Kolumnen

Google, Coca-Cola, McDonald's Was steckt hinter nackten Zahlen?

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Aktienhändler an der Wall Street.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zahlen, Zahlen, Zahlen. In den USA läuft die Berichtssaison, und Anleger haben jede Menge Daten zu verarbeiten. Richtig interessant sind allerdings die Geschichten, die hinter der trockenen Bilanz stehen.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter… egal, die schönste Jahreszeit an der Wall Street ist die Ertragssaison. Viermal im Jahr öffnen die Unternehmen die Bücher, man zieht Bilanz, wirft einen Blick in die Zukunft - doch wer dabei nur auf Umsatz und Gewinn schaut, verpasst oft die wahre Geschichte hinter den Unternehmen.

Sicher, die Zahlen sind an der Wall Street das wichtigste. Doch leider ist in dieser Richtung aktuell nichts Großes zu erwarten. Analysten sind sich weitgehend einig: Die Ertragssaison zum abgelaufenen ersten Quartal dürfte schwach werden. Die Gewinne für die amerikanischen Unternehmen sollen um drei Prozent eingebrochen sein... das hat man seit drei Jahren nicht gesehen. Na ja, niedrige Erwartungen haben noch niemandem geschadet. Denn sie sind leicht zu toppen, und an der Börse reicht das dann allemal für weitere Gewinne.

Doch schauen wir einmal hinter das trockene Zahlenwerk. Denn wer erfolgreich in ein Unternehmen investieren will, der sollte sich mit mehr beschäftigen als nur mit der Bilanz. Im Idealfall kennt der Anleger die Chancen und Risiken des Unternehmens - und der Branche.

Bei Coca-Cola etwa dürfte der aktuelle Gewinn nur wirklich oberflächliche Anleger interessieren. Viel wichtiger ist, was das Management für weiteres, langfristiges Umsatzwachstum in petto hat. Denn die Brause, die sich einst von selbst verkaufte, steht gehörig unter Druck. Der Markt ist in den wirtschaftlich stärksten Märkten in den USA und Europa längst gesättigt. Neue Kunden kann man eigentlich nur in den "emerging markets" gewinnen, während man sich andernorts längst von Coca-Cola abwendet. Zu viel Zucker, zu wenig Nährwert für eine Gesellschaft, die längst gesündere Alternativen bevorzugt... Coca-Cola hat längst Wasser, Säfte und anderes ins Angebot genommen – aus diesen Bereichen kommt langfristig das Wachstum.

Google sorgt für Veränderungen

Ähnliches bespricht man seit ewigen Zeiten bei McDonald's. Auch der Fastfood-Riese konnte jahrelang wie von selbst wachsen, weil eine ganze Generation die billigen Burger einfach geil fand... das ist längst vorbei. Die weltgrößte Restaurantkette bietet längst Salat an und Apfelschnitze im Happy Meal, doch das reicht nicht. Die Marke steht für eine gesundheitsbewusstere Gesellschaft auf dem absteigenden Ast.

Spannung gibt es auch vor der Google-Konferenz. Der Online-Riese hat seine Algorithmen umgestellt, um mehr Gewicht auf mobile Webseiten zu legen. Damit passt man sich einer Gesellschaft an, die nicht mehr am Laptop sitzt, sondern überwiegend per Smartphone surft. Das Problem: Google wird für viele Kunden attraktiver, aber nicht für alle. Denn es gibt viele Unternehmen, die noch nicht besonders mobilfreundlich sind, und deren Seiten bei Google abrutschen könnten - das könnte sich schnell auf die Werbeumsätze niederschlagen.

So bleibt die Ertragssaison auch spannend, wenn man längst von Zahlen genug hat. Bei Procter & Gamble wollen Anleger wissen, was aus dem Noch-CEO AG Lafley wird, um den sich Rücktrittsgerüchte ranken. Bei den Banken müssen Anleger stets um neue Regulierungen bangen. Wer auf Fluggesellschaften setzt, sollte neben den aktuellen Reisetrends auch den Ölpreis im Auge haben. Die Militärindustrie hingegen ist nahezu komplett von der politischen Lage global und der ständig wechselnden Besatzung im Kongress abhängig, während der Einzelhandel nicht nur von der finanziellen Stärke des Verbrauchers abhängig, sondern auch noch Angriffen aus dem Hightech-Sektor ausgeliefert ist, wo immer neue Online-Konzepte längst nicht nur kleine Läden, sondern auch die Filialen gigantischer Ketten in ihrer Existenz bedrohen.

Das sind sie also, die Geschichten der Wall Street... nur vordergründig geht es darum, wie viel Gewinn und Umsatz in den letzten drei Monaten verbucht wurde. Langfristig geht es um Strategien, die das Unternehmen weiterbringen und die sich über Jahre hinaus auszahlen.

Quelle: n-tv.de

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