Marktberichte

Mini-Crash und Mini-Plus Hat der Dax seinen Boden gefunden?

Geschäftszahlen satt, überwiegend positiv - aber sie sind nur eine Randnotiz. Der Rentenmarkt rückt in den Fokus und dessen Entwicklung nimmt die Börsianer auf eine wilde Berg- und Talfahrt mit.

Es ist, wie es ist: Am Ende steht ein Plus, nicht groß, aber immerhin. Langweilig war der Handel am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag aber ganz und gar nicht. Die Turbulenzen rund um die Entwicklung der europäischen Staatsanleihen hatten auch die Börsianer in Frankfurt erfasst. "In den vergangenen fünf Tagen ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe um 60 Basispunkte in die Höhe gesprungen", sagte Jan von Gericht, Rentenstratege bei der Nordea Bank - das ist der größte Rücksetzer bei den Kursen seit der Wiedervereinigung.

Der Dax fiel im Zuge dessen bis auf ein Tagestief von 11.168 Punkten. Als sich am Nachmittag der Rentenmarkt wieder beruhigte, kletterten auch die Aktienindizes wieder. Der deutsche Leitindex drehte ins Plus und verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent und 11.408 Punkten aus dem Handel. Der MDax drehte am Ende ebenfalls ins Plus: 0,2 Prozent bei 20.068 Zählern. Am deutlichsten waren die Zuwächse beim TecDax, der sich um 1,5 Prozent auf 1615 Stellen verbesserte.

Kräftige Kursbewegung am Anleihenmarkt sind nichts Ungewöhnliches. Seit den Tagen der Wiedervereinigung gab es immer wieder kräftige Bewegungen. So Ende 2008 und im August 2011, als der Bund-Future jeweils um mehr als um 620 Ticks zulegte. Noch kräftiger fiel die Bewegung bei den langlaufenden Anleihen aus. Die Rendite der Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren stieg in den vergangenen Tagen um 100 Basispunkte. n-tv Experte Raimund Brichta sprach von einem "kleinen Crash am Anleihemarkt", dem sich auch der Aktienmarkt nicht entziehen konnte. Der Dax suche seinen Boden, bewertete ein Händler die Situation auf dem Parkett.

USA: Weder Fisch, noch Fleisch

Auch die Wall Street tat sich zunächst schwer. Die Leitindizes pendelten zunächst um ihre Schlusskurse vom Mittwoch, ehe sie am Vormittag (Ortszeit) leicht anzogen. Zum Handelsschluss notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte um 0,5 Prozent höher bei 17.924 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,4 Prozent auf 2088 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,5 Prozent auf 4945 Punkte vor.

Unter den Einzelwerten zogen die Aktien des Amazon-Rivalen Alibaba rund 7,5 Prozent an. Das Geschäft lief im abgelaufenen Quartal überraschend gut. Der Umsatz kletterte um 45 Prozent auf 2,81 Milliarden Dollar. 

Siemens spart weiter

Von "gemischten" Zahlen sprachen Marktteilnehmer bei Siemens. "Der Gewinn je Aktie ist der Knaller", sagte ein Marktteilnehmer. Dagegen enttäusche in einigen Bereichen die Margenentwicklung. "Siemens will das aber angehen, von daher könnte der Markt die Entwicklung neutral sehen", sagte ein weiterer Marktteilnehmer. Den Ausblick bekräftigte der Konzern. Für die Aktien ging es rund ein Prozent abwärts.

Henkel überrascht kaum 

Erst deutlich runter, dann wieder rauf ging es für Henkel. Zum Handelsende blieb ein marginales Plus von 0,1 Prozen hängen. Als "im Rahmen der Erwartung" bis "etwas besser" stuften Händler die Zahlen von Henkel ein. "Es sind keine wirklichen Aufreger darunter, das Geschäft wächst tatsächlich genauso stark wie erhofft", sagte ein Marktteilnehmer. Zudem sei die Gewinnmarge noch leicht verbessert worden.

Lanxess erholt sich nur langsam

Noch besser sah es bam Ende ei Lanxess aus, die sich mehr als 2 Prozent fester aus dem Handel verabschiedeten. Der Umbau des Lanxess-Konzerns, gesunkene Rohstoffkosten und der starke US-Dollar brachten den Spezialchemieanbieter wieder langsam zurück auf die Erfolgsspur. Bei annähernd gleichem Umsatz von gut 2 Milliarden Euro sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im ersten Quartal 2015 um 11,7 Prozent auf fast 230 Millionen Euro gestiegen, hieß es von Unternehmensseite.

HeidelbergCement überrascht

HeidelbergCement sprangen rund 3,5 Prozent an. Der Grund: Die Zahlen waren wesentlich besser als erwartet ausgefallen. "Analysten hatten hauptsächlich auf Forex-Einflüsse gesetzt, aber tatsächlich ist es auch operativ sehr viel besser gelaufen", sagte ein Händler. Auch die Senkung der Verschuldung und die Kostensenkungsmaßnahmen schienen sich über Plan entwickelt zu haben. "Interessant ist vor allem, dass der Umsatz- und Gewinnanstieg auch gegenüber einem sehr starken Vorjahresquartal erzielt worden ist", so der Händler weiter.

