Marktberichte

Wall Street schließt im Plus Dax macht eine schlechte Figur

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(Foto: imago/Strussfoto)

Es hätte so schön sein können, doch nach dem verpatzten Durchbruch am Vortag geht es für den Dax nach unten. Besonders belasten die katastrophalen Kurse von Eon und RWE. Die Wall Street kann trotz Aufwinds kaum Impulse liefern.

Für das gestrigen Scheitern beim versuchten Durchbruch musste der deutsche Leitindex Dax heute die Zeche zahlen. Ab Mittag ging es nach einem kurzen Ausflug in die Gewinnzone wieder nach unten. Danach schwankte der Index im sichten Verlustbereiche und folgte damit vor allem den Vorgaben von der Wall Street. Der Dax verzeichnet am Ende ein Minus von 0,9 Prozent. Belasten wirkten zudem die starken Verluste bei den Aktien der beiden Energiekonzernen Eon und RWE.

Dax
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In den kommenden Tagen dürfte sich mit Blick auf die Fed-Sitzung in der nächsten Woche der Fokus der Anleger auf die USA noch verstärken. Die Meinungen gehen auseinander, ob die Fed die Leitzinsen erhöhen wird oder nicht. An den Märkten ist eine Zinserhöhung jedenfalls nicht vollständig eingepreist. Die Unsicherheiten dürften die Volatilität hoch halten.

Geprägt war die Stimmung am deutschen Aktienmarkt zudem von den Vorlagen - doch dieses Mal mit negativen Vorzeichen. Der Nikkei litt unter sehr schwachen Maschinenbauaufträgen und die Abstufung Brasiliens auf "Ramsch-Niveau" durch die Rating-Agentur S&P gilt als Hinweis auf die wacklige Situation der Schwellenländer.

Die im Tagesverlauf veröffentlichten Konjunkturdaten gaben keine klare Richtung vor. In der Eurozone fielen sie uneinheitlich aus. In den USA signalisierten die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe einen anhaltend robusten Arbeitsmarkt. Die Zinserhöhungserwartungen in den USA blieben aber angesichts der niedrigen Teuerungsrate gedämpft, kommentierte Ökonom Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die Daten. Die US-Notenbank wird am kommenden Donnerstag darüber entscheiden, ob sie erstmals seit der Finanzkrise wieder ihre Zinsen anhebt.

Deutschland: Lanxess nach Gerüchten Dax-Spitzenreiter

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Der Dax schloss am Ende 0,9 Prozent niedriger und sank auf 10.210 Punkte, sein Tagestief hatte er zuvor bei 10.157 Punkten markiert. Für den MDax ging es 0,3 Prozent nach unten auf 19.759 Punkte. Mit einem leichten Minus von 0,3 Prozent notierte der TecDax auf 1730 Punkten, für den Euro-Stoxx-50 ging es 1,4 Prozent nach unten.

Nach einem positiven Analystenkommentar konnten Lufthansa zulegen. Die Aktien der Fluggesellschaft stiegen um 0,6 Prozent. Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher wertete es als positiv für die Fluggesellschaft, dass das hessische Landesarbeitsgericht am Mittwoch den jüngsten Ausstand der Piloten mit sofortiger Wirkung verboten hatte. Das Urteil könnte die Position der Lufthansa in dem Tarifstreit stärken und das Streikpotenzial der Piloten reduzieren, schrieb der Experte in einem Kommentar.

An der Spitze standen hingegen Lanxess, die sich um 3,1 Prozent verbessern. Der Chemiekonzern verhandelt Insidern zufolge mit der britischen Ineos über ein Gemeinschaftsunternehmen für sein Kautschukgeschäft. Das Kölner Unternehmen ist im Geschäft mit synthetischem Kautschuk Weltmarktführer, bekommt aber den Wettbewerbsdruck zu spüren und sucht deshalb schon seit einiger Zeit nach einem Partner für das Geschäft.

BMW schlossen 0,6 Prozent im Plus. Die Marke BMW legte beim Absatz im August um 7,6 Prozent zum Vorjahr zu. Der Absatz habe ein solides Wachstum aufgewiesen, vor allem sei die Performance in China besser als befürchtet gewesen, sagte Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. Der Markt scheine eingepreist zu haben, dass sich der Absatz in diesem Jahr halbieren könnte: "Wir glauben, das ist zu aggressiv", so der Analyst.

