Marktberichte

Es könnte weiter abwärts gehen Coronavirus hält Börsen in seinem Bann

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Wie schlimm wird das Coronavirus die chinesische und damit auch die globale Wirtschaft treffen?

(Foto: imago images/UPI Photo)

Die Börsen spüren die Ausbreitung des Coronavirus deutlich. Dies dürfte auch die kommende Woche an den Märkten mitbestimmen. Erinnerungen an die Sars-Epidemie von 2003 kommen auf. Doch so recht vergleichbar ist die Situation heute damit nicht.

Das Coronavirus dürfte die Börsen auch in der kommenden Woche wieder fest im Griff haben. Die Lungenkrankheit breitet sich noch immer rasant aus. Wie sehr sich dies in der Realwirtschaft und somit in den Gewinnen der Unternehmen niederschlägt, ist auch für Experten nur schwer einzuschätzen. Aktien als vergleichsweise risikoreiches Investment tun sich in diesem Umfeld jedenfalls schwer.

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So sind Anleger denn auch zuletzt in Deckung gegangen: Der Dax rutschte am Freitag unter die Marke von 13.000 Punkten. Am Ende büßte das Börsenbarometer 1,33 Prozent auf 12.981,97 Punkte ein. Damit sackte er im Laufe der Woche um mehr als vier Prozent ab, es war die schwächste Börsenwoche seit August vergangenen Jahres. Für den Monat Januar steht für den Dax ein Minus von zwei Prozent zu Buche. Der MDax der mittelgroßen Titel gab am Freitag mit 0,72 Prozent auf 27.984,32 Zähler nicht ganz so stark nach.

Auch die US-Anleger ließen sich vom Coronavirus beeindrucken: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am späten Freitagabend in New York um 2,1 Prozent tiefer bei 28.256 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 sank um 1,7 Prozent auf 3225 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 1,6 Prozent auf 9150 Punkte.

Vergleich mit Sars hinkt

Bei vergleichbaren Epidemien in der Vergangenheit hätten sich die Börsen stets dann wieder erholt, wenn die Zahl der Ansteckungen und der Nachrichten darüber den Höhepunkt erreicht hätten, sagte Aktienstratege Mixo Das von der Investmentbank JPMorgan. Sollte das Virus weiter grassieren, dürften vor allem die Branchen darunter leiden, deren Geschäfte auf "sozialer Interaktion" basieren. Dazu zählten Fluggesellschaften, Reiseveranstalter, Hotelbetreiber und der Einzelhandel. Aber auch die deutsche Autobranche dürfte unter einer schwächeren Nachfrage auf dem wichtigen Absatzmarkt China leiden. In den vergangenen drei Wochen büßte der europäische Autosektor bereits mehr als zehn Prozent ein.

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In vielen Marktkommentaren finden sich Vergleiche mit der Sars-Epidemie im Jahr 2003. Diese könnten aber hinken, wie der Ökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank meint. Denn die Weltwirtschaft sei heute erheblich abhängiger von China als seinerzeit. Der Anteil der Volksrepublik an der globalen Wertschöpfung habe sich seit 2003 in etwa vervierfacht. "Die Stabilität der Finanzmärkte und der Konjunktur könnte in Gefahr geraten", warnte der Experte.

Interessant könnten in der neuen Woche chinesische Einkaufsmanagerindizes werden, die am Montag und Mittwoch veröffentlicht werden. Am Freitag hatten ähnliche Indizes trotz der Epidemie ein recht solides Bild abgegeben. Während die Stimmung in den staatlichen chinesischen Industriebetrieben im Januar immerhin auf der Wachstumsschwelle verblieb, überraschte der Indikator für den Dienstleistungssektor leicht positiv.

Anlagestratege Mark Dowding vom Anleiheinvestor Bluebay schätzt, dass die Schritte der chinesischen Regierung das Wachstum in diesem Jahr um ein bis zwei Prozentpunkte schmälern könnten. "Allerdings ist noch nicht klar, wie stark die chinesische Regierung mit Stimulus-Maßnahmen gegensteuern wird". Im produzierenden Gewerbe könnten Lieferketten unterbrochen werden. Leidtragende wären in diesem Fall vor allem Europa und die Schwellenländer. Allerdings könnten auch Europas Staaten fiskalpolitisch gegenzusteuern versuchen, vermutet Dowding.

Interessant wird auch sein, ob sich die Unternehmen bei Vorlage ihrer Quartalszahlen bereits zum Coronavirus äußern und möglicherweise die Erwartungen an den Märkten dämpfen. Apple-Chef Tim Cook hatte dies jüngst bereits getan, trotz Rekordumsatzes und -gewinns. Mit Siemens und Infineon stehen in der kommenden Woche zwei Dax-Schwergewichte auf der Agenda. Daneben lassen sich mit dem Industriekonzern ABB, Fiat Chrysler, Nokia und BP weitere europäische Standardtitel in die Bücher schauen.

Quelle: ntv.de, jog/dpa