justiz?
Das US-Justizministerium hat offenbar eine Untersuchung gegen den Weltmarktführer bei Speicherchips Nvidia eingeleitet. Die Ermittler würden untersuchen, ob Nvidia Cloud-Anbieter unter Druck gesetzt hat, mehrere seiner Produkte zu kaufen, berichtet "The Information" unter Berufung auf an den Gesprächen beteiligte Personen. Zu der Untersuchung sei es gekommen, nachdem sich Wettbewerber beschwert hätten, dass das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung beim Verkauf von Chips für künstliche Intelligenz missbraucht haben könnte. Nvidia beherrscht rund 80 Prozent des Marktes für KI-Chips. Die Ermittlungen gehen dem Medienbericht zufolge auch der Frage nach, ob Nvidia von seinen Kunden einen höheren Preis für Netzwerkausrüstung verlangt, wenn diese KI-Chips von Konkurrenten wie Advanced Micro Devices und Intel kaufen möchten.
Großbank BNP will sich AXA-Sparte Milliarden kosten lassen
BNP Paribas will das Geschäft mit der Vermögensverwaltung von Europas zweitgrößtem Versicherer AXA übernehmen und dafür 5,1 Milliarden Euro auf den Tisch legen. BNP und AXA führten exklusive Gespräche über die Akquisition, teilen beide Finanzkonzerne mit. Mit dem Zukauf würde die Bank ihr Vermögensverwaltungsgeschäft in einem heftig umkämpften Markt kräftig ausbauen. Mit insgesamt 1,5 Billionen Euro würde BNP zu einem der führenden Vermögensverwalter Europas aufsteigen. Marktführer ist Amundi mit 2,16 Billionen Euro an verwaltetem Vermögen. Die Transaktion soll Mitte 2025 abgeschlossen werden.
Für den Versicherer AXA ist der Verkauf ein wichtiger strategischer Schritt - der Konzern würde sich künftig auf das Kerngeschäft mit Lebensversicherungen, Sparanlagen, Sach- und Unfallversicherungen sowie Krankenversicherungen konzentrieren. Der Kaufpreis soll in bar fließen. Rund 3,8 Milliarden Euro will AXA für Aktienrückkäufe verwenden und damit seinen Aktionären zugutekommen lassen. Der Rest des Erlöses werde für "organisches und anorganisches Wachstum" ausgegeben, sagte AXA-Vizechef Frederic de Courtois.
"Anschnallen ist beim DAX angesagt"
Es hat sich bereits gestern angedeutet: Für den DAX wird es zum Wochenschluss eng, er startet mit einem Abschlag von 1,7 Prozent und fällt mit einem aktuellen Stand von 17.790 Punkten direkt unter die 18.000er Marke. Gestern hatte der deutsche Börsenleitindex nach schwachen US-Konjunkturdaten 425 Zähler oder 2,3 Prozent eingebüßt.
"Anschnallen ist heute beim DAX angesagt", kommentiert ntv-Börsenkorrespondent Frank Meyer. "Gestern sind alle Dämme gebrochen, rote Vorzeichen an der Wall Street und tiefrote in Asien sind die logische Konsequenz vor dem Wochenende", erläutert er und verweist auf eine "hohe Volatilität". "Schwächer als erwartet ausfallende US-Arbeitsmarktdaten könnten noch etwas helfen."
Intel-Aktie crasht
Einen wahren Crash legen die Aktien des Chipkonzerns Intel nach Quartalszahlen hin: Die Titel brechen nach US-Börsenschluss 20 Prozent ein, nachdem das Unternehmen Pläne bekannt gegeben hatte, Tausende von Mitarbeitern zu entlassen und die Dividendenzahlung im Rahmen eines umfassenden Kostensenkungsprogramms auszusetzen.
