Marktberichte

Jahresendrally der kleinen Schritte Dax erklimmt Jahreshoch, Dow kratzt an 20.000

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Der Anstieg fällt moderat aus, dennoch reicht es beim Dax für einen neuen Jahreshöchstwert.

(Foto: REUTERS)

An den Aktienmärkten ist der öffentliche Schock über den Anschlag in Berlin kaum spürbar: Der Dax zieht nah an die 11.500 Punkte heran, Jahreshoch. Der Dow versucht sich erneut an der 20.000er Marke, scheitert aber.

Ein leichter Zuwachs von nicht mal 50 Punkten reichte am zweiten Tag der Handelswoche für den Dax, um ein neues Jahreshoch zu markieren. Dieses steht nun bei 11.472 Zählern. Nach der zehnprozentigen Rally seit Anfang des Monats bewegt sich der Dax auf dem höchsten Niveau seit 16 Monaten. An der Wall Street war etwas mehr Dynamik im Spiel: Der Aufwärtstrend vom Wochenbeginn konnte fortgesetzt werden. Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent auf einem Rekordwert von 19.974 Punkten. Er verfehlte damit aber erneut die Marke von 20.000 Zählern - das Tageshoch markierte der Dow bei 19.988 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500  rückte 0,4 Prozent auf 2270 Stellen vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich ebenfalls 0,5 Prozent auf 5483 Punkte.

"Die Jahresendrally ist am Laufen", sagte ein Aktienhändler. Diese werde durch die Übernahme- und Fusions-Aktivitäten in den letzten Tagen des Jahres gestützt. "Ich gehe davon aus, dass wir gleich zu Beginn des neuen Jahres noch einige Deals sehen", ergänzte der Händler. Die Zinsen in Europa seien noch vergleichsweise niedrig und könnten im Verlauf des kommenden Jahres anziehen.

"Das Attentat in Berlin (...) sorgt einmal mehr für Entsetzen und ruft uns in Erinnerung, dass der Terror vielleicht nicht zum Alltag gehört, wohl aber eine tragische Regelmäßigkeit erhält", sagte Peter Meister von der BHF Bank zum Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt. Das Ausmaß und die Härte des Kampfes gegen den Terrorismus könnten zunehmen. Wie schon bei früheren Anschlägen, dürften die Finanzmärkte jedoch rasch zur "Tagesordnung" zurückkehren.

Der Euro hingegen fiel am Nachmittag mit 1,0352 Dollar auf den niedrigsten Stand seit 2003. Grund war der weiter zur Stärke neigende Dollar. Dazu kamen der für Unsicherheit sorgende Anschlag in Berlin und die im Vorfeld der Weihnachtsfeiertage gesunkenen Umsätze. "Die Anleger verkaufen den Euro sehr schnell bei leicht anziehenden Kursen", merkte Devisen-Stratege Niels Christensen von Nordea an.

Daneben standen die italienischen Banken einmal mehr im Fokus. Angesichts der Bankenkrise im Land will der neue Regierungschef Paolo Gentiloni vorsorglich ein Hilfspaket von 20 Milliarden Euro schnüren. "Das ist eine Vorsichtsmaßnahme", sagte Gentiloni laut AFP. Das Parlament muss über ein solches Hilfspaket abstimmen. Der italienische Bankensektor steigt um 1,6 Prozent.

Der Dax schloss am Ende mit einem kleinen Plus von 0,3 Prozent und stieg auf 11.465 Punkte. Der MDax legte ebenfalls 0,3 Prozent zu auf 21.954 Punkte. Einen Aufschlag von 0,2 Prozent verzeichnete der TecDax, der auf 1787 Zähler stieg. Nach oben ging es auch für den Euro-Stoxx-50, der um 0,7 Prozent auf 3280 Punkte zulegte.

Dax: Banken-Titel nach Verlusttag an der Spitze

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Verlierer vom Vortag: Bankaktien machten nach ihren kräftigen Verlusten vom Montag Boden gut, nachdem sich eine Stabilisierung des angeschlagenen Finanzsektors in Italien abzeichnete. Deutsche Bank und Commerzbank legten zwischen 3,3 und 2,3 Prozent zu.

Im Fokus stand die Vorzugsaktie von Volkswagen. Der Wolfsburger Autokonzern legte eine Sammelklage von Kunden in Kanada gegen Zahlung von bis zu 2,1 Milliarden kanadischen Dollar bei. Die Einigung betreffe landesweit 105.000 Fahrzeuge mit einem 2,0-Liter TDI-Motor, wie das Unternehmen mitteilte. Das Gericht muss der Einigung noch zustimmen. VW legten 1,9 Prozent zu.

Linde und Praxair hatten Einzelheiten zur geplanten Fusion bekannt gegeben. Ein Händler sprach von eher "ernüchternden Details". Vor allem das Umtauschverhältnis von 50 zu 50 spiegele nicht die Unternehmensgrößen und die abgedeckten Märkte wieder. Ein anderer Händler hielt das Verhältnis dagegen für fair, da die Marktkapitalisierung von Praxair mittlerweile über der von Linde liege. Die Aktie von Linde büßte 4,0 Prozent ein und landete am Dax-Ende, Praxair verloren 4,1 Prozent.