Beiersdorf im Blick

Etwas über den Erwartungen liegende Gewinne bei Beiersdorf wirkten sich überdurchschnittlich positiv auf den Aktienkurs aus, der fast 3,5 Prozent zulegen konnte. Der Umsatz sei im erwarteten Rahmen gewachsen, eine höhere Marge habe aber die Gewinne stärker als erwartet getrieben. Die Befürchtung, dass das schwache China-Geschäft das Ergebnis schmälern könnte, habe sich so nicht materialisiert, hieß es im Handel. "Interessant ist, dass Beiersdorf noch mit einem weiteren Umsatz- und Margenanstieg rechnet und dabei trotzdem nur die Prognose für 2015 bestätigt hat", sagte ein Börsianer.

Munich Re baut am Ausblick

Der veränderte Ausblick von Munich Re ließ den Kurs kalt, der sich kaum verändert aus dem Handel verabschiedete. Der Rückversicherer rechnet für das Gesamtjahr nun mit einer besseren Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) und mit höheren Prämieneinnahmen. Den Ergebnisausblick hatte der Konzern aber nur bestätigt. "Das spricht nicht gerade für die Margen", urteilte ein Marktteilnehmer.

Coba lockt mit Dividende

Nach einem guten ersten Quartal stieg bei der teilverstaatlichten Commerzbank die Zuversicht auf die erste Gewinnausschüttung seit 2007. "Für das Geschäftsjahr 2015 planen wir eine Dividende zu zahlen und wollen dafür quartalsweise entsprechende Rückstellungen bilden", bekräftigte Konzernchef Martin Blessing. "Ob es am Ende des Jahres reichen wird, müssen wir abwarten." Den Anlegern reichte das offenbar, die Aktien gewannen mehr als 3 Prozent.

Eon "in line"

Als "in line bis einen Tick besser" wurden die Zahlen von Eon im Handel aufgenommen. Bei den meisten Kennzahlen seien die Erwartungen getroffen oder leicht überboten worden, hieß es. Der Umsatzrückgang zum Vorjahr sei erwartet worden. Positiv rage aber das bereinigte Ebit heraus, das rund 100 Millionen Euro über den Prognosen gelegen habe, so das Meinungsbild auf dem Parkett. Die Aktien reagierten äußerst freundlich, sie zogen mehr als 2 Prozent an.

MDax: Fraport hui, Hochtief pfui

Jasko Terzic von der DZ Bank erhöhte nach den Quartalszahlen von Hochtief seine Schätzungen und bestätigte seine Empfehlung "Kaufen". Beim Nettogewinn könne der Baudienstleister das obere Ende der für 2015 von 220 bis 260 Millionen Euro reichenden Spanne erreichen. Ein Händler bemängelte unterdessen, dass der europäische Markt enttäuscht habe. Dieser habe sich deutlich schwächer entwickelt als erwartet. "Das verwundert." Auch die Anleger schienen das so zu sehen, die Titel fielen 1,5 Prozent.

Die Medienwerte RTL, Axel Springer und ProSiebenSat.1 gaben nach Quartalszahlen um 0,8 bis 2 Prozent nach. Fraport-Aktien zogen dagegen nach guten Ergebnissen um rund 4 Prozent an. Am Rande einer Gewinnwarnung sahen Händler den Stahlhändler KlöCo, der Kurs büßte 2,5 Prozent ein. Metro-Titel gehörten zu den größten Verlieren, nachdem der Großaktionär Haniel erneut Anteile verkauft hat. Das Minus: mehr als 5 Prozent.

Asien: Abwärtstrend bleibt bestehen

Auch am vorletzten Handelstag der Woche dominierten an den ostasiatischen Börsen die Minuszeichen auf den Kurszetteln. Mit dabei ist diesmal auch Tokio, nachdem dort von Montag bis Mittwoch feiertagsbedingt kein Handel stattgefunden hatte. Der Nikkei-Index gab im Zuge einer Nachholbewegung auf die Verluste an den Nachbarbörsen um 1,2 Prozent nach auf 19.302 Punkte. An den chinesischen Börsen setzte sich die jüngste Korrekturbewegung nach der wochenlangen Rally fort. In Schanghai geht es um 1,4 Prozent abwärts, in Hongkong um 0,6 Prozent. Der Index in Schanghai hat damit an den vergangenen drei Tagen um über 7 Prozent an Wert eingebüßt, in Hongkong zeichnet sich das sechste Tagesminus in Folge ab.

Euro: In der Handelsspanne

Der Dollar erholte sich etwas von seinem Schwächeanfall, der Mitte April begonnen hatte. Mit 1,1269 Dollar hielt sich der Euro aber noch immer auf einem recht hohen Niveau. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochmittag noch auf 1,1230 Dollar festgesetzt.

Dass sich die US-amerikanische Währung auf dem Rückzug befindet, liegt an anhaltend schwachen Konjunkturdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft. Damit schwinden die Chancen, dass sich die US-Notenbank schon im Sommer von ihrer Nullzinspolitik verabschiedet. Sollte die Fed ihre Zinswende tatsächlich hinauszögern, dürfte der Dollar weiter an Wert verlieren. "Die letzten vier Wochen waren nur ein müder Vorgeschmack auf das, was dem Greenback dann drohen würde", warnt Commerzbank-Fachmann Ulrich Leuchtmann.

Rohstoffe: WTI runter, Brent rauf

Die Ölpreise entwickeln sich unterschiedlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostet am frühen Abend dann 68,97 US-Dollar - 0,5 Prozent mehr als zur Wochenmitte. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich kräftig um 3,3 Prozent auf 58,94 Dollar. Vor allem die Sorge, dass Iran mit einem Ende der Sanktionen den Markt mit Öl flutet, drückte den Preis.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa