"DAX-Erholung ja, aber …"
Nach dem Fall auf das niedrigste Niveau seit November 2020 hat sich der DAX zur Wochenmitte wieder etwas gefangen. Der deutsche Börsenleitindex legt 1,6 Prozent auf 12.595 Punkte zu. Am Dienstag hatte er fast drei Prozent eingebüßt. Auch an der Wall Street klettern die Kurse zunächst und liefern dem DAX damit am Nachmittag Rückenwind.
"Erholung ja, aber keine Trendwende", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Sabrina Marggraf den heutigen DAX-Verlauf. "Die Börse spiegelt nach wie vor die schwierige Gesamtsituation wider: steigende Preise, Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme. Das alles verunsichert und macht Prognosen schwierig. Das Risiko einer Rezession wird größer", erläutert sie. "Es gibt zwar auch positive Tage wie heute, aber viele Marktbeobachter bleiben was die nähere Zukunft angeht negativ gestimmt."
Nachdem bereits am Dienstag an der Wall Street Tech-Werte gesucht waren, gehören diese Titel auch zur Wochenmitte hierzulande zu den großen Gewinnern. Dem Sektor zugerechnet werden in der DAX-Indexfamilie unter anderem diverse Online-Werte. Der Anstieg von Hellofresh und das Ex-DAX40-Mitglied Delivery Hero um je etwa sieben Prozent wird mit Branchenfantasie im Lebensmittel-Lieferbereich in Zusammenhang gebracht. Auch Zalando klettern deutliche etwa sechs Prozent.
Am DAX-Ende stehen die Anteilsscheine von Eon und Adidas mit aber nur unwesentlichen Abschlägen. Adidas werden von einer skeptischen Analystenkommentar von Hauck Aufhäuser Investment Banking belastet. Ihre Kursverluste konnten die Papiere des Sportartikelkonzerns aber zuletzt auf ein halbes Prozent reduzieren.
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Brent-Öl kostet erstmals seit April wieder weniger als 100 Dollar
Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent rutscht erstmals seit April wieder unter 100 Dollar je Fass (159 Liter) und kostet mit 99,15 Dollar rund 3,5 Prozent weniger. Am Dienstag war der Kurs wegen der Angst der Investoren vor einer Rezession um fast zehn Prozent eingebrochen.
Brent Rohöl
Unternehmen scheuen Investitionen
Thomas Gitzel, der Chefvolkswirt der liechtensteinischen VP Bank, sieht in den Daten zum deutschen Auftragseingang im Mai Anzeichen einer Investitionsscheu der Unternehmen. "Unternehmen und Verbraucher sind gleichermaßen verunsichert, die hohen Preise für Rohstoffe und Vorprodukte reißen Löcher in die Unternehmenskasse, Investitionen werden zurückgestellt", so Gitzel. Man könne es einem Unternehmer nicht verübeln, wenn er aufgrund von Rezessionsängsten die Investitionslaune verliere. Gitzel verweist auch darauf, dass die Bestellungen im Bereich von Konsumgütern um 4,5 Prozent zurückgegangen seien. "Die Konsumzurückhaltung aufgrund der hohen Teuerungsraten färbt also auch auf den industriellen Sektor ab", urteilt er.
Deutscher Autozulieferer bis Ende 2025 gerettet
Der angeschlagene Autozulieferer Leoni kann aufatmen. Die Mehrheit der neun Gläubigerbanken verlängert ihre Kredite um knapp drei Jahre bis Dezember 2025. Es gebe eine Grundsatzeinigung mit dem Konsortium, teilte Leoni mit. Die kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie vereinbarten Kreditlinien wären Ende des Jahres ausgelaufen. Dafür verspricht Leoni den Banken die Erlöse aus dem im Mai vereinbarten Verkauf des Kabelgeschäfts mit der Autoindustrie an die thailändische Stark Corporation - bis zu 442 Millionen Euro. Weitere 132 Millionen Euro sollen mit einer Kapitalerhöhung und einer Pflichtwandelanleihe hereinkommen, die Leoni Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres begeben will. Der Erlös daraus geht an vier Banken, die ganz aus ihrem Leoni-Engagement aussteigen wollen.
Mit dem Geld kann Leoni seine insgesamt 1,3 Milliarden Euro schwere Schuldenlast um knapp 600 Millionen drücken. Die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine hatten die Probleme von Leoni zuletzt noch verschärft. Das Unternehmen produziert einen Teil seiner Kabelbäume für die Autoindustrie in der West-Ukraine und musste die Fertigung zum Teil verlagern.
Chemiebranche erwartet Produktionsrückgang
Die deutsche Chemiebranche stellt sich in diesem Jahr auf einen deutlichen Produktionsrückgang ein. Für 2022 geht der Branchenverband VCI von einem Produktionsrückgang von 1,5 Prozent aus. Ohne das Pharmageschäft dürfte sogar ein Minus von vier Prozent zu Buche stehen, teilt der VCI mit.
