Marktberichte

Neuer US-Fall von Coronavirus Pandemie-Angst drückt Wall Street ins Minus

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(Foto: imago images/UPI Photo)

An der Wall Street verdüstert sich im Verlauf der Sitzung die Stimmung, nachdem in den USA ein zweiter Fall des Coronavirus aufgetreten ist. Anfangs waren die Anleger noch hoffnungsvoll, gute Geschäftszahlen von Intel sowie Spekulationen über mögliche Steuersenkungen in den USA treten darüber in den Hintergrund.

Angst vor einer Pandemie hat die US-Börsen belastet. Nach einem positiven Handelsauftakt drehte die Stimmung mit der Nachricht, dass in den USA ein zweiter Fall des Coronavirus aufgetreten ist. Die hohen Bewertungen der US-Aktien auf Rekordniveaus dürften den Anlegern die Entscheidung für Gewinnmitnahmen leicht gemacht haben. Der Dow-Jones-Index verlor 0,6 Prozent auf 28.990 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite gaben jeweils um 0,9 Prozent nach. Auf 806 (Donnerstag: 1.459) Kursgewinner kamen 2.133 (1.425) -verlierer. Unverändert schlossen 71 (126) Titel.

Anfangs waren die Anleger noch hoffnungsvoll, dass China die Ausbreitung des Virus verhindern könne, zumal das Land mit umfangreichen Maßnahmen wie der Abriegelung mehrerer Millionenstädte dagegenhält. Auch die Feierlichkeiten zu den beginnenden Neujahrsfeiertagen wurden zum Teil abgesagt. Zudem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorerst keinen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Darüber hinaus soll Gilead Sciences laut einem Bericht ihr Anti-Ebola-Mittel Remdesivir für geeignet im Kampf gegen das neue Virus halten.

Am heutigen Freitag wurde aber bekannt, dass bei einem weiteren Patienten in den USA das Coronavirus festgestellt worden war. Die betreffende Person war Mitte Januar aus der chinesischen Stadt Wuhan, wo das Virus erstmals auftrat, in die USA eingereist. Damit erhielten Befürchtungen neue Nahrung, dass die Reisebeschränkungen der chinesischen Regierung Tourismus und Handel erschweren und damit das Wirtschaftswachstum bremsen.

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Gute Geschäftszahlen von Intel sowie Spekulationen über mögliche Steuersenkungen in den USA traten darüber in den Hintergrund. So soll US-Präsident Donald Trump vor den Wahlen den Mittelstand entlasten wollen. Heimische Konjunkturdaten überzeugten nicht in allen Punkten. Der von Markit IHS ermittelte Sammelindex für die Produktion in der US-Privatwirtschaft stieg zwar im Januar, doch ging der Index für das verarbeitende Gewerbe überraschend deutlich zurück. Der Index für den Servicesektor übertraf hingegen die Erwartungen.

Die Intel-Aktie zog derweil um 8,1 Prozent an. Der Viertquartalsbericht zeigte, dass Intel mehr umgesetzt und verdient hat als erwartet. Zu verdanken ist dies einer gestiegenen Nachfrage nach Chips für Datenzentren und Rechner. Aber auch der Kreditkartenkonzern American Express erfreute Anleger mit guten Geschäftszahlen. Die Einnahmen kletterten in der vierten Periode, der Gewinn sank - allerdings weniger deutlich als befürchtet. Die Aktie stieg um 2,8 Prozent, im frühen Handel erreichte sie ein Rekordhoch.

Broadcom verbesserten sich um 1,4 Prozent. Hier animierte die Nachricht zu Käufen, dass der Halbleiterexperte ein Lieferabkommen mit Apple über dreieinhalb Jahre abgeschlossen hat. Das Gesamtvolumen bezifferte Broadcom mit 15 Milliarden Dollar. Apple konnten sich der negativen Stimmung nicht entziehen und schlossen 0,3 Prozent niedriger bei 318,33 Dollar. Zuvor hatten sie aber dank einer Analystenempfehlung ein Rekordhoch erreicht. Wedbush hatte das Kursziel für Apple auf 400 Dollar erhöht und die Einstufung "Outperform" bestätigt.

Euro / US-Dollar
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E-Trade Financial büßten 1 Prozent ein, nachdem der Anbieter einer elektronischen Handelsplattform mit seinem Quartalsergebnis gewinnseitig die Erwartungen nicht erfüllt hatte. Atlassian schnellten dagegen um 10,6 Prozent nach oben. Der Anbieter von Lösungen für Software-Entwickler übertraf in seinem zweiten Quartal sowohl mit dem Nettogewinn wie auch dem Umsatz die Analystenprognosen.

Für eHealth ging es sogar um fast 27 Prozent aufwärts. Der Online-Marktplatz für Krankenversicherungen hatte angekündigt, bei der im Februar anstehenden Vorlage der Geschäftszahlen mit besseren Ergebnissen als bislang angenommen aufzuwarten. Am US-Rentenmarkt stiegen die Notierungen nach der Rally des Vortages weiter, erneut gestützt von der Befürchtung einer Pandemie. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um weitere 4,5 Basispunkte auf 1,69 Prozent.

Der Euro gab nach seinem Rücksetzer des Vortages noch etwas nach. Er kostete im späten US-Handel 1,1025 Dollar verglichen mit einem Vortageshoch von knapp 1,1110. Nach den vielfach als eher taubenhaft interpretierten Kommentaren von EZB-Präsidentin Christine Lagarde vom Vortag kamen am Freitag noch Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone hinzu, die zwar besser als befürchtet ausgefallen waren, aber klar im Schrumpfung anzeigenden Bereich lagen.

Goldpreis
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Fallende Marktzinsen in Verbindung mit Pandemie-Ängsten stützten indes den Goldpreis. Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1.571 Dollar. Am Erdölmarkt ging es erneut abwärts mit den Preisen. Händler verwiesen weiter vor allem auf Konjunktursorgen wegen der drohenden Pandemie in Asien. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI sank um 2,5 Prozent auf 54,19 Dollar. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent ermäßigte sich um 2,7 Prozent auf 60,69 Dollar. Das Reiseverbot für Millionen Chinesen zum chinesischen Neujahrsfest habe signifikante Auswirkungen auf die Nachfrage, heißt es. Russische Medien berichten unterdessen, dass Gespräche über eine Ausweitung der Förderkürzungen des Erdölkartells Opec im Verbund mit weiteren Staaten kaum Auswirkungen auf die Preisgestaltung zeigten.

Quelle: ntv.de, jki/DJ