Marktberichte

Technologiebranche lässt Federn Apple-Zahlen erinnern Anleger an Virus-Krise

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(Foto: picture alliance / Justin Lane/E)

Die wieder aufflammende Furcht vor einem Dämpfer für die Weltwirtschaft durch die Coronavirus-Epidemie setzt den Börsen zu. Auslöser der aktuellen Verkäufe sind gesenkte Umsatzziele von Apple. Einige Investoren flüchten in "sichere Häfen". Der Goldpreis steigt erstmals seit 2013 die Marke von 1.600 Dollar.

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Die Wall Street hat sich nach dem langen Wochenende mit Abgaben gezeigt. Ausgerechnet der Börsenliebling Apple erinnerte Anleger an die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen der Coronavirusepidemie in China. Der Technologiegigant kann die aktuelle Umsatzprognose für das bis Ende März laufende Geschäftsquartal nicht halten. Apple begründete die Umsatzwarnung explizit mit der Epidemie in China, stand damit aber nicht allein. So warnten auch BHP Billiton und HSBC vor den Folgen der Epidemie. Verstärkt wurden die Sorgen von der Ratingagentur Moody's, die Kreditanalysten hatten ihre Wachstumsprojektionen für China wegen des Coronavirus gesenkt.

Dass sich die US-Börsen dennoch recht gut hielten erklärten Marktteilnehmer mit guten heimischen Konjunkturdaten. Der Empire State Manufacturing Index stieg im Februar überraschend deutlich auf den höchsten Stand seit Mai vergangenen Jahres. Das lässt den Schluss zu, dass die US-Wirtschaft von der Epidemie noch nicht sonderlich beeinträchtigt wird.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,6 Prozent auf 29.232 Punkte, der S&P-500 sank um 0,3 Prozent. Die Nasdaq-Indizes schlossen kaum verändert. Dabei standen den 1.178 (Freitag: 1.505) Kursgewinnern 1.762 (1.406) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 75 (89) Titel.

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"Die Lage in China gestaltet sich schlimmer und viele andere global aufgestellte Unternehmen dürften ihre Ausblicke ebenfalls senken (...)", sagte Marktanalyst David Madden von CMC Markets. Die wirtschaftlichen Folgen insgesamt seien aber weiterhin ungewiss. Das galt auch für eine weitere Hiobsbotschaft. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump liebäugelt mit der Beschränkung der Chip-Zulieferungen nach China wegen des Huawei-Streits. Intel büßten 1,7 Prozent ein.

Apple gaben 1,8 Prozent ab, hatten zunächst aber deutlicher nachgegeben. Analysten sahen die Zulieferprobleme des Unternehmens in Asien nicht als dauerhaftes Problem. Bei Cowen etwa hieß es, dass die Nachfrage dadurch nicht beeinträchtigt werden dürfte, weshalb Apple vermutlich in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahrs die Umsatzausfälle wettmachen werde. Ähnlich äußerte sich Instinet.

Vergleichsweise gut hielt sich die Dell-Aktie, die um 0,2 Prozent nachgab. Das Technologieunternehmen verkauft sein Geschäft für Cyber-Sicherheit für 2,1 Milliarden Dollar an eine Investorengruppe.

Die Titel des Einzelhandelsriesens Walmart legten um 1,5 Prozent zu. Das Unternehmen hat trotz andauernder Belebung des Onlinehandels ein schleppendes Weihnachtsgeschäft verzeichnet. Für das neue Jahr gibt sich Walmart aber zuversichtlich. Zudem hat Walmart die Dividende für das Geschäftsjahr 2020/21 angehoben.

Franklin Resources übernimmt im Vermögensverwaltungssektor Legg Mason für 4,5 Milliarden Dollar. Franklin Resources stiegen um 6,9 Prozent und Legg Mason um 24,4 Prozent.

Kroger verbesserten sich um 5,2 Prozent. Berkshire Hathaway, die Holding von Investorenlegende Warren Buffett, hat eine Beteiligung im Wert von 500 Millionen Dollar an dem Unternehmen erworben.

Tesla
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Tesla stiegen um 7,3 Prozent. In einer Studie hatte Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi geschrieben, dass vorerst keine "negativen Katalysatoren" zu erwarten seien. Das genügte laut Händlern, um die Aktie nach oben zu treiben, auch wenn der Analyst bei einem nach oben angepassten Kursziel letztlich nur die Einstufung "Market Perform" bestätigte.

Am Ölmarkt standen die Notierungen zeitweise unter Druck, machten im späteren Verlauf aber Boden gut. US-Leichtöl der Sorte WTI notierte zum Settlement unverändert bei 52,05 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent stieg um 0,1 Prozent auf 57,75 Dollar. Letztlich habe die Hoffnung überwogen, dass sich die Opec und Russland doch noch auf Förderkürzungen einigen würden, hieß es am Markt.

Der ICE-Dollarindex stieg um 0,4 Prozent. Der Euro fiel derweil unter die Marke von 1,08 Dollar und notierte im späten US-Handel knapp darunter. Besonders die deutschen Exporte bereiteten nach der Ausbreitung des Coronavirus in China Sorge. Die schwachen Konjunkturdaten aus der Eurozone verhießen nichts Gutes für die Gemeinschaftswährung, urteilten die ING-Analysten. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen stürzte in Deutschland sehr viel deutlicher ab als prognostiziert.

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Vermeintlich sichere Häfen wie Gold und US-Renten blieben mit der Virusepidemie in China gefragt. Dort stehen derzeit rund 150 Millionen Menschen unter Quarantäne und fallen als Konsumenten größtenteils aus. Viele Unternehmen und Behörden bleiben geschlossen. Der Goldpreis überwand im Verlauf erstmals seit 2013 die Marke von 1.600 Dollar und notierte zuletzt 1,3 Prozent höher bei 1.602 Dollar. Auch am US-Rentenmarkt zogen die Kurse an, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel im Gegenzug um 3 Basispunkte auf 1,56 Prozent.

Quelle: ntv.de, jki/DJ