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Walmart-Aktie auf Talfahrt Dow reißt 25.000er Marke

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(Foto: AP)

Der Start in die neue Handelswoche geht an den US-Börsen nach hinten los. Der weltgrößte Einzelhändler ist daran nicht ganz unschuldig. Die Anleger weinen einer psychologisch wichtigen Dow-Marke hinterher.

Nach sechs Handelstagen mit Gewinnen hat der Dow Jones den Dienstag klar im Minus beendet. Zunächst lastete vor allem der Absturz der Walmart-Aktie auf dem Index. Nach enttäuschenden Quartalszahlen des Einzelhändlers stürzte sie regelrecht ab und erlitt den größten Tagesverlust ihrer Geschichte. Etwas besser schnitt der S&P-500 ab. Der Nasdaq-Composite tendierte, gestützt von den starken Halbleiterwerten, über die längste Zeit sogar im Plus, drehte dann aber mit der Ausweitung der Verluste im späten Geschäft leicht ins Minus ab.

Dow Jones
Dow Jones 25.918,00

Beobachter verwiesen zum einen auf den stärkeren Dollar und die abermals gestiegenen US-Anleiherenditen. Zudem rechnen viele Volkswirte inzwischen mit vier statt drei Zinserhöhungen der US-Notenbank im laufenden Jahr, vor allem wegen der steigenden US-Staatsausgaben. Außerdem holte die Wall Street nach dem langen Wochenende - am Montag wurde "Washingtons Geburtstag" gefeiert - noch den schwachen Vortag an den europäischen Börsen nach. Dass es am Dienstag zu einer Erholung an den meisten europäischen Handelsplätzen kam, half lediglich vorübergehend.

Weitere Entwicklungen des Tages finden Sie im Börsen-Tag.

Der Dow-Jones-Index verlor 1 Prozent auf 24.965 Punkte. Mit dem Fall unter 25.000 Stellen beschleunigte sich der Abverkauf nochmals. Der S&P-500 fiel um 0,6 Prozent auf 2.716 Punkte. Der Nasdaq-Composite gab 0,1 Prozent ab auf 7.234 Punkte. Umgesetzt wurden 851 (Freitag: 944) Millionen Aktien. Dabei standen den 990 (1.745) Kursgewinnern an der Nyse 1.979 (1.224) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 112 (113) Titel.

Die in den vergangenen Wochen zu beobachtende Volatilität an den Aktienmärkten setze sich fort, beschrieben Beobachter das Geschehen. Ursächlich dafür sei die Normalisierung der Geldpolitik großer Notenbanken. Anleger seien mit einer neuen Situation konfrontiert, sagte Christian Keller von Barclays. Einige Zentralbanken, darunter vor allem die Federal Reserve, zögen die geldpolitischen Zügel entschlossener an, andere, wie die Europäische Zentralbank, bereiteten sich darauf vor. Die Situation sei also eine andere als in den zurückliegenden Jahren.

Eine Studie des Vermögensverwalters Blackrock, in der dieser zum Kauf von US-Aktien rät, schien bei den Anlegern Beachtung zu finden. Blackrock hat US-Aktien auf "Overweight" von "Neutral" hochgestuft, weil der positive Einfluss der Steuersenkungen und des geplanten Infrastrukturprogramms in den Kursen noch bei weitem nicht eingepreist sei.

Steigende US-Anleiherenditen stützen Dollar

Am US-Anleihemarkt legten die Renditen zu. Beobachter sahen einen Zusammenhang mit den anstehenden Auktionen neuer Notes des US-Finanzministeriums in dieser Woche. Wenn neue Staatsanleihen mit möglicherweise höheren Kupons angeboten werden, trennen sich Anleger häufig von älteren Papieren. In der Folge sanken die Notierungen, während im Gegenzug die Renditen steigen. Im späten Geschäft erholten sich die Notierungen etwas, weil die Anleger auf Nummer sicher gehen wollten. Die Zehnjahresrendite legte schließlich noch um 1 Basispunkt auf 2,88 Prozent zu.

Die höheren Anleihezinsen gaben dem Dollar Auftrieb. Für einen Euro wurden nur noch rund 1,2336 Dollar gezahlt, am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung noch oberhalb von 1,24 Dollar. Auch zu anderen Währungen wie dem Yen oder dem britischen Pfund machte der Greenback Boden gut.

Der stärkere Dollar wiederum drückte massiv auf den Goldpreis, der um 1 Prozent auf 1.331 Dollar je Feinunze sank. Das Edelmetall wird in Dollar bezahlt und verteuert sich für Käufer aus anderen Währungsräumen, wenn der Dollar aufwertet. Das Tagesminus beim April-Future war mit 1,9 Prozent das größte seit über einem Jahr.

In unterschiedliche Richtungen liefen unterdessen die Ölpreise. Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte WTI stieg um 0,4 Prozent auf 61,90 Dollar, die europäische Referenzsorte Brent verbilligte sich hingegen um 0,7 Prozent auf 65,22 Dollar. Aus dem Handel hieß es dazu, dass die Nachfrage der Raffinerien in Europa bedingt durch Wartungsarbeiten derzeit geringer sei. US-Öl profitiere hingegen noch immer von Daten aus der Vorwoche, die einen unerwartet deutlichen Abbau der US-Ölvorräte gezeigt hatten. Zudem stützten Kapazitätsbegrenzungen bei der Keystone-Pipeline den US-Ölpreis.

Walmart werden nach enttäuschenden Zahlen abgestraft

Unter den Einzelwerten galt das Interesse Walmart und Home Depot nach der Vorlage von Quartalszahlen. Walmart fielen um 10,2 Prozent. Der Einzelhandelskonzern hatte im vierten Quartal die Erwartungen verfehlt, unter anderem weil der Umsatz im Online-Geschäft langsamer stieg. Die Aktie der Baumarktkette Home Depot zeigte mit minus 0,1 Prozent relative Stärke.

Qualcomm verbilligten sich um 1,3 Prozent. Der Chiphersteller hat sein Gebot für die niederländische NXP erhöht und bietet nun 127,50 Dollar je Aktie. Damit sichert sich der US-Konzern die Zustimmung einiger Hedgefonds. So hat Elliot Management bereits zugesichert, zu dem erhöhten Gebot die von ihm gehaltenen Aktien anzudienen. Insgesamt sollen Aktionäre mit Beteiligungen von zusammen 28 Prozent zugestimmt haben. Für die Übernahme dürfte Qualquomm seine außerhalb der USA gehaltene Liquidität einsetzen. Die Option, dass Qualcomm von Broadcom übernommen wird, ist nun als weniger wahrscheinlich einzustufen.

Die Aktien von Merck & Co. fielen um 2,3 Prozent, nachdem der Pharmahersteller einen Patentstreit mit Gilead Sciences verloren hat. Gilead legten um 0,3 Prozent zu. Die Mosaic-Aktie rückte kräftig vor, nachdem der Düngemittelhersteller unerwartet starke Ergebniszahlen ausgewiesen hat und zudem mitteilte, dass die Pottasche- und Phosphat-Märkte nach einer jahrelangen Schwächephase anzögen. Die Mosaic-Aktie gewann 5,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de, ghö/DJ

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