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Fit fürs Bewerbungsgespräch Diese Fehler können Sie vermeiden

Egal, ob es um einen Praktikumsplatz geht oder um eine Führungsposition: Wer einen Job will, muss sich im Vorstellungsgespräch gut verkaufen. Hier einige Tipps für Spitzenkräfte und solche, die es werden wollen.

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Bewerbungsgespräche folgen meist bestimmten Mustern. Entsprechend gut kann man sich vorbereiten.

(Foto: imago stock&people)

Sie ist das erste Etappenziel auf dem Weg zum neuen Job: die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Die Präsentation in Ihrer Bewerbungsmappe war offenbar erfolgreich oder Ihr Online-Profil hat Headhunter aufmerksam gemacht. Jetz t gilt es, den positiven ersten Eindruck im persönlichen Gespräch zu untermauern. Dass Ihre fachliche Qualifikation überzeugt hat, bedeutet nicht, dass Sie den Job schon in der Tasche hätten. Die Experten der Karriereplattform Experteer kennen die Fallen, in auf Führungskräfte bei Bewerbungsgesprächen lauern.

1. Schlechte Vorbereitung

Klar, im Bewerbungsgespräch geht es vor allem um den Kandidaten. Sie sollten allerdings zeigen, dass Sie sich mit der Firma beschäftigt haben, bei der Sie arbeiten wollen. Wer Fragen nach der Marktsituation, Wettbewerbern oder wichtigen Produkten nicht beantworten kann, wirkt desinteressiert. Nun erwartet man wahrscheinlich nicht von Ihnen, dass Sie die Geschäftsberichte der letzten Jahre wälzen. Sie sollten sich aber wenigstens auf der Internetpräsenz des Unternehmens umschauen und die Social-Media-Auftritte scannen. Je mehr Sie über die Firma wissen, desto entspannter können Sie das Gespräch führen.

Wenn möglich, bringen Sie vorher auch in Erfahrung, wer beim Gespräch anwesend sein wird. Bei Spitzenpositionen sind größere Runden üblich, zu denen neben den Mitarbeitern der Personalabteilung auch weitere Führungskräfte hinzugezogen werden. Wenn Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, können Sie sich besser vorbereiten. Gehen Sie sicher, dass Sie auf kritische Nachfragen, etwa nach Lücken im Lebenslauf, gute Antworten haben.

Auch wenn Sie rhetorisch kein Genie sind, hilft es, sich beim Gespräch an bestimmten Punkten zu orientieren. Sprechen Sie über Ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um zu verdeutlichen, was Sie bisher geleistet haben, wo Sie momentan stehen und welche Ziele Sie verfolgen. Kompetenz, Leistungsbereitschaft und Persönlichkeit sind Attribute, die Personaler-Herzen höher schlagen lassen. Um sie zu vermitteln, gehen Sie mit konkreten Beispielen auf Aspekte und Meilensteine Ihrer bisherigen Karriere ein.

2. Kritik am Ex-Arbeitgeber

Auch wenn Sie allen Grund hätten, über Ihren bisherigen Arbeitgeber vom Leder zu ziehen: Halten Sie sich mit Kritik zurück. Nicht nur, weil Sie dadurch illoyal erscheinen, sondern auch, weil Sie sonst den Eindruck erwecken, auf der Flucht zu sein. Kein Arbeitgeber möchte eine Zwischenstation für jemand Frustrierten sein, der einfach nur der alten Firma entkommen will. Bewerben Sie sich lieber nach dem Motto: In meiner jetzigen Position könnte ich noch vieles erreichen, aber bei Ihnen sind die Aussichten weitaus besser.

3. Unpünktlichkeit

Klingt banal, ist aber bedeutend: Pünktlichkeit. Der erste Eindruck zählt und wer schon zum ersten Termin zu spät kommt, wirkt unzuverlässig. Planen Sie also lieber einen Zeitpuffer ein, insbesondere wenn Sie die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen.

4. Zu großspurig oder zu zurückhaltend

Klar sollen Sie mit Ihren Vorzügen nicht hinterm Berg halten. Die Kunst ist es jedoch, das richtige Maß zu finden, sonst werden Sie als arrogant und selbstbezogen wahrgenommen. Wenn Sie zu sehr das Alphatier spielen, wird man Ihnen kaum zutrauen, dass Sie ein guter Teamplayer sind. Geben Sie sich hingegen zu schüchtern und zurückhaltend, spricht das nicht für Ihre Führungsstärke. Also verstellen Sie sich nicht, mit unverkrampfter Ehrlichkeit kommt man meistens am weitesten.