Bisher hatte sich der Verband keine Prognose zugetraut - die ursprüngliche war im März wegen der unabsehbaren Folgen des Kriegs in der Ukraine gekippt worden. Für das zweite Halbjahr rechnet der VCI mit hohem Ertragsdruck für die Branche. "Eine spürbare Entspannung bei den Energie- und Rohstoffkosten sehen wir derzeit nicht. Erdgas dürfte auch weiter deutlich teurer sein als in anderen Regionen der Welt. Vor diesem Hintergrund bekommt der Standort Deutschland zunehmend ein Wettbewerbsproblem", sagte VCI-Präsident Christian Kullmann.
Die Chemiebranche ist der größte industrielle Energieverbraucher in Deutschland. Sie ist von den deutlich steigenden Energiepreisen und einem möglichen Stopp der Gaslieferungen aus Russland besonders betroffen. Laut einer Mitgliederumfrage des VCI betrug bei über einem Fünftel der Unternehmen der Anstieg der Rohstoff- und Energiekosten im ersten Halbjahr mehr als 50 Prozent.
Personalnot am Flughafen hält noch monatelang an
Trotz aller Bemühungen um mehr Personal geht der Flughafenbetreiber Fraport kurzfristig nicht von einer Besserung der angespannten Lage am größten deutschen Flughafen Frankfurt aus. "Das Problem wird nach vorne, obwohl wir einstellen, nicht kleiner werden. Das sage ich sehr offen", sagt Fraport-Chef Stefan Schulte. Die zurzeit massive Störung des Betriebs wegen fehlender Arbeitskräfte werde die nächsten zwei, drei Monate anhalten. Vermutlich müssten nach den Streichungen, die vor allem die Lufthansa als Hauptanbieter in Frankfurt vorgenommen hat, weitere Flüge aus dem Programm genommen werden.
Fraport hat nach dem Abbau von rund 4000 Beschäftigten in der Pandemie schon fast 1000 neue Mitarbeiter für Bodendienste wieder eingestellt. Selbst wenn einige Hundert neue Mitarbeiter oder Aushilfskräfte aus dem Ausland zum Einsatz kämen, bessert sich die Lage Schulte zufolge nicht. Denn wegen der hohen Belastung durch Überstunden, Sonder- und Nachtschichten sei mit einem steigenden Krankenstand im Sommer zu rechnen. Davon abgesehen macht sich die Corona-Infektionswelle bemerkbar. Die Krankenquote bei den Bodenverkehrsdiensten liege derzeit mit 15 Prozent einige Prozentpunkte höher als gewöhnlich. Zugleich liegen die ganz starken Reisemonate mit dem Ferienbeginn in Hessen und Rheinland-Pfalz Ende Juli noch vor dem Frankfurter Flughafen.
US-Anleger verhalten optimistisch
Im Vorfeld der Sitzungsprotokolle der US-Notenbank haben sich nur wenige Investoren an der Wall Street aus der Deckung getraut. Der Dow-Jones-Index und der breiter gefasste S&P-500 treten zunächst bei 30.965 und 3829 Punkten auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notiert 0,2 Prozent schwächer bei 11.303 Zählern.
Bei der Sitzung Mitte Juni hatte die Fed ihren Leitzins um einen dreiviertel Prozentpunkt erhöht - der größte Sprung seit 1994. Bei den am Abend (20.00 Uhr MESZ) anstehenden Protokollen suchten die Investoren nun nach Hinweise auf das künftige Zinstempo, sagten Händler. Die Angst der Anleger vor weiteren großen Zinsschritten und einer daraus resultierenden Rezession spiegelte sich in steigenden Anleihekursen wider, was die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries auf ein Fünf-Wochen-Tief von 2,793 Prozent drückte.
Für Furore sorgte eine Partnerschaft von Amazon mit dem Essenslieferanten GrubHub. Der amerikanische Online-Händler beteiligt sich mit zwei Prozent an der US-Tochter von Just Eat Takeaway und bietet seinen Prime-Kunden bei einer Mindestbestellgröße ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu dem Dienst. Die drohende Verschärfung des Wettbewerbs ließ die Titel des GrubHub-Rivalen DoorDash um mehr als acht Prozent einbrechen. Aktien des Fahrdienstvermittlers Uber, der mit Uber Eats auch Mahlzeiten ausliefert, gaben 2,5 Prozent nach.
Die Aussetzung des vor zwei Wochen verhängten Verkaufsstopps für Juul E-Zigaretten in den USA beflügelte hingegen Altria. Die Aktien des Tabakkonzerns stiegen um anderthalb Prozent. Des sehe so aus, als ob die US-Gesundheitsbehörde FDA ihre Entscheidung überdenken könnte, sagt Analyst Owen Bennett von der Investmentbank Jefferies. Juul werde voraussichtlich nur kurze Zeit vom Markt verschwinden - wenn überhaupt.
Rubel weiter auf Talfahrt
Der Rubel setzt seine Talfahrt fort. Er fällt um weitere 6 Prozent auf 66 Rubel je Dollar, am Dienstag war er schon um 10 Prozent eingebrochen. "Auf den Rubel drückt der Rutsch der Rohstoffpreise", so ein Händler. Nun wirkten auch die jüngsten Zinssenkungen negativ. Stände von über 70 Rubel je Dollar seien nun absehbar.
Alllerdings hatte der Rubel auch extrem zugelegt, von 140 Rubel je Dollar nach Kriegsbeginn bis auf 50 Rubel je Dollar vor wenigen Tagen.
Einzelhändler erwarten Lieferprobleme bis Mitte 2023
Die deutschen Einzelhändler befürchten noch ein ganzes Jahr lang Lieferprobleme. Diese könnten bis Mitte 2023 anhalten, wie das Münchner Ifo-Institut bei seiner Umfrage herausfand. 75,7 Prozent der Händler klagten im Juni, dass nicht alle bestellten Waren geliefert werden können. Im Mai waren es sogar 80,1 Prozent. "Auch in diesem Jahr wird es zu Weihnachten wieder Lücken in den Regalen geben", sagt der Leier der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. "Die Lieferprobleme sind zu einem Dauerproblem für den Einzelhandel geworden."
Die längste Dauer der Lieferprobleme erwarten die Fahrradhändler mit 18 Monaten. Auch die Autohändler gehen davon aus, dass die Engpässe noch mehr als ein Jahr anhalten werden. Ähnliches gilt für die Möbelhändler. Ein schnelleres Ende der Lücken in den Regalen erwarten die Bekleidungsbranche (9 Monate) und die Supermärkte (8,2 Monate).
Bei den Lebensmittelhändlern hat sich die Lage ein wenig entspannt: Nachdem im Mai noch fast alle Probleme bei der Beschaffung meldeten, sind es im Juni noch rund 77 Prozent. Auch bei den Bekleidungshändlern sank der Anteil um knapp 10 Prozentpunkte, und zwar von 64,5 auf 54 Prozent.
So wenig Personal an deutschen Airports wie 2015
An deutschen Flughäfen ist die Zahl der Beschäftigten zuletzt auf den tiefsten Stand seit mindestens sieben Jahren gesunken. Im April waren in der Personenbeförderung in der Luftfahrt 6,6 Prozent weniger Menschen beschäftigt als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Verglichen mit dem Niveau vor der Corona-Pandemie im April 2019 waren es sogar 11,3 Prozent weniger. "Damit sank die Anzahl der Beschäftigten in dieser Branche im April 2022 auf den bisher tiefsten Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2015." Konkrete Zahlen nannten die Statistiker nicht.
Der Personalmangel an Flughäfen, bei Bodendienstleistern, Sicherheitsfirmen und Airlines sorgt derzeit für teilweise chaotische Zustände an deutschen Airports. Dem IW-Institut zufolge fehlen 7200 Beschäftigte in der Luftfahrt. In der Folge kommt es zu langen Wartenzeiten, Verspätungen und Flugstreichungen. Die Airlines, die wegen der starken Nachfrage nach Urlaub und Reisen eigentlich das Vorkrisenniveau anvisiert hatten, müssen nun massiv Flüge aus dem Programm nehmen. Damit sollen die Abläufe an den Flughäfen stabilisiert werden.
Die Bundesregierung hilft der Luftfahrt mit beschleunigten Verwaltungsverfahren, so dass befristet angestellte Hilfskräfte etwa aus der Türkei an den Flughäfen bei der Gepäckabfertigung einspringen können. Die Branche hofft auf 1500 bis 2000 Personen, die großenteils wohl ab August zum Einsatz kommen könnten. Dies dürfte allerdings für das Feriengeschäft vieler Flughäfen schon zu spät sein.
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Nervöse Anleger - aussteigen oder aussitzen?
Conti prüft kompletten Rückzug aus Russland
Nach den Reifenherstellern Michelin und Nokian prüft auch der deutsche Autozulieferer Continental einen Rückzug aus Russland. "Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau und evaluieren kontinuierlich alle uns zur Verfügung stehenden Optionen", erklärt der DAX-Konzern. Dies beinhaltet auch die Option eines kontrollierten Rückzugs. Bei den Erwägungen bleiben die Mitarbeiter weiterhin ein wichtiger Gesichtspunkt.
60-Prozent-Kurssprung: Hier greifen US-Anleger vorbörslich zu
Die insgesamt 2,7 Milliarden US-Dollar schwere Übernahmeofferte des Rivalen Paper Excellence Group beschert den in den USA notierten Aktien von Resolute Forest Products einen Rekord-Kurssprung. Sie steigen vorbörslich um 60 Prozent auf ein Elf-Jahres-Hoch von 19,90 Dollar. Paper Excellence bietet den Angaben zufolge 20,50 Dollar je Aktie für den Papier- und Holzprodukte-Hersteller.
Experten: Neuer Schatzkanzler dürfte Pfund nicht lange stützen
Das britische Pfund macht nach dem heftigen Rücksetzer vom Dienstag zur Wochenmitte wieder etwas Boden gut. Stützend wirke die Ernennung von Nadhim Zahawi zum neuen Schatzkanzler, stellt Stratege Adam Cole von RBC Capital Markets fest. Der bisherige Schatzkanzler Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid waren am Dienstag aus Protest gegen die Führung von Premierminister Boris Johnson zurückgetreten.
