Marktberichte

"Wird nicht einfach für den Dax" Börsianer suchen den Hoffnungsschimmer

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Suche nach der Richtung: Wie reagieren die Märkte auf die mäßigen Nachrichten aus den USA?

(Foto: REUTERS)

Der Chaos-Brexit ist erstmal vom Tisch, aber Euphorie mag deshalb in der Finanzwelt nicht aufkommen. In der kommenden Woche dürften die Märkte vor allem von den Zahlen der US-Großbanken bewegt werden. Dabei erwarten die Anleger eher unangenehme Nachrichten.

Nach dem erneuten Brexit-Aufschub rückt in der Karwoche der Start der Bilanzsaison in den Fokus der Anleger. Sie erhoffen sich von dem Zahlenwerk der Unternehmen Hinweise darauf, ob es trotz Konjunkturflaute und Handelsstreit doch noch für Kursgewinne reichen könnte. "Es wird nicht einfach werden für den Dax", sagte Robert Greil, Chefstratege vom Bankhaus Merck Finck. "Wenn sich der Markt mindestens stabil hält, wäre das schon gut." In der abgelaufenen Woche hatte sich der Dax mit etwa 12.000 Punkten kaum bewegt.

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Dax 12.313,16

Entscheidend ist nach Einschätzung von Fachleuten die Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Zuletzt hatten den Commerzbank-Experten zufolge die Börsen davon profitiert, dass sich eine Einigung zwischen den beiden weltweit führenden Volkswirtschaften abzeichnet. US-Präsident Donald Trump stellte etwa eine Vereinbarung binnen vier Wochen in Aussicht. "Auf eine anhaltende Erleichterungsrallye setzen wir jedoch nicht, solange die Gefahr besteht, dass sich die US-Administration in ihrem Kampf um eine Neuordnung der Welt-Handelsbeziehungen dann auf Europa konzentriert", sagte Esther Reichelt, Expertin bei der Commerzbank.

Zumal die Konjunkturaussichten sich ohnehin zuletzt eingetrübt haben. So schraubten der Internationale Währungsfonds und die EZB-Beobachter ihre  Wachstumsprognosen nach unten, auch die Bundesregierung blickt pessimistischer auf die Konjunktur in diesem Jahr. Sie dürfte Regierungskreisen zufolge am Mittwoch ihre erst Anfang des Jahres fast halbierte Wachstumsprognose am Mittwoch auf 0,5 Prozent erneut kräftig senken.

"Nagelprobe für die Märkte"

Zuvor gibt am Dienstag der ZEW-Index Auskunft über die Investorenmeinung zur Konjunktur, am Donnerstag folgen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für April. Fachleute gehen davon aus, dass das Barometer für die Industrie auf 45 Punkte von 44,1 Zählern steigt - mit einem Wert von unter 50 Zählern dürfte es aber weiterhin rückläufige Geschäfte signalisieren.

Experte Michael Koehler von der LBBW verweist darauf, dass die Märkte seit Jahresanfang bei vielen der Themen bereits eine positive Entwicklung vorweggenommen hätten. "Das mag in Teilen durchaus berechtigt sein", sagte er. "Auch wir erwarten keinen konjunkturellen Absturz, sondern eher eine Stabilisierung der Frühindikatoren in den kommenden Monaten." Zudem stütze das weiterhin billige Notenbankgeld die Kurse. Kurzfristig seien die Märkte jedoch durchaus anfällig für eine Konsolidierung.

Mehr Impulse erhoffen sich die Anleger daher von den Geschäftszahlen in den USA. "Das wird die Nagelprobe für die Märkte", sagte Merck-Finck-Experte Greil: Erstmals seit vier Jahren rechneten Analysten weltweit im Schnitt wieder mit einem leichten Rückgang der Gewinne je Aktie im Vergleich zum Vorjahr. Am Montag legen die Großbanken Citigroup und Goldman Sachs ihre Ergebnisse vor, am Dienstag folgt die Bank of America. Den Auftakt hatte JPMorgan am Freitag gemacht und ein Rekordergebnis präsentiert.

Quelle: n-tv.de, Christina Amann, rts

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