 

Eon
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Heftig erwischte es hingegen den Energieversorger Eon, der ans Dax-Ende fiel und gleichzeitig auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Auch Mitbewerber RWE wurde mit hinuntergezogen. Die angekündigte Mega-Abschreibung sowie der in Aussicht gestellte Milliarden-Verlust ließen die Eon-Titel um 7,6 Prozent einbrechen. RWE verloren 4,3 Prozent.

Die Aktien des Software-Konzerns SAP litten darunter, dass die Analysten der Société  Generale die Aktien laut Händlern auf "Hold" zurückgestuft haben. Dagegen habe Exane BNP die Aktien von Metro auf "Outperform" hochgenommen. SAP verloren 1,1 Prozent.

An die MDax-Spitze setzten sich nach monatlichen Verkehrszahlen die Aktien von Fraport. Der Frankfurter Flughafen hat seinen Passagierrekord vom Juli im Ferienmonat August noch übertroffen. Der Flughafenbetreiber Fraport zählte im abgelaufenen Monat gut 6,3 Millionen Fluggäste und damit 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie er mitteilte. Die Titel legten 2,9 Prozent zu.

In der dritten Reihe des deutschen Markts - dem SDax - bewerteten Händler den Zukauf des Digitalvermarkters OMS positiv für Ströer. "Ströer untermauert das hohe Wachstumsmomentum", sagte ein Händler. Ströer verstärke damit die Vermarktungskapazitäten des von der Deutschen Telekom zugekauften Internetportals T-Online. Die Aktie verlor jedoch 0,8 Prozent.

USA: Wall Street mit Gewinnen

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Die Wall Street kann nach nervösem Beginn zuzulegen. Der Dow-Jones-Index verbessert sich um 0,5 Prozent und schließt bei 16.330 Punkten. Der S&P-500 steigt ebenfalls um 0,5 Prozent auf 1952 Zähler und der Nasdaq-Composite um 0,8 Prozent auf 4796 Punkte.

Da der Termin der Zinsentscheidung am kommenden Donnerstag immer näher rückt, werden alle Konjunkturdaten mit Argusaugen verfolgt. Die Experten sind geteilter Meinung, ob bereits im September eine Zinsanhebung ansteht. Goldman Sachs hat nochmals wiederholt, dass sie erst im Dezember damit rechnet, die Deutsche Bank favorisiert einen Oktober-Termin.

Apple
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Die Apple-Aktie steht nach der Präsentation am Vortag nun erneut im Blick. Apple will künftig iPhones auch ohne Vertragsbindung an ein Telekomunternehmen verkaufen. Überdies zapft der Technologiekonzern ein weiteres Mal den europäischen Anleihemarkt an und begibt zwei Bonds im Volumen von insgesamt 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Für Apple geht es 1,1 Prozent nach oben.

Die Aktionäre von Envivio haben in Ericsson einen Weißen Ritter gefunden, der zugestimmt hat, mehr als das Doppelte des Börsenkurses des Software-Anbieters zu bezahlen. Der Aktienkurs ist im vergangenen Jahr um etwa 60 Prozent gefallen und konnte diese Entwicklung in diesem Jahr bereits teilweise umkehren. Die Envivio-Aktie haussiert um 114 Prozent.

Palo Alto Networks gewinnen 1,9 Prozent, nachdem das auf Netzwerk-Sicherheit spezialisierte Unternehmen einen kräftigen Umsatzanstieg im vierten Geschäftsquartal berichtet hat. Krispy Kreme Doughnuts brechen dagegen mit einer gesenkten Jahresprognose um 12,3 Prozent ein.

Asien: Schwache Daten beenden Kursspektakel

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Der kräftige Kursanstieg an den asiatischen Börsen am Vortag hat sich als Strohfeuer erwiesen. Schwache Konjunkturdaten aus Japan und China sowie Sorgen um die globale Konjunktur dämpften die Risikobereitschaft der Anleger wieder und schickten die Kurse in der gesamten Region auf Talfahrt.