Auf sehr kurze Sicht werde der Aufstieg des Populismus eine großzügigere Haushalts- und eine strafferen Geldpolitik befördern, was positiv für das Pfund sei. Längerfristig dürfte aber wieder das wirtschaftliche Ungleichgewicht (nicht zuletzt das Leistungsbilanzdefizit von 8 Prozent) Großbritanniens in den Vordergrund treten. Daher sei keineswegs klar, "ob dies die richtige Reaktion" sei, so der Stratege zur Kursentwicklung der britischen Währung.
Aktuell legt das Pfund zum Dollar um 0,1 Prozent zu auf 1,1962, nachdem Rezessionsängste das Pfund am Dienstag auf Talfahrt geschickt hatten. Der Euro sinkt um 0,3 Prozent auf 0,8565 Pfund.
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DAX startet kräftig und wird zur toten Katze
Britische Banken unter Druck
Die Aussicht auf weitere Rückstellungen für Krisenzeiten vertreibt Investoren aus britischen Finanzwerten. Die Aktien der Großbanken Barclays, HSBC und Standard Chartered fallen um bis zu zwei Prozent. Wegen trüber Konjunkturaussichten mahnt die Bank von England (BoE) die Geldhäuser, ihre Kapitalpuffer aufzustocken.
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Razzien bei mehreren Essenslieferdiensten
Die Wettbewerbshüter der Europäischen Union haben verschiedene Essens- sowie Lebensmittellieferdienste in zwei EU-Ländern durchsucht. Es gebe den Verdacht, dass sie Teil eines Kartells seien, teilt die EU-Kommission mit. Es wurden weder Namen noch Länder genannt. Zu den größten Anbietern in der EU gehören der Lieferando-Eigner Just Eat Takeaway.com, Delivery Hero aus Berlin, Uber Eats sowie Wolt von DoorDash. Delivery Hero wie auch Just Eat Takeaway.com waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Unternehmen, die gegen EU-Wettbewerbsregeln verstoßen haben, drohen Bußgelder von bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes.
Amazon/GrubHub-Deal drückt Uber und DoorDash
Ein drohender verschärfter Wettbewerb belastet Uber und DoorDash. Die Aktien des Fahrdienst-Vermittlers, der auch Mahlzeiten ausfährt, und des Essenslieferanten fallen im vorbörslichen US-Geschäft um bis zu sechs Prozent. Auslöser der Verkäufe ist der Einstieg von Amazon beim DoorDash- und Uber-Eats-Rivalen GrubHub.
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Diese US-Aktie wird vorbörslich abgestraft
Bei den US-Einzelwerten geht es für die Aktie von Kornit Digital vorbörslich um 23,3 Prozent nach unten. Das israelische Unternehmen, das mehr als ein Viertel seines Umsatzes mit Amazon macht, hat seine Umsatzprognose für das zweite Quartal fast halbiert. Das dritte Quartal dürfte nicht besser werden, teilte der Anbieter von Digital-Druckern zur Herstellung von Kleidung mit.
Moratorium für Juul-Verkaufsstopp hilft Altria
Die Aussetzung des Verkaufsstopps für Juul E-Zigaretten in den USA gibt Altria Auftrieb. Die Aktien des Tabakkonzerns steigen im vorbörslichen US-Geschäft um 2,1 Prozent. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte den Vertrieb vor zwei Wochen verboten. Die Produkte dürfen aber weiterverkauft werden, so lange die Beschwerde des "Marlboro"-Machers gegen die Entscheidung läuft. Juul werde voraussichtlich nur kurze Zeit vom Markt verschwinden - wenn überhaupt, prognostiziert Analyst Owen Bennett von der Investmentbank Jefferies. Das Moratorium der FDA deute darauf hin, dass die Behörde ihre Entscheidung überdenken könnte.
Wall-Street-Blicke auf Fed-Protokoll gerichtet
Mit einer wenig veränderten Tendenz dürfte die Wall Street zur Wochenmitte in den Handel starten. Die Blicke sind dabei vor allem auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung gerichtet. Dieses wird um 20 Uhr MESZ veröffentlicht. Die Investoren erhoffen sich dabei Hinweise, wie stark die US-Notenbank bei den Zinserhöhungen aufs Tempo drücken wird, um die Inflation einzudämmen. Es herrscht weiter die Sorge, dass zu rasche Zinserhöhungen zu einer Rezession führen werden, denn die globale Konjunktur ist bereits mit Lieferkettenproblemen, Chipmangel und einer drohenden Energiekrise im Zuge des Ukraine-Krieges stark angeschlagen.
Der Future auf den S&P-500 verliert aktuell 0,1 Prozent. "In den vergangenen Tagen haben die Märkte einen Teil der von der Fed erwarteten aggressiven Haltung ausgepreist. Es wird interessant sein zu sehen, ob die Fed kurzfristig versuchen wird, einen Rückzieher zu machen", sagt Gergely Majoros, Portfolio-Manager bei Carmignac. "Zumindest für absehbare Zeit dreht sich alles um die Inflation".
"Wir warten auf eine Art kurzfristige Erholung, da die Bewegung im historischen Vergleich extrem schnell war", so Francisco Sandrini, Leiter der Multi-Asset-Strategien bei Amundi. "Die Hoffnung ist, dass die Zentralbanken bis zu einem gewissen Grad aufhören, die Zinssätze zu erhöhen und eine abwartende Haltung einnehmen, um zu beurteilen, wie stark das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne beeinträchtigt werden" ergänzt er.
