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Wall Street mit dickem Plus Dax dreht nach starken US-Jobdaten auf

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Nach oben ging es mit dem Dax ausschließlich zum Wochenausklang.

(Foto: REUTERS)

Eine von deutlichen Verlusten geprägte Handelswoche beendet der Dax versöhnlich: Nach starken US-Jobdaten drehen vor allem die zyklischen Titel weiter auf: Banken, Autobauer und Stahlkonzerne. Am Ende schließt der Dax mehr als zwei Prozent fester.

Mit einem satten Plus verabschiedet sich der Dax ins Wochenende. Einen weiteren Schub in einem ohnehin schon starken Handelstag erhielt der deutsche Aktienmarkt am Nachmittag von einem überraschend positiv ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht. Der Dax stieg letztendlich um 2,2 Prozent, überwand wieder die Marke von 9600 Punkten und schloss bei 9630 Zählern. Verluste verzeichnete allerdings der Euro, der auf 1,1043 Dollar abrutschte.

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Dax 12.168,74

Die US-Arbeitsmarktdaten mit 287.000 neuen Stellen wurden als überraschend stark aufgenommen, schließlich lag der Schnitt der vergangenen drei Monate nur bei jeweils 147.000 Stellen. Selbst die optimistischsten Prognosen waren nur von maximal 190.000 ausgegangen. Die Flucht in sichere Häfen war damit zumindest bei Anleihen kurzfristig beendet: Der Bund-Futures fiel danach deutlich zurück auf 167,40 Prozent. Auch der Goldpreis geriet zwischenzeitlich unter Druck und fiel um 20 Dollar auf 1337 US-Dollar, erholte sich schließlich wieder auf 1353 US-Dollar.

Aber bereits vor den US-Jobdaten hatte sich der Dax deutlich verbessert gegenüber den Vortagen gezeigt. Vor allem eine kräftige Erholung der zuvor gebeutelten zyklischen Branchen zog die Märkte nach oben. Gesucht waren vor allem Bank-, Auto- und Stahlaktien.

Eine kräftige Erholungsrally zog sich quer durch alle zyklischen Sektoren in Europa. Selbst italienische Banken erholten sich von ihrem tagelangen Kurseinbruch aufgrund der Sorgen um ihre Kapitalstärke. Banca Monte dei Paschi di Siena ließ am Morgen wissen, man arbeite eng mit der EZB zusammen, um eine definitive Lösung ihrer faulen Problemkredite zu finden. Banco Popolare standen in Italien an der Spitze mit fast 18 Prozent Plus, Intesa Sanpaolo legen um 10 Prozent zu und Unicredit um fast 9 Prozent.

Eine gute Nachricht für den Automobilsektor kam aus China. Dort wurden im Juni laut China Passenger Car Association 1,7 Millionen Fahrzeuge gekauft - ein Plus von fast einem Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings waren im Vorjahr die Zulassungen im Juni wegen der auslaufenden Subventionen um 3,4 Prozent gesunken, das jüngste Plus profitiert damit von einer niedrigen Basis. Im Handel wurde die Nachricht dennoch positiv für den Sektor interpretiert.

Frankfurt: Banken- und Auto-Titel gefragt

Thyssenkrupp
Thyssenkrupp 12,80

Der Dax schloss am Ende 2,2 Prozent höher auf 9630 Zählern. Der MDax gewann 1,6 Prozent auf 19.721 Punkte und der TecDax kletterte um 1,8 Prozent auf 1610 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 2,1 Prozent nach oben auf 2840 Zähler.

Dax-Spitzenreiter waren am Ende die Aktien des Zyklikers Thyssenkrupp, die um 6,5 Prozent zulegten. Bankentitel gehörten ebenfalls zu den größten Gewinnern im Dax. Commerzbank stiegen um 5,8 Prozent, Deutsche Bank um 2,8 Prozent.

Stark zeigten sich auch die Autowerte: Volkswagen und BMW verbesserten sich um 3,9 bis 4,3 Prozent, Daimler legten 3,6 Prozent zu. Zulieferer Continental stieg um 3,2 Prozent.

Spitzenreiter im MDax waren Krones mit einem Aufschlag von 5,3 Prozent. Die DZ Bank hat ihre Empfehlung von "Hold" auf "Buy" hochgestuft. Im TecDax dominierten Freenet mit plus 4,0 Prozent.

