Marktberichte

Minus an der Wall Street Brexit-Angst vermiest Dax den Wochenstart

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Keine Kauflaune will an der Frankfurter Börse aufkommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zum Wochenauftakt setzt der Dax seine Verlustreihe fort. Die Angst vor einem Brexit lastet auf dem deutschen Aktienmarkt. Anleger flüchten sich lieber in Rohstoffe und Anleihen. Auch zwei Notenbanktermine sorgen für Verunsicherung.

Tiefrot schlossen fast all Aktien im deutschen Leitindex am ersten Handelstag der Woche. Die Sorge vor einem Brexit ließ Anleger weiterhin nicht los, an der Frankfurter Börse büßte der Dax erneut deutlich ein und sackte rund 180 Punkte ab. Nach einem weiteren Rutsch zum Handelsende schloss der Dax mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 9657 Punkten, was gleichzeitig das Tagestief war. "Die Nervosität nimmt weiter zu", sagte ein Händler. Die Marktteilnehmer reduzierten wegen der knappen "Brexit"-Umfragen Positionen oder sicherten sie ab. Am 23. Juni stimmen die Briten über ein Verlassen oder ein Verbleib in der Europäischen Union.

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Es gab allerdings noch weitere Gründe, die momentan für eine erhöhte Vorsicht am Aktienmarkt sprechen. So stehen mit der Sitzung der US-Notenbank und der Bank of Japan weitere wichtige Termine im Wochenverlauf auf der Agenda. Zudem tendiert die chinesische Währung zum Start in die Woche leichter.

Das Geld floss in "sichere Häfen" wie Anleihen und Gold. Das Edelmetall stieg um weitere 0,6 Prozent auf 1281 Dollar je Feinunze. Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten mit 0,023 Prozent. In Japan war die Rendite der zehnjährigen Anleihen am Montag auf ein Rekord-Tief von minus 0,165 Prozent gefallen.

Als belastend für den Autosektor erwiesen sich Aussagen von BMW zum US-Markt. "Der US-Markt wird 2016 bestenfalls stagnieren", sagte Vertriebschef Ian Robertson der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche. Wahrscheinlich werde der Markt sogar etwas schrumpfen. BMW will nun die Lagerbestände auf dem US-Markt reduzieren. "Das gibt den Skeptikern Auftrieb, die den US-Automarkt als 'toppisch' betrachten", sagte ein Händler.

Bayer hat offenbar einen neuen Vorstoß zur Übernahme des Agrarchemiekonzerns Monsanto unternommen. Bayer habe in den jüngsten Tagen einen Brief an den US-Konzern geschickt und um weitere Informationen über die Geschäftsaktivitäten der US-Amerikaner gebeten, um erst im Anschluss möglicherweise das 62 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot zu erhöhen, berichten die Informanten. Monsanto wolle aber keinen Zugang zu seinen Büchern gewähren, bis Bayer nicht das Kaufangebot erhöht habe.

Frankfurt: Bayer sind einziger Gewinner im Dax

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Der Dax schloss am Ende mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 9657 Punkten. Für den MDax ging es sogar 1,9 Prozent nach unten auf 19.801 Zähler. Ebenfalls deutlich gab der TecDax nach, der ebenfalls 1,8 Prozent auf 1612 Punkte fiel. Einen Verlust von 1,7 Prozent erlitt auch der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 und sank auf 2862 Punkte.

Einziger Gewinner im Dax waren die Aktien von Bayer, die 0,1 Prozent zulegten. Im Handel wurde die Nachricht über den neuen Vorstoß zur Übernahme des Agrarchemiekonzerns Monsanto tendenziell positiv für die Bayer-Aktie gewertet. "Bayer hat trotzdem bisher nicht nachgelegt, und das dürfte am Markt gut ankommen", sagte ein Händler.

Den Autosektor erwischte es im Dax mit am deutlichsten: Volkswagen landeten mit einem Verlust von 2,9 Prozent weit hinten. BMW verloren 1,9 Prozent, Daimler 2,0 Prozent und Zulieferer Continental gaben 1,5 Prozent nach. Größter Verlierer im Dax waren jedoch die Aktien von Thyssenkrupp, die um 3,5 Prozent abgaben.

Mit der angekündigten Übernahme von Linkedin durch Microsoft schoss auch die Aktie von Xing nach oben. "Jetzt kommt Bewegung in den Markt", sagte ein Händler zur Begründung. Microsoft will für das berufliche Netzwerk Linkedin je Aktie 196 US-Dollar in bar zahlen. Dies entspricht einem Aufschlag von nahezu 50 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Gegenüber Linkedin sei der deutsche Wettbewerber Xing "preiswert" zu haben, so der Teilnehmer weiter. Xing habe im deutschsprachigen Raum rund 10 Millionen Mitglieder, 903.000 würden für ihre Mitgliedschaft zahlen. Die Xing-Aktie gewann 3,9 Prozent auf 173,25 Euro. In der Spitze markierte die Aktie bei 189,90 Euro sogar ein neues Jahreshoch.