Für Bewegung könnten auch die anstehenden US-Konjunkturdaten sorgen. Neben dem Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor in der zweiten Veröffentlichung für Juni dürfte vor allem der ISM-Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe, ebenfalls für Juni, im Fokus stehen.
Gefahr einer Gaskrise in Europa ist real
Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzank (Coba) traut sich sich keine Meinung zu, ob die sich andeutende Gaskrise wirklich kommt. Er macht aber Indizien aus, die für eine solche Krise sprechen. So verweist der Ökonom auf den Fall der Siemens-Turbine, der zur Reduktion des Gasflusses durch die Nordstream-Pipeline durch Russland geführt habe. Er sieht hier "ein Modell" für das, was noch kommen könnte. Die russische Führung wolle, dass der Westen seine eigene Sanktionspolitik erodiere. Überhaupt falle die Sanktionspolitik widersprüchlich aus. Weiterhin russisches Gas und Öl zu importieren und gleichzeitig den Export von Ausrüstung, die Russland dafür benötige, zu sanktionieren, passe schlecht zusammen.
Des Weiteren unterstellt Leuchtmann, dass aus russischer Sicht der ökonomische Sinn von Gasexporten zumindest fraglich sei. Russlands Importe seien deutlich zurückgegangen, gleichzeitig sprudelten die Exporteinnahmen. Daher baue die russische Volkswirtschaft in hoher Geschwindigkeit Forderungen gegenüber dem Rest der Welt auf. Solche Forderungen seien aber von fragwürdigem Nutzen.
Zusammenfassend sieht der Experte gute Gründe dafür, dass Russland die Gasexporte nach Europa weiter reduzieren werde. Ob die anstehende Wartung der Nordstream-Pipeline den Anlass liefere, will er nicht beurteilen. Wenn Russlands Führung in irgendetwas gut sei, dann darin, mit dem Timing ihrer Entscheidungen zu überraschen. Die Gefahr einer Gaskrise in Europa sei real, konstatiert Leuchtmann.
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Bang & Olufsen nach Zahlen im Aufwind
Erleichtert reagieren Investoren auf die Zahlen von Bang & Olufsen. Die Aktien des Anbieters von HiFi-Anlagen steigen in Kopenhagen um 6,6 Prozent. Das Unternehmen erfüllte mit einer operativen Marge von 1,7 Prozent und einem Umsatz von umgerechnet 396 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr die Markterwartungen. Die für 2022/2023 angepeilte Gewinnspanne von minus zwei bis plus drei Prozent sei zudem besser als befürchtet, sagt Analyst Per Hansen vom Brokerhaus Nordnet. Die drohende Rezession könnte Bang & Olufsen allerdings einen Strich durch die Rechnung machen.
Palmöl mit größtem Preisrutsch seit März 2020
Spekulationen auf einen Angebotsüberschuss brocken Palmöl den größten Kursrutsch seit dem Börsen-Crash vom März 2020 ein. Das als Lebensmittel und Biokraftstoff verwendete Pflanzenfett verliert an der Börse Kuala Lumpur mehr als zehn Prozent auf 3735 Ringgit (823 Euro) je Tonne. Börsianer verweisen auf die allgegenwärtigen Rezessionsängste, während gleichzeitig die Lagerbestände in Malaysia im Juni auf ein Sieben-Monats-Hoch gestiegen sind.
Einzelhandelsumsatz dümpelt vor sich hin
Der Einzelhandel in der Eurozone hat im Mai nur ein mageres Umsatzplus erzielt. Zum Vormonat ergab sich ein Zuwachs von 0,2 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilt. Experten hatten hingegen mit 0,4 Prozent gerechnet, nach revidiert minus 1,4 Prozent im April. Während das Geschäft mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren im Mai um 0,3 Prozent zurückging, stieg der Umsatz im Bereich außerhalb des Lebensmittelsortiments um 1,2 Prozent.
Im Vergleich zum Mai 2021 kletterten die gesamten Umsätze ebenfalls um 0,2 Prozent. Beim Geschäft mit Kraftstoffen stiegen die Einnahmen binnen Jahresfrist um 5,6 Prozent. Der Ukraine-Krieg hat Energie, Rohstoffe und Lebensmittel spürbar verteuert. Trotz Tankrabatten und anderen Steuererleichterungen in mehreren Euro-Ländern zogen die Verbraucherpreise im Juni um 8,6 Prozent zum Vorjahresmonat an - ein Rekordwert.
Streik in Norwegen beendet - so reagiert der Gaspreis
Die nachlassende Furcht vor einem verschärften Angebotsengpass löst Gewinnmitnahmen bei Erdgas aus. Der europäische Future fällt um sieben Prozent auf 161 Euro je Megawattstunde. Auslöser hierfür sei die Invervention der norwegischen Regierung, um den Streik der dortigen Öl- und Gasarbeiter zu beenden, schreiben die Analysten des Branchendienstes Engie EnergyScan.
