Marktberichte

Ein Cocktail aus Störfaktoren Herbst-Blues an den Börsen hält an

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Eine trübe Börsenwoche steht bevor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Von einem goldenen Börsenherbst kann keine Rede sein. Schuld sind die geopolitischen Bremsklötze, wie der Handelsstreit oder die Brexit-Verhandlungen. Im Fokus dürfte diesmal jedoch Italien stehen. Brüssel erwartet einen neuen Etatentwurf. Ob Rom liefert?

Anlegern steht nach laut Experten erneut eine trübe Woche bevor. "Der derzeitige Cocktail aus Störfaktoren dürfte die Börsen auch weiterhin beschäftigen", sagt der Leiter der Vermögensberatung beim Bankhaus Bauer, Thomas Metzger. So lange nicht ein oder zwei der geopolitischen Bremsklötze - wie der Handelsstreit oder die Brexit-Verhandlungen - wegfielen, werde die Hängepartie weitergehen.

Der Dax dürfte sich deshalb schwer tun, die Marke von 11.500 Punkten hinter sich zu lassen. Bereits in der alten Woche pendelte der Index der 30 größten börsennotierten Firmen in Deutschland um dieses Niveau herum, auf Wochensicht legte er gerade einmal 0,1 Prozent zu.

Auch wegen der zahlreichen Bilanzen, die in der neuen Woche erwartet werden, dürfte die Stimmung gedämpft bleiben. Viele Firmen kappten in den vergangenen Tagen ihre Prognosen und erwischten Investoren dabei auf dem falschen Fuß - unter anderem sandte Thyssenkrupp Schockwellen durch die Märkte.

Die Berichtssaison nähere sich jedoch dem Ende und der Druck auf die Kurse durch solche Umsatz- und Gewinnzielsenkungen nehme ab, erklärt Stefan De Schutter vom Broker Alpha Trading. "Die Frage wird sein, ob sich die Anleger endlich ein Herz fassen und in den letzten sechs Wochen des Jahres noch mal versuchen, das schlechte Dax-Ergebnis dieses Jahres zu verbessern." Seit Anfang 2018 verlor der Dax bis jetzt gut zehn Prozent.

Ein Unsicherheitsfaktor für Investoren sei durch die Kongresswahlen in den USA inzwischen aus dem Weg geräumt, sagt James Athey vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Allerdings werde es noch eine Weile dauern, bis Anleger die wirtschaftlichen Folgen der politischen Spaltung in den USA konkret verstünden. Die Demokraten haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert, im Senat behielten aber die Republikaner von US-Präsident Donald Trump die Oberhand. Nun fürchten Experten etwa eine Eskalation im Handelsstreit.

Italien droht Strafverfahren der EU

Im Fokus steht in der neuen Woche die deutsche Konjunktur. Die Analysten der DZ Bank rechnen damit, dass die am Mittwoch erwarteten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigen, dass die Wirtschaft im Sommer eine Pause eingelegt hat. "Die Wirtschaftsleistung könnte zwischen Juli und September sogar leicht gesunken sein", sagt Volkswirt Michael Holstein. Vor allem Schwierigkeiten der Autobranche sowie Schwächen des Baugewerbes und der Einzelhändler hätten belastet. Die EU-Kommission hat bereits ihre BIP-Prognosen für 2018 und 2019 gesenkt.

Besonders wenig Wachstum erwartet die Brüsseler Behörde für Italien, das unter einem riesigen Schuldenberg ächzt. Das südeuropäische Land muss bis Dienstag einen geänderten Haushaltsplan für das kommende Jahr vorlegen, da sonst ein Strafverfahren der EU droht. Der parteilose Finanzminister Giovanni Tria bekräftigte gerade in einer Parlamentsanhörung, dass an den Hauptsäulen des Budgets nicht gerüttelt werde.

In die Bücher blicken lassen sich aus dem Dax sieben Konzerne, außerdem zahlreiche Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenliga. Infineon, Lanxess und Talanx machen den Aufschlag am Montag. Am Dienstag folgen unter anderem Bayer, Innogy, Uniper und die Aareal Bank. Zur Wochenmitte legen dann aus dem Dax Merck, Linde, RWE und Eon ihr Zahlenwerk vor. Henkel folgt am Donnerstag.

Impulse könnten auch aus der Finanzbranche kommen. Bei der Euro Finance Week in Frankfurt geben sich Top-Banker, Aufseher und Politiker ab Montag ein Stelldichein. Am Freitag wird EZB-Chef Mario Draghi erwartet.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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