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Der Herr der Niedrigzinsen Super, Mario!

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Mario Draghi.

(Foto: AP)

Deutsche Sparer sind auf Mario Draghi nicht besonders gut zu sprechen. Doch die Verdienste des scheidenden EZB-Präsidenten schmälert das überhaupt nicht.

Mario Draghi hat sich in Deutschland nicht gerade beliebt gemacht. Dem EZB-Präsidenten wird hierzulande immer wieder unterstellt, mit Niedrigzinsen die Sparer zu enteignen und im Pakt mit verantwortungslosen Südeuropäern eine Harakiri-Geldpolitik mit fürchterlichen Folgen zu betreiben. Alles das gipfelt darin, ihn als Vampir "Draghila" zu verunglimpfen. Das ist unfair, unredlich und ungerecht.

Für deutsche Sparer und Banken ist die ultralockere Geldpolitik der EZB zwar unerfreulich. Doch Aufgabe der Zentralbank ist nicht, Sparer und Banken glücklich zu machen. Ihre Aufgabe ist es, für Preisstabilität zu sorgen - und zwar mit Blick auf die gesamte Eurozone. Die Inflation lag im September bei lediglich 0,8 Prozent und damit weiterhin weit entfernt von der Zielmarke in Höhe von knapp unter 2 Prozent. Auch die Inflationserwartungen sind schwach. Und das Wachstum in der Eurozone ist es auch. In diesem Umfeld ist es völlig normal, dass die EZB versucht, Investitionen attraktiver und Sparen unattraktiver zu machen.

Und so hat die EZB unter der Führung von Draghi die Leitzinsen auf null gesenkt, die Einlagezinsen der Banken in den negativen Bereich gedrückt und ein gigantisches Anleihekaufprogramm angeworfen. Ja, dieser Kurs ist riskant. Und ja, Draghi muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die EZB durch die Anleihekäufe ganz offen und verbotenerweise Staatsfinanzierung betreibt. Und selbstverständlich stellt sich die Frage, ob der Nutzen mittlerweile größer ist als die Schäden und die Risiken.

Handeln, nicht mosern

Bei aller Kritik: Die EZB ist zur ultralockeren Geldpolitik gezwungen. Sie kauft damit den Regierungen der Eurozone Zeit - die sie bedauerlicherweise nicht nutzen. Statt in Richtung EZB zu schimpfen, sollten sie die Zentralbanker mit einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik unterstützen. Etwa in Italien oder Griechenland ist in Sachen Strukturreformen und Bürokratieabbau jede Menge Luft nach oben.

Und die Bundesregierung hält leider stur an der schwarzen Null fest - und das angesichts maroder Infrastruktur. Doch die größte Volkswirtschaft der Eurozone kann es sich leisten, mehr Geld auszugeben und die Konjunktur anzuschieben. Die Investitionen sind schwach, der Leistungsbilanzüberschuss üppig. Das heißt natürlich nicht, munter das Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Das heißt, sinnvoll zu investieren - beispielsweise in Straßen, Schienen, digitale Infrastruktur und Bildung. Die Zeit drängt. Es sieht so aus, dass die Waffen der EZB an Wirkung verlieren.

Derweil wird gerne vergessen, dass Draghi eine durchaus historische Leistung vollbracht hat. Mit den Worten "Whatever it takes" gab er eine Bestandsgarantie für den Euro und sorgte so auf dem Höhepunkt der Finanzkrise dafür, dass der Währungsraum nicht implodierte. Draghi ersparte uns damit ein Szenario, das zu einem viel größeren Finanz-Crash als dem von 2008 geführt hätte - dessen Folgen übrigens noch immer zu spüren sind. Das ist eine Leistung, die Respekt verdient.

Quelle: n-tv.de

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