Marktberichte

Wall Street schießt nach oben Dax schafft nach Job-Schock noch die Wende

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(Foto: imago/Westend61)

Das Ruder rumreißen kann der deutsche Aktienmarkt kurz vor Handelsschluss. Der Dax verabschiedet sich so mit einem Plus ins Wochenende. Dabei sorgen überraschend schwache Daten zum US-Arbeitsmarkt für einen Kurssturz am Nachmittag.

Versöhnlich kann sich der Dax nach einem turbulenten Tag ins Wochenende verabschieden: Zwar kosteten ihn überraschend schlechten Jobdaten aus den USA am Nachmittag einen Teil seiner zunächst guten Gewinne von bis zu 1,5 Prozent. Dennoch stand der deutsche Aktienmarkt auf Erholung - auch aufgrund einer tendenziellen Unterbewertung, wie Daniel Saurenz von Feingold Research meint: "Das Potenzial für eine Jahresendrally beträgt ausgehend von 9500 Zählern zum Oktoberstart zehn bis 15 Prozent und dieses Potenzial gilt es jetzt zu heben." Am Ende schloss der Dax mit einem leichten Plus von 0,5 Prozent auf 9553 Punkten.

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Um 14.30 Uhr zeigte sich ein Knick im Chart des deutschen Leitindex. Auslöser war der enttäuschende Arbeitsmarktbericht aus den USA. Dort hat sich der Stellenaufbau im September überraschend abgeschwächt. Und auch in den beiden Vormonaten haben die US-Firmen nicht so viele Stellen geschaffen wie zunächst berichtet. Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne sanken zudem um 0,01 Dollar auf 25,09 Dollar. Die von der Federal Reserve eigentlich angesteuerte Zinserhöhung bis Jahresende wird damit zusehends weniger wahrscheinlich.

"Die Reaktion der Börsen zeigt, dass das Wort Zinserhöhungsangst gestrichen ist. Es darf ersetzt werden durch Wachstumssorgen", kommentierte Saurenz. "Ein Knick beim Dax auf schwächere Arbeitsmarktdaten aus den USA - das gab es lange nicht und zeigt die neue Nervosität. Die Zinserhöhung könnte damit einmal mehr Phantasie bleiben."

Unter einer späteren Zinsanhebung litt der Dollar, der Euro stieg im Gegenzug auf 1,13 Dollar. Zu den Gewinnern gehörten auch die Staatsanleihen sowie das Gold, das um mehr als 20 Dollar auf 1138 je Feinunze anzog.

Nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen auch die Auftragseingänge aus den USA für den Monat August. Zudem wurde der Vormonat nach unten revidiert. Keinen Einfluss auf den Markt haben die Produzentenpreise in der Eurozone. Diese sanken im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat berichtete. Das war der höchste Rückgang seit Januar.

Frankfurt: Versorger sind die größten Gewinner des Tages

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Der Dax schloss am Ende um 0,5 Prozent verbessert auf 9553 Punkten, der Nebenwerte-Index MDax notierte 0,7 Prozent leichter auf 19.323 Zählern. Um 0,6 Prozent verbesserte sich der TecDax auf 1738 Punkte, der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 stieg um 0,6 Prozent.

Bei den Einzelaktien ragten Lufthansa und die Versorger hervor. Lufthansa legten 4,1 Prozent zu, nachdem sie von der Citigroup zum Kauf empfohlen worden sind. Auch das Kursziel wurde erhöht und liegt mit 16,20 Euro weit über dem aktuellen Kurs von 12,83 Euro.

Die Versorgertitel profitierten von Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Er hatte sich dafür ausgesprochen, die angeschlagenen Versorger zu unterstützen. Eon stiegen um 6,3 Prozent und RWE um 6,8 Prozent. Im Handel mutmaßte man, es gehe um die Sicherstellung ausreichender Rückstellungen für den Atomausstieg angesichts des schwierigen Marktumfeldes.

VW verloren erneut 4,3 Prozent, aber auch der Autobauer BMW büßte 0,2 Prozent ein. Daimler hingegen konnten 0,2 Prozent zulegen. Deutsche Telekom zeigten sich zunächst zwar unberührt von einem Datendiebstahl durch Hacker bei einem Dienstleister ihrer US-Tochter T-Mobile US. Die Aktien verloren am Ende aber 0,4 Prozent.

Im TecDax stiegen Carl Zeiss Meditec nach Geschäftsausweis um 5,2 Prozent. Mit gut einer Milliarde Euro hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2014/15 das obere Ende der prognostizierten Umsatzspanne von 960 Millionen bis einer Milliarde Euro erreicht. Auch die Gewinnmarge kommt gut an.

Für Drillisch ging es um 2,8 Prozent nach oben, hier trieben Spekulationen über eine Übernahme durch United Internet. Nach einem Bericht im "Platow Brief" arbeitet UI bereits an einem Angebot. Die Aktien von United Internet legten um 0,5 Prozent zu.

Die Aktien der Bayer-Kunststofftochter Covestro werden Insidern zufolge voraussichtlich zu 23 bis 24 Euro platziert. "Die Nachfrage nach den Aktien ist sehr hoch und deshalb wurde die Preisspanne am oberen Ende eingeengt", sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Covestro hatte am Donnerstag die Preisspanne für seinen Börsengang auf 21,50 bis 24,50 Euro gesenkt von bislang 26,50 bis 35,50 Euro. Die Erstnotiz wurde von Freitag auf den 6. Oktober verschoben.