Japan meldete einen überraschenden Rückgang beim Auftragseingang für Maschinen im Juli. Während Volkswirte mit einem Plus von 3,7 Prozent gerechnet hatten, gab es tatsächlich ein Minus von 3,6 Prozent. In China sank der Index der Erzeugerpreise (PPI) im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,9 Prozent. Das war der 42. Rückgang in Folge und zugleich der stärkste Einbruch seit 2009.

Als weiteres Zeichen für den Krisenmodus in der Region senkte Neuseelands Zentralbank den Leitzins zum dritten Mal in Folge und zwar um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent. Zugleich stellte sie weitere Senkungen in Aussicht, falls sich die chinesische Konjunktur noch mehr abkühlen sollte. "Ich glaube, die Sorgen über China stehen nach wie vor im Mittelpunkt", sagte Damien Boey, Aktienexperte bei der Credit Suisse in Sydney.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 2,5 Prozent tiefer bei 18.299 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab 1,85 Prozent nach auf 1479 Zähler.

Noch einigermaßen stabil hielt sich in diesem Umfeld der Shanghai-Composite mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 3196 Punkte. An den drei Tagen zuvor war der Index deutlich gestiegen. In Hongkong folgte dem vierprozentigen Kurssprung ein Rücksetzer um 2,3 Prozent und in Sydney ging es um 2,4 Prozent bergab.

Devisen: Euro regungslos, britisches Pfund stärker

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,08

Der Kurs des Euro hat sich zum Dollar kaum bewegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,1205 US-Dollar gehandelt. Den ganzen Tag über pendelte der Euro um die Marke von 1,12 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1185 (Mittwoch: 1,1139) Dollar festgesetzt.

Kursgewinne verbuchte jedoch das britische Pfund. Die britische Notenbank hat sich von den jüngsten Turbulenzen in den Schwellenländern wenig beeindruckt gezeigt und an ihrem bisherigen Ausblick festgehalten. Das Pfund legte daraufhin zum Euro und anderen wichtigen Währungen zu. Offenbar hatten einige Marktteilnehmer mit einer pessimistischeren Haltung der Bank of England gerechnet. An den Märkten wird im kommenden Jahr mit einer Zinserhöhung in Großbritannien gerechnet.

Unter deutlichem Druck stand der neuseeländische Dollar. Die Notenbank hatte in der Nacht auf Donnerstag ihren Leitzins weiter gesenkt und zusätzliche Lockerungen in Aussicht gestellt. Neuseelands rohstoffreiche Wirtschaft leidet derzeit unter der Wachstumsschwäche seines größten Handelspartners China.

Rohstoffe: Opec rechnet nicht mehr mit steigendem Ölpreis

Die Ölpreise schwankten weiter hin und her, am Nachmittag ging es wieder nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete 48,37 US-Dollar. Das waren 79 Cent mehr als am, Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,24 Dollar auf 45,30 Dollar.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) rechnet im laufenden Jahr nicht mehr mit steigenden Ölpreisen. Das üppige Angebot und die fallende Nachfrage in China ließen die Organisation pessimistischer werden, hieß es von Opec-Mitgliedsländern. Eins der Länder vom Persischen Golf teilte dem Wall Street Journal mit, dass die Ölsorte Brent im restlichen Jahresverlauf wohl zwischen 40 und 50 Dollar schwanken werde.

Ursprünglich hatten die Opec-Mitgliedsländer vom Golf damit gerechnet, dass sich der Ölpreis bis zum Jahresende wieder auf 70 bis 80 Dollar erholt. Im August war Brent aber bis auf 42 Dollar gefallen - den tiefsten Stand seit der Finanzkrise. Die Korrektur werde noch Zeit benötigen, hieß es nun von einem Opec-Mitglied am Persischen Golf. Ein Vertreter aus Iran sagte, die Preise würden noch sechs Monate niedrig bleiben. Ein Mitglied aus einem anderen Golf-Land sprach von 60 Dollar im ersten Quartal 2016.

Quelle: ntv.de, kst/jwu/DJ/rts/dpa