Herber Einbruch bei Manz nach dem Wegfall eines Großauftrags: Die Papiere des Ex-TecDax-Konzerns rutschten anfangs um mehr als 24 Prozent ab, erholten sich im Laufe des Handels aber etwas, schlossen am Ende jedoch rund 19 Prozent im Minus. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, dass die bisherigen Ziele eines deutlichen Umsatzwachstums und eines zum Vorjahr deutlich besseren operativen Ergebnisses nicht erreicht werden könnten.

USA: Linkedin-Aktie schießen durch die Decke

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Auch die Wall Street ist mit Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Vor allem der Kurseinbruch von Microsoft nach der Ankündigung der Linkedin-Übernahme belastete die großen Indizes. Zudem hielten sich viele Investoren zwei Tage vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank zurück. Zwar wird keine Zinserhöhung erwartet, aber Anleger erhoffen sich Hinweise auf den anvisierten Zeitpunkt. Für Verunsicherung sorgte auch das näher rückende Referendum über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens. "Es herrscht Nervosität angesichts der Brexit-Abstimmung", sagte John Brady vom Handelshaus R.J. Brien & Associates.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank um 0,7 Prozent und schloss bei 17.732 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,8 Prozent auf 2079 Zähler nach. Der Nasdaq Composite verlor 0,9 Prozent auf 4848 Stellen.

Microsoft will das Online-Karrierenetzwerk Linkedin für 26,2 Milliarden Dollar oder 196 Dollar je Aktie übernehmen. Linkedin-Papiere zogen um 46,7 Prozent auf 192,24 Dollar an. Microsoft dagegen sackten auf bis auf 49,06 Dollar ab und lagen zu Handelsschluss mit 50,19 Dollar noch 2,5 Prozent im Minus.

Aktien des Waffen-Herstellers Smith & Wesson stiegen um 7,3 Prozent. Händler erklärten dies damit, dass nach dem Massaker in Florida mit 50 Toten die Debatte über eine Beschränkung von Waffen-Verkäufen an Fahrt gewinnen wird und sich viele Bürger deshalb zuvor verstärkt noch mit Pistolen und Gewehren eindecken dürften.

Unter Druck standen die Papiere von Banken. Sie würden von höheren Zinsen am meisten profitieren, doch rechnet die Mehrheit der Experten weder für Juni noch für Juli mit einer Zinsanhebung. Aktien der Bank of America verloren deshalb 1,6 Prozent, Citigroup gaben 1,6 Prozent nach.

Asien: Nikkei büßt kräftig ein

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Sorgen vor einem Brexit haben an den asiatischen Börsen zu Wochenbeginn auf die Stimmung gedrückt. Auch angesichts der anstehenden Sitzungen verschiedener Notenbanken hielten sich die Anleger zurück, sagten Händler. Der japanische Yen war als sicherer Hafen gefragt und legte gemessen an Dollar, Euro und Pfund zu.

In Tokio fiel der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 3,5 Prozent auf 16.019 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index sank ebenfalls um 3,5 Prozent und schloss bei 1284 Zählern. Auch an den übrigen Börsen in Fernost dominierten die negativen Vorzeichen: Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 1,8 Prozent.

"Das britische Referendum wird das Tempo am Markt vorgeben", sagte Analyst Soichiro Monji von Daiwa SB Investments. Auch wegen der am Mittwoch anstehenden Sitzung der US-Notenbank Fed werde der Markt Schwankungen ausgesetzt sein.

Rohstoffe: Ölpreise gehen runter

Mit den Ölpreisen ging es abwärts. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete zu US-Handelsschluss 50,04 US-Dollar. Das waren 1,0 Prozent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas WTI zur Lieferung im Juli fiel um 1,0 Prozent auf 48,58 Dollar.

Devisen: Euro steigt bis auf 1,13 Dollar

Der Euro konnte nach kräftigen Verlusten in der Vorwoche am späten Nachmittag wieder zulegen und überstieg kurzzeitig sogar die 1,13-Dollar-Marke. Am späten Abend wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1295 US-Dollar gehandelt und damit 0,4 Prozent höher als am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1268 (Freitag: 1,1304) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8875 (0,8846) Euro.

Das britische Pfund sackte im Lichte eines möglichen Brexit sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Der Euro dagegen konnte gegenüber der US-Währung auf 1,12 Dollar zulegen.

Der traditionell als Rückzugswährung dienende Schweizer Franken profitierte indes vom Risikofaktor Großbritannien: Mit 1,08 Franken kletterte die eidgenössische Währung gegenüber den Euro auf den höchsten Wert seit drei Monaten.

Quelle: n-tv.de, kst/ppo/dpa/DJ/rts

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