Intel sorgt für Ausverkauf an Asien-Börsen - außer in China
Verstärkte Sorgen vor einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA drücken die ostasiatischen Aktienmärkte zum Wochenausklang teils massiv ins Minus. Am deutlichsten fallen die Abgaben in Tokio aus, wo es für den Nikkei um 4,7 Prozent nach unten geht. Der Index notiert damit auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Februar. Hier belastet zudem der weiter starke Yen, der als "sicherer Hafen" und mit den falkenhaften Aussagen der Bank of Japan (BOJ) gesucht ist. Der Dollar fällt auf 149,32 Yen von rund 149,90 Yen am Vortag. Anfang Juli hatte der Greenback noch bei 161 Yen gelegen.
Schwache US-Einkaufsmanagerindizes und Arbeitsmarktdaten verstärken die Besorgnis über eine Verlangsamung der US-Konjunktur und darüber, dass eine Zinssenkung der Federal Reserve im September für eine sanfte Landung der Wirtschaft möglicherweise zu spät kommen könnte. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe ist im Juli bereits den vierten Monat in Folge gesunken und hat sich weiter von der Expansionsschwelle entfernt. Dazu kommen schwache Ergebnisse von Intel und Amazon. Dagegen konnte Apple mit dem Zahlenausweis für das dritte Geschäftsquartal überzeugen.
Auch an anderen Handelsplätzen in der Region geht es teils steil nach unten. So büßt der Kospi in Seoul 3,3 Prozent ein. Hier belasten die Abgaben bei den Chip-Werten nach den schwachen Intel-Zahlen. Der US-Chipkonzern hat im zweiten Quartal einen Verlust eingefahren, will im kommenden Jahr die Kosten um 10 Milliarden Dollar verringern und zudem müssen die Anleger vorerst ganz auf eine Dividende verzichten. Vor diesem Hintergrund geht es für die Aktien von Samsung Electronics um 3,5 Prozent nach unten, SK Hynix knicken um 9,6 Prozent ein.
In Sydney fällt der S&P/ASX 200 nach der jüngsten Rekordjagd um 2,1 Prozent. Der Index hatte gestern noch einen Rekordstand markiert. Der Hang-Seng-Index in Hongkong reduziert sich ebenfalls um 2,1 Prozent, beim Shanghai Composite fällt das Minus mit 0,4 Prozent dagegen deutlich niedriger aus. Hier gibt es andauernde Sorgen um die chinesische Konjunktur. Zwar will die Regierung weitere Stimulierungsmaßnahmen auf den Weg bringen, konkrete Details wurden bislang aber nicht genannt.
Nach tödlichem Unfall: Familie verklagt Tesla
In den USA hat die Familie eines bei einem Autopilot-Unfall getöteten Motorradfahrers den US-Elektroautohersteller Tesla verklagt. In der Klage wird behauptet, dass der Fahrer des Model 3 "müde" und "nicht in der Lage war, wie ein gewöhnlich umsichtiger Fahrer zu fahren." Zudem hätten die Autopilot-Sensoren wie Kameras die Gefahr, die von dem Motorrad des Verstorbenen ausging, erkennen müssen, heißt es in der Klageschrift. Der Motorradfahrer war 2022 bei einem Unfall mit einem auf Autopilot geschalteten Tesla Model 3, das auf eine Geschwindigkeit von 120-130 Kilometer pro Stunde programmiert war, im US-Bundesstaat Utah ums Leben gekommen.
Apple hat ein China-Problem
Die unlängst angekündigte KI-Offensive hat den Absatzrückgang des iPhones gebremst und Apple zu einem überraschend starken Quartalsumsatz verholfen. Die Konzernerlöse seien um knapp fünf Prozent auf 85,78 Milliarden Dollar gestiegen, teilt der Elektronik-Anbieter mit. Die Einnahmen aus Smartphone-Verkäufen schrumpften zwar um ein knappes Prozent auf 39,3 Milliarden Dollar. Analysten hatten allerdings ein mehr als doppelt so hohes Minus befürchtet.
"Die iPhone 15-Familie hat sich von Anfang an gut entwickelt und tut dies auch jetzt noch", sagt Apple-Finanzchef Luca Maestri. Die aktuelle Generation schneide besser ab als die Vorgängermodelle im vergangenen Jahr. Für den Zugriff auf die geplante "Apple Intelligence" benötigen Nutzer mindestens ein iPhone 15 Pro oder Pro Max.