USA: Jobdaten lassen Wall Street ergrünen

Dow Jones
Dow Jones 25.776,00

An der New Yorker Wall Street machen überraschend starke Daten vom US-Arbeitsmarkt die Börsianer wieder zuversichtlich und vertreiben die jüngsten Konjunktursorgen. Im Juni entstanden in den USA 287.000 neue Jobs, soviel wie seit acht Monaten nicht mehr. Ökonomen hatten nur mit 175.000 gerechnet. Der Arbeitsmarkt hatte zuvor zwei Monate geschwächelt, was Zweifel an den Perspektiven für die US-Konjunktur säte.

Nun sind die Händler an der Wall Street wieder optimistischer, erwarten wegen der Turbulenzen im Zuge des britischen Votums für einen EU-Austritt aber keine baldige Zinserhöhung in den USA. "Es zeigt sich, dass die US-Wirtschaft ziemlich robust in die Brexit-Abstimmung gegangen ist", sagte Brian Jacobson von der Großbank Wells Fargo. Es gebe Gründe zu glauben, dass die US-Notenbank Fed im Dezember die nächste Zinserhöhung anpeilen könne.

Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten legte um 1,4 Prozent zu und schloss bei 18.147 Punkten. Beim S&P 500 betrug das Plus 1,5 Prozent auf 2130 Zähler. Der Nasdaq Composite stieg um 1,6 Prozent auf 4957 Stellen.

An der Wall Street profitierten vor allem Banken vom guten Arbeitsmarktbericht der US-Regierung. So kletterten die Aktien von JP Morgan und Wells Fargo um 2,1 beziehungsweise 2,3 Prozent. Bank of America verteuerten sich um 1,2 Prozent.

Gefragt waren auch die Aktien von Waffen-Herstellern wie Smith & Wesson und Sturm Ruger. Sie stiegen um 2,9 beziehungsweise 4,7 Prozent. Mehrere Heckenschützen haben während einer Protestaktion gegen Polizeigewalt in Dallas fünf Beamte erschossen. Wegen der möglichen Verschärfung der Gesetze werden in den USA oft direkt nach Amokläufen und Schießereien besonders viele Waffen gekauft.

Asien: Nikkei verliert mehr als ein Prozent

Nikkei
Nikkei 21.283,37

Die Brexit-Verunsicherung hat die asiatischen Börsen erneut belastet. Zudem trieben die Anleger weiter die Sorgen um den italienischen Bankensektor um, der auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzt. Es gebe daher keinen Grund, sich vor den US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag aus der Deckung zu wagen, sagten Börsianer.

In Tokio schloss der Nikkei-Index 1,1 Prozent tiefer bei 15.106 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte rund zwei Prozent niedriger. Der Aktienmarkt in Shanghai gab 0,8 Prozent nach. Die südkoreanische Börse in Seoul verlor 0,6 Prozent.

Die Unsicherheit über die Folgen der britischen Entscheidung für einen EU-Austritt ließ auch viele Anleger den Yen als sicheren Hafen ansteuern. Er legte zum Dollar zu, was die japanischen Exportwerte belastete. So verloren die Papiere des Elektronikkonzerns Toshiba gut ein Prozent.

Zu den Gewinnern in Tokio zählten dagegen die Nintendo-Aktien, die neun Prozent zulegten. Anleger setzten große Hoffnungen auf ein neues Pokemon-Spiel für Smartphones und Tablets.

Devisen: US-Dollar gewinnt gegenüber allen Währungen

Kräftig nach oben ging es für den US-Dollar nach den starken Arbeitsmarktdaten für Juni. Vor allem gegenüber dem Yen legte die US-Devise kräftig zu und notiert nur noch knapp unter der Marke von 101 Yen. Noch vor den Daten lag sie nur bei 100,19 Yen. "Dollar-Yen ist das wichtigste Risikobarometer im Moment, alles was hier einen noch stärkeren Yen verhindert, ist positiv für die Aktienmärkte", sagte ein Händler.

Positiv sei die Dollar-Stärke auch für die britische Wirtschaft, da das Pfund weiterhin schwach bei 1,2952 Dollar notiert. Kurz vor Veröffentlichung notierte es noch bei knapp 1,30 Dollar.

Der Euro kostete nach zwischenzeitlich deutlichen Schwankungen zu US-Handelsschluss 1,1054 US-Dollar. Das war etwas weniger als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1070 (Donnerstag: 1,1080) Dollar fest.

Rohstoffe: Ölpreise steigen leicht

Die Ölpreise haben ihren Erholungsversuch am späten Nachmittag zunächst abgebrochen. Am späten Abend ging es aber wieder leicht bergauf. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete 46,64 US-Dollar. Das waren 24 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im August stieg um 10 Cent auf 45,24 Dollar.

Quelle: n-tv.de, kst/mli/DJ/dpa

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