5. Mangelnde Ehrlichkeit

Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt von der Schaumschlägerei bis zur Lüge. Gerade in großen Unternehmen werden Personaler darin geschult, Unwahrheiten anhand von Kleinigkeiten zu entlarven, es gibt sogar entsprechende Seminare mit Kriminalpsychologen. Seien Sie also nicht allzu kreativ, wenn Sie Ihren Lebenslauf ausschmücken – sonst kann es peinlich werden, wenn Ihr Gegenüber nachbohrt. Selbst wenn Sie zunächst damit durchkommen, sind Sie nicht aus dem Schneider. Denn der frisierte Lebenslauf kann Ihnen auch später noch auf die Füße fallen. Fragen Sie mal Scott Thompson, den ehemaligen Yahoo-Chef.

6. Keine weiteren Fragen

Auch wenn Sie sich umfassend über das Unternehmen informiert haben – tun Sie nicht so, als ob Sie schon alles wüssten. Zeigen Sie Eigeninitiative und stellen Sie Gegenfragen. Insbesondere am Ende des Gesprächs sollten Sie Ihr Interesse noch einmal untermauern, aber nicht unbedingt mit Fragen nach einem Dienstwagen oder der Zahl der Urlaubstage.

7. Mangelnde Spontaneität

Klar muss das Bewerbungsgespräch vorbereitet werden, die Antworten auf bestimmte Standardfragen sollten Sie schon vorher kennen. Bedenken Sie dabei, dass das Gespräch nicht unbedingt so verläuft, wie Sie es geübt haben. Lassen Sie bei Ihrer Vorbereitung also Spielraum für spontane Antworten und versteifen Sie sich nicht zu sehr auf ihr zurechtgelegtes Konzept. Das wirkt hölzern und künstlich.

Auf Standardfragen, etwa die nach persönlichen Stärken und Schwächen, sollten Sie natürlich gefasst sein. Wenn Sie dann die üblichen Standardantworten bringen – etwa "Ich bin zu ehrgeizig/perfektionistisch" – dann sollten Sie auch entsprechende Beispiele parat haben.

8. Diffuse Argumente

Lassen Sie sich nach Fragen ruhig kurz Zeit, um Ihre Gedanken zu sortieren. Denn Ihre Antworten sollten wohlüberlegt und strukturiert sein –  gerade wenn die Frage sehr offen ist. Ein Klassiker ist die Aufforderung "Erzählen Sie etwas über sich". Wer planlos drauflos redet und diffus argumentiert, erweckt den Eindruck, ebenso unsystematisch zu handeln. Zusammenhänge einleuchtend darzustellen, sollten Führungskräfte aus dem Effeff beherrschen.

9. Falsche Körpersprache

Paul Watzlawick sagte einmal: "Man kann nicht nicht kommunizieren". Er bezog sich auf die non-verbale Kommunikation, die einen erheblichen Teil menschlicher Interaktion ausmacht. Auch im Bewerbungsgespräch entscheidet die Körpersprache darüber, wie Sie auf die Entscheider wirken. Die gute Nachricht: Schon mit Kleinigkeiten wie einem festen Händedruck und aufrechtem Sitz ist viel gewonnen. Unterstreichen Sie Ihre Worte ruhig durch maßvolle Gesten mit den Händen, achten Sie aber darauf, dass Sie nicht fuchteln oder drohend den Zeigefinger erheben. Mit einem Kopfnicken signalisieren Sie, dass Sie den Ausführungen ihres Gegenübers aufmerksam folgen. Was nicht geht: Fehlender Augenkontakt oder zu leises Sprechen. Damit demonstrieren Sie mangelndes Selbstbewusstsein.

10. Der falsche Geruch

Klar, dass Sie nicht ungeduscht und mit verschwitzter Kleidung zum Vorstellungsgespräch erscheinen. Achten Sie auch darauf, welches Parfüm Sie auflegen. Wissenschaftler der Universität Mannheim haben herausgefunden, dass das Parfüm eines Kandidaten die Entscheidung durchaus beeinflussen kann. Sobald Probanden einen blumigen Duft trugen, hatten sie deutlich schlechtere Chancen auf den Job, unabhängig davon, wie sie sich im Gespräch verkauft hatten. Tragen Sie also zu ihrem nächsten Bewerbungsgespräch besser einen herberen Duft. Dann kann es in Zukunft nur noch an Ihren Antworten liegen, ob Sie die Position bekommen.

Quelle: n-tv.de, ino

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