Ausblick beflügelt Buchungsportal
Die Aussicht auf kräftiges Wachstum ermuntert Anleger zum Einstieg bei Trainline. Die Aktien des Buchungsportals steigen in London um fast 24 Prozent auf ein Neun-Monats-Hoch von 348,6 Pence. Das Unternehmen peilt für das Geschäftsjahr 2022/2023 ein Umsatzplus von 22 bis 31 über dem Niveau vor der Pandemie an.
Wie sichern sich Anleger gegen Kursverluste ab?
Analysten schieben Conti-Kurs an
Ein positiver Analystenkommentar gibt Continental Rückenwind. Die Aktien des Autozulieferers steigen knapp 2,5 Prozent auf etwa 64,31 Euro. Die Experten der Barclays Bank stuften die Titel auf "Equal-Weight" von "Underweight" hoch und hoben das Kursziel auf 70 von 65 Euro an.
Analysten ziehen Software-AG-Kurs abwärts
Ein negativer Analystenkommentar setzt Software AG zu. Die Aktien des Softwarehauses fallen gegen den allgemeinen Markttrend knapp ein Prozent auf etwa 28,75 Euro. Die Experten der Barclays Bank stuften die Titel auf "Underweight" von "Equal-Weight" herunter.
Evotec arbeitet mit Boehringer zusammen
Das Biotechunternehmen Evotec hat mit dem französischen Wettbewerber Biomerieux und dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Die unter Aurobac Therapeutics SAS firmierende neue Firma werde sich auf die Entwicklung von Wirkstoffen zur Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) konzentrieren, teilt Evotec mit. Ziel sei es, AMR als eine massive Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu besiegen. Multiresistente Keime können für Patienten in Krankenhäusern nach Routineeingriffen wie Kaiserschnitten oder Hüftprothesen lebensbedrohlich werden und schwere Komplikationen auslösen.
Kryptobank meldet Insolvenz an
Die Kursturbulenzen bei Bitcoin & Co reißen mit Voyager Digital ein weiteres Unternehmen in den Abgrund. Die auf Kryptowährungskredite spezialisierte Bank beantragte in den USA Gläubigerschutz. Als Grund nannte Firmenchef Stephen Ehrlich den jüngsten Kursverfall der Cyber-Devisen sowie der Ausfall von Kreditzahlungen des Hedgefonds Three Arrows.
Voyager ist früheren Angaben zufolge mit insgesamt etwa 760 Millionen Dollar bei Three Arrows engagiert, darunter ein Kredit in der Kryptowährung USD Coin im Volumen von 350 Millionen Dollar. Vor zwei Wochen hatte Voyager gedroht, Three Arrows eine "Default Notice" zuzusenden. Diese Inverzugsetzung geht mit einer Mahnung einher, Forderungen binnen einer bestimmten Frist zu begleichen. Kurz darauf hatte der Hedgefonds Insolvenz angemeldet. Three Arrows war durch den Kurskollaps des "Stablecoins" TerraUSD in Schieflage geraten. Eigentlich sollten Handelsgeschäfte mit anderen Kryptowährungen den Preis von TerraUSD stets bei einem US-Dollar halten. Mitte Juni hatte außerdem Voyager-Rivale Celsius Abhebungen und Überweisungen zwischen Konten ausgesetzt.
Aus Furcht vor einer Rezesssion durch drastische Zinserhöhungen der Notenbanken und durch die Folgen des Ukraine-Kriegs fliehen Anleger seit Monaten aus riskanten Anlagen, zu denen Kryptowährungen gehören. Im Vergleich zu seinem Rekordhoch von rund 69.000 Dollar im vergangenen November hat Bitcoin seither mehr als 70 Prozent verloren und kostet derzeit etwa 20.000 Dollar. Die zweitwichtigste Cyber-Devise Ethereum rutschte fast 77 Prozent auf derzeit etwa 1100 Dollar ab.
Grubhub geht Partnerschaft mit Amazon ein
Die US-Sparte Grubhub des Lieferando-Eigners Just Eat Takeaway.com hat eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Onlinehändler Amazon geschlossen. Prime-Mitglieder könnten in den USA kostenlos für ein Jahr eine Grubhub-Mitgliedschaft eingehen und würden dann keine Liefergebühren für Restaurantmahlzeiten zahlen, teilt der niederländische Konzern mit. Das werde das Geschäft anschieben, sagte Grubhub-Chef Adam DeWitt.
Grubhub steht angesichts der großen Konkurrenz durch DoorDash und Uber Eats unter Druck. Der Chef von Just Eat Takeaway.com Jitse Groen hatte erklärt, bei Grubhub verschiedene strategische Optionen durchzuspielen - darunter auch einen Verkauf des erst vor einem Jahr für 5,8 Milliarden Dollar erworbenen Unternehmens. Der Prozess dauere an, hieß es nun. Der Ausgang der Bemühungen sei unklar.
Nach der Hochphase in der Corona-Krise müssen Kunden weltweit nun angesichts von Inflation und Wirtschaftsabkühlung mehr auf ihr Geld achten und sparen deswegen auch beim Einkauf, was wiederum das Interesse an Essenslieferdiensten senkt.
Euro so schwach wie zuletzt vor 20 Jahren
"Schwarzer Mittwoch"? Stimmung bei DAX-Anleger ist fragil
Der DAX legt zum Start in den Handel zur Wochenmitte 1,6 Prozent auf 12.601 Punkte zu, nachdem er am Dienstag mehr als 370 Zähler oder 2,9 Prozent eingebüßt hatte und damit im Juli schon knapp 3 Prozent abgerutscht ist. Mit 12.401 Punkten schloss er nur etwa 10 Zähler über seinem Tagestief. Auch die Wall Street zeigte sich nicht von ihrer starken Seite. Unter Druck standen vor allem Zykliker, da Marktteilnehmer Rezessionsängste plagen.
"Der DAX versucht sich zunächst zu stabilisieren", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Katja Dofel. "Die Unsicherheit am Markt bleibt aber hoch, kleine Gewinne werden sofort mitgenommen. Dadurch kann die Richtung sich auch wieder schnell ändern", erläutert sie. "Der Dollar ist für viele Investoren aktuell der sichere Hafen, der Euro steht dadurch unter Druck."
Just-Eat-Takeaway-Anleger feiern
Just Eat Takeaway-Papiere legen vorbörslich zeitweise bis zu zehn Prozent zu. Händler verweisen auf die Partnerschaft mit Amazon. "Sie stützt die Stimmung", so ein Marktteilnehmer.
"An einer Rezession führt vermutlich kein Weg vorbei"
Die deutsche Industrie hat ihren nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine eingesetzten Auftragsschwund im Mai zwar überraschend gestoppt. Das Neugeschäft wuchs um minimale 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Grund zur Entwarnung ist das laut Ökonom Thomas Glitzel von der VP nicht:
"Das kleine Plus im Mai ist alleine dem Zuwachs von Großaufträgen zu verdanken. Ohne diese sieht das Bild bitter aus", so Glitzel. Eigentlich seien die Weichen auch auf eine kräftige Erholung gestellt gewesen. Die Auftragsbücher wurden kräftig gefüllt und die Verbraucher haben Geld auf der hohen Kante zum Konsumieren.
"Doch der Kriegsausbruch führte zu einer abrupten Kehrtwende. Aus dem erhofften Aufschwung wurde gewissermaßen innerhalb weniger Tage eine Seifenblase. So hart es klingt, an einer Rezession führt vermutlich kein Weg vorbei."
Ölpreise steigen nach Einbruch wieder
Die Ölpreise stabilisieren sich nach dem gestrigen Einbruch.
Im frühen Handel kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent 104,30 Dollar. Das sind 1,53 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI steigt um 98 Cent auf 100,48 Dollar.
Gestern waren die Preise zeitweise um mehr als zehn Dollar eingebrochen. Der WTI-Preis fiel unter die Marke von 100 Dollar. Als Hauptgrund wurden Rezessionsängste genannt. Die große Unsicherheit wegen des Ukraine-Kriegs drohen die Weltwirtschaft ebenso zu belasten wie der Kampf der Notenbanken gegen die Inflation. Der jüngste Rückfall erfolgt allerdings auf hohem Niveau. Gegenüber dem Jahresbeginn ist Rohöl immer noch gut 30 Prozent teurer. Hauptgrund ist das durch den Ukraine-Krieg verminderte Angebot an Erdöl aus Russland.
Euro hält sich nur knapp über 20-Jahres-Tief
Der Euro hält sich im frühen Handel knapp über seinem am Vortag markierten 20-jährigen Tiefstand. Am Morgen kostet die Gemeinschaftswährung 1,0245 Dollar und damit kaum mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,0290 Dollar festgesetzt.
Am Dienstag war der Euro mit 1,0235 Dollar auf den tiefsten Stand seit Dezember 2002 gefallen. Experten nennen im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen geht die Furcht vor einer Energiekrise in Europa um. Zum anderen führt die EZB ihren Kampf gegen die Inflation vergleichsweise zurückhaltend.
Zur Wochenmitte dürften Anleger nicht nur neue Konjunkturzahlen aus Europa in den Blick nehmen. In den USA veröffentlicht das ISM-Institut seinen Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Die Zahl gibt Hinweise auf den Zustand der US-Wirtschaft. Außerdem veröffentlicht die US-Notenbank Fed am Abend ihr Protokoll zur jüngsten Zinssitzung.
Containerschiffstau auf der Nordsee immer länger
Die Staus von Containerschiffen in der Nordsee nehmen dem Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge in der Tendenz zu.
"Über zwei Prozent der globalen Frachtkapazität stehen dort still und können weder be- noch entladen werden", sagte IfW-Experte Vincent Stamer. Für die Nordsee sei dies "sehr ungewöhnlich". Auch vor den chinesischen Häfen von Shanghai und Zhejiang wächst die Warteschlange: Mehr als vier Prozent der globalen Frachtkapazität stecken hier fest. "Ein Ende der Staus in der Containerschifffahrt ist derzeit nicht in Sicht", sagte Stamer. "Für Deutschland und die EU beeinträchtigt dies vor allem den Überseehandel, speziell mit Asien, woher etwa Unterhaltungselektronik, Möbel oder Textilien geliefert werden."