MDax und SDax: Rocket Internet im Fokus

Im MDax schlossen Südzucker am Ende nahezu unverändert. Die Tochter Cropenergies ist zuversichtlicher für ihr Geschäft und hob die Prognosen an. Cropenergies legten 8,3 Prozent zu.

Eine Hochstufung der Osram-Aktie durch UBS auf "Kaufen" von "Neutral" sorgte für ein Kursplus von 2,0 Prozent. Eine Anhebung des Votums auf "Kaufen" durch die Bank HSBC ließ Axel Springer um 1,6 Prozent steigen.

Positiv beurteilte ein Marktteilnehmer die Perspektiven von SDax-Mitglied Rocket Internet. "Der Kurs dürfte mit der Kapitalspritze für Hello Fresh steigen", sagte er. Hello Fresh erhält 85 Millionen Euro, einen Teil von einem neuen Investor und einen Teil von Baillie-Gifford. "Die Schotten gelten als extrem konservativ und bottom-up-orientiert", so der Marktteilnehmer. Das sollte die Stimmung stützen. Die Investoren bewerteten Hello Fresh vor der Kapitalspritze mit zwei Milliarden Euro. Der Anteil von Rocket Internet fällt nun auf 53 Prozent. Die Rocket-Aktie notierte am Ende 0,2 Prozent im Minus.

Asien: Nikkei legt zu

An den ostasiatischen Aktienmärkten sorgen ein positiver Ausblick von US-Notenbankchefin Janet Yellen und gute Konjunkturdaten aus Deutschland in Gestalt des Ifo-Index' für Auftrieb. Hinzu kommen gute Vorgaben von den US-Börsen. Lediglich in Shanghai und Hongkong geben die Kurse etwas nach. Der vermeintliche Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt sowie das Attentat auf den russischen Botschafter in der Türkei spielten für die Kursfindung kaum eine Rolle, heißt es.

Yellen hatte bei einem Auftritt gesagt, dass die jüngste Verbesserung der US-Wirtschaft einen der stärksten Arbeitsmärkte seit Jahren für Universitätsabsolventen hervorgebracht habe. "Sie rechnet wirklich damit, dass die US-Wirtschaft kräftig wächst", kommentiert Greg McKenna, Marktstratege bei AxiTrader die Yellen-Aussage. Das mache die Anleger wieder risikofreudiger und lasse sie über die Ereignisse in Berlin und Ankara hinwegsehen.

In Tokio steigt der Nikkei-Index um 0,5 Prozent und schließt bei 19.495 Punkten. Auftrieb erhält er auch vom wieder schwächeren Yen. Hilfreich ist zudem, dass von der Bank of Japan (BoJ) kein Störfeuer kommt. Sie hat zum Ende ihres Treffens erstmals seit Mai 2015 wieder eine etwas positivere Einschätzung der japanischen Wirtschaft getroffen und hält an ihrem geldpolitischen Kurs zunächst unverändert fest. Sämtliche Risiken für die Konjunkturentwicklung kämen aus dem Ausland, darunter vor allem die Entwicklung in den Schwellenländern, insbesondere China, heißt es. An ihrem gedämpften Inflationsausblick halten die Notenbanker fest.

Auch im australischen Sydney schließt der der Markt freundlich, es geht dort ebenfalls um 0,5 Prozent nach oben. In Seoul steigt der Kospi um 0,3 Prozent. Der Shanghai Composite geht mit einem Abschlag von 0,5 Prozent auf 3103 Zähler aus dem Handel. An den chinesischen Börsen wird die Stimmung etwas getrübt davon, dass die chinesische Zentralbank ab dem nächsten Quartal nicht in den Bilanzen ausgewiesene Investitionen von Finanzunternehmen in ihre Risikobeurteilung mit einfließen lassen will.

Rohstoffe: Ölpreise wieder im Aufwind

Die Ölpreise haben nach anfänglichen Verlusten wieder zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete am späten Nachmittag 55,77 US-Dollar. Das waren 85 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Februar stieg um 64 Cent auf 53,70 Dollar an.

Die Augen der Marktteilnehmer sind weiterhin auf die vom Ölkartell Opec und von anderen Förderstaaten beschlossenen Produktionskürzungen gerichtet. Mit Spannung wird erwartet, ob die Länder ihre für 2017 angekündigten Drosselungen tatsächlich umsetzen werden. Einzelne Länder haben ihren Kunden bereits geringere Liefermengen zu Beginn des kommenden Jahres avisiert.

Die Rohstoffpreise gaben sonst fast durchweg nach - belastet vom starken Dollar. Die Feinunze Gold verlor 1,0 Prozent auf 1127,31 Dollar und der Kupferpreis gab um 0,3 Prozent auf 2943 Dollar nach.

Quelle: n-tv.de, kst/wne/DJ/rts/dpa

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