Marktberichte

"Schreckgespenst" Sanders Biden-Sieg gibt New Yorker Börsen Auftrieb

Anleger reagieren mit Erleichterung auf den Sieg des ehemaligen Vizepräsidenten Biden bei den US-Vorwahlen. Von seinen moderaten Positionen haben sie weniger zu befürchten, als von der Agenda des linksgerichteten Kandidaten Sanders.

Was die US-Notenbank am Vortag nicht geschafft hat, gelingt am Mittwoch der US-Innenpolitik: Die Wall Street legt mit dem Sieg von Joe Biden beim "Super Tuesday" der Demokraten zu, nachdem eine überraschende Leitzinssenkung der Fed am Vortag den Absturz der US-Börsen sogar noch beschleunigt hatte. Eine Präsidentschaftskandidatur des linksgerichteten Bernie Sanders, das "Schreckgespenst" vieler Börsianer, wird durch das wichtige Zwischenergebnis der US-Vorwahlen unwahrscheinlicher. "Die höhere Wahrscheinlichkeit eines mehr der Mitte zuzuordnenden demokratischen Kandidaten hat etwas Entspannung geliefert", sagt Marktstratege Hugh Gimber von JP Morgan Asset Management.

Nasdaq 100
Nasdaq 100 7.588,37

Der Dow-Jones-Index gewinnt gegen Mittag US-Ostküstenzeit 2,3 Prozent auf 26.521 Punkte. Für den S&P-500 geht es um 2,1 Prozent nach oben und der Nasdaq-Composite steigt um 1,9 Prozent.

Auch die Volatilität, die am Vortag noch extrem gewesen war, schwächt sich deutlich ab - ein Zeichen sinkender Verunsicherung. Zwar offenbaren sich die negativen konjunkturellen Auswirkungen der Corona-Epidemie abermals an extrem schwachen Konjunkturdaten aus China einschließlich Hongkong, doch zeigen sich in den USA bislang kaum konjunkturelle Bremsspuren: Laut Arbeitsmarktdienstleister ADP haben die US-Unternehmen ihren Personalbestand im Februar stärker aufgestockt als erwartet. Und der ISM-Einkaufsmanagerindex des nicht-verarbeitenden Gewerbes liefert für Februar ebenfalls eine positive Überraschung. Lediglich der von IHS Markit für den Dienstleistungssektor ermittelte Einkaufsmanagerindex schwächte sich ab, blieb aber im erwarteten Rahmen.

Ölpreis dreht ins Minus

Die Ölpreise drehen ins Minus. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI verbilligt sich um 0,3 Prozent auf 47,05 Dollar. Für Nordseeöl der Sorte Brent geht es um 0,9 Prozent auf 51,37 Dollar nach unten.

Der Goldpreis kann die Vortagesgewinne behaupten, nachdem er den höchsten Tagesgewinn seit Juni 2019 verzeichnet hatte. Der Preis für die Feinunze zeigt sich 0,2 Prozent fester bei 1.644 Dollar.

Am Devisenmarkt erholt sich der US-Dollar etwas von der Vortagesschwäche im Zuge der Zinssenkung - der WSJ-Dollarindex steigt um 0,1 Prozent nach Vortagesabgaben von 0,4 Prozent. Der Euro gibt die Vortagesgewinne fast vollständig ab und notiert bei 1,1129 Dollar. Am Vortag war die Gemeinschaftswährung in Folge eines schwächeren Dollars nach der Zinssenkung der Fed bis auf 1,12 Dollar geklettert.

Hewlett Packard und Nordstrom mit deutlichen Verlusten

Unter den Einzelwerten bricht die Aktie von Hewlett Packard Enterprise um 7 Prozent ein. Der Technologiekonzern hat seine Prognose für den Cashflow im laufenden Jahr gesenkt. Das Unternehmen spricht zur Begründung von Ausfällen in der Lieferkette - wohl wegen des Coronavirus.

Hewlett Packard Enterprise
Hewlett Packard Enterprise 9,30

Die Auswirkungen des Coronavirus wird auch den Cashflow von General Electric im ersten Quartal um 300 bis 500 Millionen US-Dollar schmälern, wie der US-Großkonzern schätzt. An seiner Jahresprognose für die Kennziffer hält das Unternehmen aber fest. Die Aktie steigt um 0,1 Prozent.

Die Nordstrom-Aktie fällt um 4,6 Prozent, nachdem der Einzelhändler im vierten Quartal die Erwartungen auf breiter Front verfehlt hat. Zudem senkte das Unternehmen seinen Gewinnausblick, wobei darin drohende negative Folgen der Coronavirus-Epidemie noch nicht berücksichtigt sind.

Quelle: ntv.de, uzh/DJ