Ein Wermutstropfen war allerdings der erneute Absatzrückgang in China, der mit 6,5 Prozent fast dreimal so hoch ausfiel wie erwartet. Hier versucht Apple mit verstärkten Rabatten, der erstarkten lokalen Konkurrenz Paroli zu bieten.
Coinbase reitet die Krypto-Welle
Eine wieder aufgeflammte Begeisterung für Kryptowährungen hat Coinbase einen Umsatzsprung beschert. Die Erlöse hätten sich im zweiten Quartal auf 1,38 Milliarden Dollar verdoppelt, gibt die Kryptowährungsbörse bekannt. Nach jahrelangem Tauziehen hatte die US-Börsenaufsicht vor einigen Monaten börsennotierte Fonds (ETFs) auf die zweitwichtigste Cyber-Devise Ethereum genehmigt. Zu Jahresbeginn hatte sie bereits einem ETF auf Bitcoin grünes Licht gegeben.
"Das dürfte heute mächtig rappeln im DAX"
Nach dem massiven Abverkauf gestern werden die europäischen Aktienmärkte zum Wochenschluss erneut im Minus erwartet. So wird der DAX am Morgen bei 17.995 Punkten erwartet nach einem Schluss bei 18.083 Zählern. Damit steht der Test der wichtigen 18.000er Marke an. Ob sich die Bullen allerdings vor dem Wochenende an den Markt trauen, bleibt abzuwarten. Zum einen konnten die Quartalszahlen aus Deutschland nicht überzeugen, zum anderen birgt der Konflikt im Nahen Osten ein immenses Nachrichten-Risiko für das Wochenende. Aber auch eine Reihe von schwächer als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten war teils für den Ausverkauf an der Wall Street verantwortlich. Mit anderen Worten: Schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft sind aktuell schlechte Nachrichten für die Aktien. "Das dürfte heute mächtig rappeln im DAX", kommentiert ntv-Börsenkorrespondent Frank Meyer.
Auch die US-Techs können sich dem Abverkauf nicht entziehen. Die Intel-Aktie fiel nachbörslich um 20 Prozent, nachdem das Unternehmen Pläne bekannt gab, in diesem Jahr Tausende von Mitarbeitern zu entlassen und die Dividendenauszahlung im Rahmen eines umfassenden Kostensenkungsprogramms auszusetzen.
Ob der US-Arbeitsmarkt am Nachmittag die aktuell miese Stimmung verbessern kann, ist in dem Umfeld fraglich. Ökonomen erwarten, dass die Daten zeigen werden, dass im Juli 185.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden, verglichen mit 206.000 im Juni. Die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich unverändert bei 4,1 Prozent bleiben.
Wer in der angeschlagenen Stimmung einen Strohhalm sucht, der blicke auf den DAX-Chart. Hier kämpfte der Index am Freitag, den 14. Juni bereits mit der 18.000er Marke, um ab Montag darauf eine Erholungsbewegung zu starten. Sollte dieses Szenario diesmal nicht eintreten, liegt die nächste charttechnische Unterstützung beim jüngsten Verlaufstief bei 17.626 Zählern.
Amazon ist vorsichtig
In Erwartung eines abflauenden Cloud-Geschäfts hat Amazon einen zurückhaltenden Ausblick auf das laufende Quartal geliefert. Der Online-Händler stellte einen Konzernumsatz von 154 bis 158,5 Milliarden Dollar in Aussicht, obwohl die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) im abgelaufenen Vierteljahr um überraschend deutliche 19 Prozent gewachsen war.
Wegen unsicherer Konjunkturaussichten treten viele Unternehmen auf die Kostenbremse und stellen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) auf den Prüfstand. Diese Programme sind auf Hochleistungsrechner angewiesen, die meist von Cloud-Anbietern wie AWS, Microsoft oder Google bereitgestellt werden.
Fünf-Prozent-Kursrutsch: Asien-Börsen straucheln
Die asiatischen Aktien geraten zum Ende der Woche ins Straucheln. Japans Nikkei-Aktienindex fällt um fünf Prozent auf ein Sechsmonatstief, nachdem die Wall Street über Nacht aufgrund von US-Konjunktursorgen eingebrochen war. Zusätzlich belasten die Unsicherheiten über den Straffungskurs der japanischen Zentralbank den Markt. "Die Dynamik des US-Marktes hat sich über Nacht ins Negative gedreht, und die Sorgen über eine Rezession haben zugenommen. Das hat die japanischen Aktien heute stark belastet", sagt Yugo Tsuboi, Chefstratege bei Daiwa Securities. Geopolitische Spannungen rund um den Krieg im Gazastreifen drücken ebenfalls auf die Stimmung der asiatischen Anleger. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den vielbeachteten US-Arbeitsmarktbericht, um weitere Hinweise auf den Zustand des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft im Allgemeinen zu erhalten. "Die asiatischen Aktienhändler werden sich bewusst sein, dass sie ihre Positionen während der US-Sitzung halten müssen, da bei der Eröffnung am Montag das Risiko von Kurseinbrüchen droht", so Chris Weston, Leiter des Research bei Pepperstone.
In Tokio gibt der Nikkei 4,9 Prozent auf 36.261,85 Punkte nach und der breiter gefasste Topix notiert 4,7 Prozent niedriger bei 2.577,51 Zählern. Der Shanghai Composite verliert 0,6 Prozent auf 2.914,80 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen gibt 0,8 Prozent auf 3.392,13 Punkte nach.
"iPhone bleibt der große Umsatztreiber"
An der Wall Street stehen die Quartalszahlen von Apple im Fokus: Ist es dem Tech-Schwergewicht gelungen, die Analystenerwartungen zu schlagen? ntv-Börsenkorrespondent Jens Korte in New York liefert die Antowort.
Aufflammende Versorgungsängste treiben Ölpreise
Die Ölpreise legen leicht zu, da die Besorgnis über eskalierende geopolitische Spannungen die Angst vor Versorgungsunterbrechungen wieder aufflammen ließ. Am Rohstoffmarkt verteuert sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,6 Prozent auf 80,00 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notiert 0,6 Prozent fester bei 76,79 Dollar.
Es ist vorbei mit der DAX-Sause
Nach zwei Gewinntagen in Serie hat der DAX kurz vor dem Wochenschluss einen erheblichen Dämpfer erhalten. Der deutsche Börsenleitindex schloss gestern mit einem Abschlag von 2,3 Prozent oder 425 Stellen bei 18.083 Punkten. Zur Wochenmitte hatte er noch über der 18.500er Marke gelegen. Als Gründe führten Marktteilnehmer zum einen den Nahost-Konflikt an, zum anderen negative Überraschungen bei den Quartalsberichten aus dem Autosektor. Ein versöhnlicher Wochenschluss erscheint nun mehr als fraglich.
Da sich eine drohende Eskalation im Nahost-Konflikt zwischen den beiden Erzfeinden Israel und Iran weiter negativ auf die Märkte auswirken könnte, wird die Abstimmung die Delegierten des Parteitags der Demokraten über die Nominierung von Vizepräsidentin Kamala Harris zur Kandidatin für die US-Präsidentschaftswahl eher positiv gesehen. Die virtuelle Abstimmung läuft noch bis zum 5. August. Harris ist die einzige Bewerberin um die Nominierung. Sie würde bei der Wahl im November gegen den Republikaner Donald Trump antreten, nachdem sich US-Präsident Joe Biden von der Kandidatur zurückgezogen hat. Der eigentliche Parteitag der Demokraten findet ab dem 19. August statt.
Abseits der Geopolitik blicken Anleger am Nachmittag dann vor allem auf die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt, denn die US-Regierung legt den Arbeitsmarktbericht für Juli vor. Experten erwarten einen Stellenaufbau von 175.000, nach 206.000 im Juni. Die US-Notenbank Fed will die Inflation eindämmen und dabei auch den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen. Angesichts der abflauenden Inflation und weiter rund laufenden Wirtschaft wird an den Märkten über eine Zinssenkung im September spekuliert.
Die komplette Terminübersicht für diese Woche finden Sie hier.