Wirtschaft
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Montag, 25. Juni 2018

Börsen weltweit unter Druck: Handelskrieg-Angst drückt Dow tief ins Rote

Die Unnachgiebigkeit von US-Präsident Trump im Handelsstreit sorgt für Verunsicherung an den Aktienmärkten. Der Dax rutscht um 2,5 Prozent ab. Auch an der Wall Street geben die Kurse deutlich nach. Besonders erwischt es eine von EU-Zöllen betroffene US-Firma.

Aus Furcht vor hohen Zöllen im globalen Handel und sinkenden Unternehmensgewinnen sind die Aktienmärkte in die Knie gegangen. Der Dax fiel um 2,5 Prozent auf 12.270 Punkte, der Euro-Stoxx-50 verlor zwei Prozent auf 3369 Punkte. In New York verlor der Dow-Jones-Index 1,3 Prozent auf 24.253 Punkte. Der S&P-500 fiel um 1,4 Prozent und der Nasdaq-Composite um 2,1 Prozent.

Im späten Geschäft erholten sich die US-Indizes allerdings etwas, nachdem sie an markante technische Marken gestoßen waren, so etwa der Dow-Jones-Index an die 200-Tagelinie. US-Präsident Donald Trump hatte im Streit um Strafzölle am Sonntag nachgelegt. Via Twitter forderte er die Handelspartner der USA auf, ihre "Handelsbarrieren und Zölle aufzuheben", ansonsten würden die USA weitere Gegenmaßnahmen ergreifen. Der Tweet dürfte sich gegen die EU gerichtet haben, die seit Freitag Einfuhrzölle auf US-Güter im Wert von 3,2 Milliarden Dollar erhebt, nachdem die USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU eingeführt haben.

Bei den US-Einzelwerten kamen die Aktien von Harley-Davidson unter die Räder und verloren 6 Prozent. Die Einfuhrzölle der EU auf die legendären Motorräder des US-Herstellers seien auf 31 Prozent von 6 Prozent gestiegen, wodurch sich die Kosten um 2200 Dollar je Einheit erhöhten, teilte Harley Davidson mit. Auch Boeing gilt wegen ihrer internationalen Aufstellung als mögliches Opfer eines verschärften Handelsstreits. Für die Aktie ging es um 2,3 Prozent abwärts.

Autozulieferer in Bedrängnis

Bei den europäischen Aktien machten neben den Drohungen von US-Präsident Donald Trump, 20-prozentige Einfuhrzölle auf europäische Autos zu erheben, laut Händlern auch die jüngsten Gewinnwarnungen die Anleger mürbe. So kappte der deutsche Autozulieferer Elringklinger seine Prognose und löste damit bei seinen im SDax gelisteten Aktien einen Kursrutsch von rund neun Prozent auf ein Neun-Jahres-Tief von 11,83 Euro aus.

Vor dem Hintergrund der Senkung der Gewinnprognose von Daimler in der vorigen Woche und zuvor der Deutschen Post lösten Gewinnwarnungen schnell einen Ausverkauf aus, sagte ein Händler. Die Aktien von Daimler, Volkswagen und BMW zählten mit Abschlägen von bis zu fast drei Prozent denn auch zu den schwächsten Werten im Dax. Doch auch die Papiere von Peugeot und Renault sowie der US-Rivalen Ford und GM fielen deutlich. Neben Elringklinger kamen auch andere Zulieferer unter die Räder.

Zu den größten Verlierern im deutschen Handel zählten somit die Papiere von Osram, die um fast zwölf Prozent auf 41,05 Euro abstürzten - den niedrigsten Stand seit Februar 2016. Da liege die Gewinnwarnung zwar schon einige Zeit zurück, aber nach charttechnischen Verkaufssignalen hätten die Anleger in diesem schlechten Marktumfeld erneut die Flucht ergriffen. "Die Aktien von Unternehmen, die ihre Prognosen kassieren, werden immer stärker abgestraft", fasste ein Börsianer zusammen.

Tech- und Reisebranche belastet

Zudem gehe die Verunsicherung quer durch alle Sektoren. So kappten auch der weltgrößte Kreuzfahrt-Anbieter Carnival, dessen Aktien in London und New York gelistet sind, und der weltgrößte Kabelhersteller Prysmian aus Italien ihre Prognosen. Die Aktien beider Unternehmen brachen um über zehn Prozent ein. Carnival gehören über die Cunard-Linie die Kreuzfahrtschiffe Queen Mary II und die Queen Elizabeth.

Auch die Technologie- und Reisebranche konnte sich der allgemeinen Verunsicherung kaum entziehen. Da Trump stets vor dem Diebstahl geistigen Eigentums gewarnt habe, fürchteten viele Anleger Folgen im Handel für die Chipbranche. Aktien von Konzernen wie Infineon oder ASML flogen daher aus den Depots und verloren je über fünf Prozent.

Quelle: n-tv.de