Auf dem Roten Meer - der wichtigsten Handelsroute zwischen Europa und Asien - sind dem IfW zufolge derzeit gut 20 Prozent weniger Containerschiffe unterwegs als unter normalen Umständen zu erwarten wären. So groß sei die Lücke zuletzt nach Ausbruch der Corona-Pandemie vor zwei Jahren gewesen. "Maßgeblich dafür könnte sein, dass sich die negativen Effekte des Lockdowns in Shanghai aufgrund der 40-tägigen Fahrt von China nach Europa nun erst zeigen", sagte Stamer.
Krisenangst lässt Kupfer auf tiefsten Preis seit eineinhalb Jahren fallen
Die Furcht der Anleger vor einem Nachfrage-Rückgang drückt nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Preise vieler Rohstoffe, die in den vergangenen Monaten extrem gestiegen waren.
So verbilligt sich Kupfer am Morgen um 2,7 Prozent und notiert mit 7462 Dollar je Tonne so niedrig wie zuletzt vor gut eineinhalb Jahren. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Wochen auf rund 23 Prozent. Zuletzt ging es vor elf Jahren so stark bergab. Auf die Stimmung drückten die Corona-Lockdowns in China und die Zinserhöhungen der großen Notenbanken, die eine Rezession auszulösen drohten, schreiben die Analysten der Bank Standard Chartered.
DAX dürfte sich nach gestrigem Einbruch etwas erholen
In Erwartungen zahlreicher Konjunkturdaten wird der DAX Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge heute höher starten. Gestern hatten ihn Rezessionsängste der Anleger 2,9 Prozent ins Minus auf 12.401,93 Punkte gedrückt.
Vor diesem Hintergrund richteten Börsianer ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf die europäischen Einzelhandelsumsätze. Analysten erwarten für Mai einen Anstieg um 0,4 Prozent, nach einem Minus von 1,3 Prozent im Vormonat. Weitere Hinweise auf den Gesundheitszustand der heimischen Konjunktur versprechen sich Investoren von den Auftragseingängen der deutschen Industrie. Hier sagen Experten ein Minus von 0,6 Prozent voraus, nach einem Einbruch von 2,7 Prozent im Vormonat.
In den USA ist das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor im Juni wohl auf 54,3 Punkte von 55,9 Zählern zurückgegangen. Außerdem veröffentlicht die Notenbank Fed die Protokolle ihrer jüngsten geldpolitischen Beratungen. "Es ist fraglich, wie viel Neues diese Veröffentlichungen zu bieten haben", sagte Commerzbank-Analystin You-Na Park-Heger. Der Fed sei die Rezessionsgefahr durch ihre drastischen Zinserhöhungen durchaus bewusst. Der Kampf gegen die Inflation sei derzeit aber drängender.
Rezessionsangst drückt Asienbörsen ins Minus
Negative Vorzeichen dominieren zur Wochenmitte an den Börsen in Ostasien und Australien.
Händler sprechen von wiederaufgeflammten Rezessionssorgen. Viele Anleger wollten zudem die US-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung abwarten, die am Abend lange nach Börsenschluss in Asien veröffentlicht werden.
In Tokio geht es mit dem Nikkei-225-Index um 1,1 Prozent abwärts. In Schanghai sinkt der Composite-Index um 1,3 Prozent, während der Hang-Seng-Index in Hongkong um 1,4 Prozent nachgibt. An der Börse im südkoreanischen Seoul liegt der Kospi 1,3 Prozent im Minus. Vergleichsweise gut hält sich der australische Aktienmarkt, wo der S&P-ASX-200 um 0,4 Prozent fällt. Hier verhindern Kursgewinne im Bankensektor ein deutlicheres Minus.
Unter Druck stehen in der ganzen Region Aktien der Energiebranche, nachdem die Angst vor einer rezessionsbedingt schwindenden Nachfrage den Ölpreis am Dienstag einbrechen ließ.
Das wird für den DAX heute wichtig
Die leichte Kurserholung an der Frankfurter Börse hat sich am Dienstag als Strohfeuer erwiesen. Die Anleger haben diese wieder zum Ausstieg genutzt. Mit den wichtigsten Indizes ging es nach kräftig unten. Damit hatten wie schon zu Wochenbeginn frühe Gewinne nicht lange Bestand.
Viele Börsianer befürchten, dass die Leitzinserhöhungen großer Notenbanken im Kampf gegen die starken Preissteigerungen eine Rezession auslösen könnten. Zudem gibt es gerade in Deutschland die Gefahr vollständig ausbleibender Erdgaslieferungen aus Russland. Am 21. Juli, dem Tag an dem die Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 enden sollen, wird es spannend.
Was erwartet die Händler heute? Eine Stunde vor Handelsbeginn gibt es aus Deutschland Daten zum Mai-Auftragseingang. Am Vormittag werden Zahlen zum Mai-Einzelhandelsumsatz in der Europäischen Union veröffentlicht.
Aus den USA gibt es um 16 Uhr MESZ den ISM-Index für die Dienstleister im Juni. Spannend wird es am Abend, denn um 20 Uhr MESZ wird Einsicht in das Protokoll der Juni-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank FED gewährt.
Bei den Unternehmen wirft die Berichtssaison ihre Schatten voraus. Die Cropenergies AG liefert Zahlen zum ersten Quartal. Richtig losgehen wird es in dieser Hinsicht aber erst in den kommenden Tagen.