Wall Street: Auf und Ab mit Happy End

Die US-Arbeitsmarktdaten schickten die US-Börsen auf eine kräftige Berg- und Talfahrt. Schließlich beendeten die wichtigsten Indizes den Tag mit deutlichen Gewinnen und konnten dadurch sogar ein Plus auf Wochensicht erzielen. Der Arbeitsmarktbericht für September enttäuschte zwar teils deutlich, doch damit setzte sich mehr und mehr die Ansicht durch, dass die Leitzinswende wohl erst im neuen Jahr kommen wird. Zudem schwächte sich der US-Dollar ab, während der Euro zulegte.

Der Dow Jones Industrial ging mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent bei 16 472 Punkten knapp unter seinem Tageshoch aus dem Handel. Im Wochenverlauf gelang es dem US-Leitindex dadurch, ein Plus von knapp einem Prozent zu erzielen. Im vergangenen Quartal allerdings hatte er mit einem Verlust von siebeneinhalb Prozent die steilste Talfahrt seit vier Jahren hinter sich gebracht. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 1,4 Prozent auf 1951 Punkte. Der technologielastige Index Nasdaq 100 rückte um 1,8 Prozent auf 4267 Punkte vor.

Asien: Japans Investoren halten sich zurück

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An den Aktienmärkten in Fernost sind die Kurse zum Wochenschluss gestiegen. In Hongkong legte das zentrale Börsenbarometer am Freitag 2,7 Prozent zu, weil die jüngsten Maßnahmen der Pekinger Regierung zur Stützung der Konjunktur die Aktien chinesischer Unternehmen in die Höhe trieben. Die Märkte in China blieben wegen feiertagsbedingt geschlossen.

Der japanische Leitindex Nikkei mit seinen 225 führenden Werten schloss praktisch unverändert auf 17.725 Punkten. Gewinnmitnahmen vor Veröffentlichung des monatlichen US-Arbeitsmarktberichts belasteten den Handel.

Gefragt waren die Anteilsscheine von Auto- und Reifenherstellern. Toyota und Nissan legten je rund eineinhalb Prozent zu, Bridgestone wurden mehr als drei Prozent teurer gehandelt. Die Branche profitierte von deutlich gestiegenen US-Absatzzahlen im September.

Der besonders breit angelegte MSCI-Index für Papiere im asiatisch-pazifischen Raum mit Ausnahme Japans legte 0,3 Prozent zu. Im abgelaufenen Quartal hatte er wegen Sorgen um die Weltwirtschaft noch 17 Prozent eingebüßt - so viel wie seit vier Jahren nicht.

Devisen: US-Daten beflügeln Euro

Der Kurs des Euro hat am Freitag nach schwachen Arbeitsmarktdaten aus den USA deutlich an Wert gewonnen. In der Spitze kostete die Gemeinschaftswährung 1,1319 US-Dollar und damit eineinhalb Cent mehr als am Morgen. Am späten Nachmittag lag der Euro nur leicht tiefer bei 1,1290 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,1160 (Donnerstag: 1,1153) Dollar festgelegt.

Nach einem überwiegend ruhigen Handel geriet der Dollar am Nachmittag nicht nur zum Euro unter erheblichen Druck. Auslöser war der monatliche Arbeitsmarktbericht der US-Regierung. Für die langerwartete Zinswende der US-Notenbank Fed waren sie ein schwerer Schlag.

Rohstoffe: Ölpreise sinken wieder

Am Ölmarkt fielen die Preise nach einer zwischenzeitlichen Erholung zurück. Der Arbeitsmarktbericht hat Befürchtungen geweckt, dass die Nachfrage nach Öl konjunkturbedingt zurückgehen könnte. Zuvor hatte das Öl von den russischen Militärschlägen in Syrien profitiert. Die Gefahr für die Ölförderanlagen im Golf von Mexiko durch Hurrikan Joaquin scheint unterdessen nachgelassen zu haben. Das National Hurricane Center der USA rechnet damit, dass sich der Hurrikan, der aktuell über den Bahamas tobt, in den kommenden zwölf bis 24 Stunden abschwächt.

Im späteren Tagesverlauf wird Ölfeldausrüster Baker Hughes Daten zu den in Betrieb befindlichen Bohrlöchern in den USA veröffentlichen. Sie gelten als wichtiger Indikator dafür, ob die Überversorgung zumindest mit heimischen Öl allmählich geringer wird. Der Preis für das Barrel der US-Sorte WTI sinkt um 58 Cent auf 44,16 Dollar. Für die Nordsee-Sorte Brent geht es um 56 Cent nach unten auf 47,13 Dollar.

Der Goldpreis klettert auf 1138 Dollar je Feinunze von gut 1113 am Donnerstagabend. Höhere Zinsen hätten das Edelmetall, das selbst keine Zinsen abwirft, für Anleger unattraktiv werden lassen, wenn anderswo höhere Renditen zu erwarten gewesen wären.

Quelle: ntv.de, kst/mbo/rts/DJ