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Wall Street beflügelt US-Börsen profitieren von Nafta 2.0

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(Foto: picture alliance / Andrew Gomber)

Der fast 25 Jahre alte Nafta-Vertrag soll von einem USA-Mexiko-Kanada-Abkommen ersetzt werden. Die Neuauflage des Handelsabkommens wird von den Anlegern an den US-Börsen mit Aktienkäufen honoriert.

Die Einigung auf ein neues Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko sorgte zu Wochenbeginn für Aufschläge an der Wall Street. Einen Teil der Gewinne gaben die Indizes allerdings im späten Verlauf wieder ab, der Nasdaq-Composite rutschte kurz vor Handelsende sogar ins Minus. Zwischenzeitlich lagen S&P-500 und Nasdaq-Composite in Reichweite ihrer Rekordhochs.

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Der fast 25 Jahre alte Nafta-Vertrag soll durch eine neue Handelsvereinbarung namens USA-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) ersetzt werden, nachdem es nach schwierigen Verhandlungen auch zu einer Einigung zwischen den USA und Kanada gekommen ist. Allerdings bleiben die US-Importzölle auf Stahl und Aluminium aus Kanada vorerst bestehen.
"Die Einigung nimmt etwas von der Unsicherheit und vermittelt den Eindruck, Trump ist durchaus gewillt, neuen Handelsabkommen zuzustimmen", sagte Portfolioverwalter Jeroen Blokland von Robeco mit Blick auf die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Auch vor dem Hintergrund der weiter starken US-Konjunktur favorisiert der Marktteilnehmer US-Aktien. "Das ist derzeit ein perfekter Mix, die US-Aktien dürften ihre Outperformance fortsetzen", ergänzte Blokland.

Die veröffentlichten US-Konjunkturdaten untemauerten das Bild einer starken US-Konjunktur, auch wenn sie nicht vollends überzeugten. Die Aktivität in der US-Industrie ist im September stärker als im Vormonat gewachsen, vermeldet der von IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den USA ist mit 59,8 Punkten zwar leicht unter der Prognose von 60,1 geblieben, bewegt sich damit aber auf einem sehr hohen Niveau.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,7 Prozent auf 26.651 Punkte. Der S&P-500 verbesserte sich um 0,4 Prozent auf 2.925 Punkte. Der Nasdaq-Composite verlor 0,1 Prozent auf 8.037 Punkte. Umgesetzt wurden 786 (Freitag: 935) Millionen Aktien. Dabei standen den 1.215 (1.658) Kursgewinnern 1.794 (1.305) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 82 (117) Titel.

Nach dem Absturz am Freitag machte die Tesla-Aktie ihre Verluste wieder mehr als wett. Der Kurs zog um 17,2 Prozent an. Elon Musk hat mit der US-Wertpapieraufsicht einen Vergleich geschlossen, der es ihm erlaubt, Chef des Elektroautobauers zu bleiben. Allerdings darf er für drei Jahre nicht mehr das Amt des Chairmans an der Spitze des Verwaltungsrates ausüben. Zu dieser überraschenden Wendung kam es, obwohl Musk am Donnerstag noch einen Vergleich abgelehnt und sich scheinbar darauf vorbereitet hatte, sich gegen Entscheidungen der Aufsicht zur Wehr zu setzen. Zudem soll Musk gegenüber Mitarbeitern per Mail davon gesprochen haben, Tesla stehe kurz vor der Gewinnschwelle.

Fiat Chrysler, Ford und General Motors waren als Profiteure des neuen Freihandelsabkommen gesucht. Am deutlichsten fiel das Plus bei Fiat Chrysler mit 2,7 Prozent aus. Die Ford-Aktien stiegen um 0,8 Prozent und General Motors um 1,6 Prozent. Die Aktien von Nvidia gewannen 3,1 Prozent und markierten im Verlauf ein neues Allzeithoch.

General Electric (GE) stiegen trotz einer Gewinnwarnung um 7,1 Prozent. Hintergrund ist der Rücktritt von GE-CEO John Flannery. Dieser hatte erst im Juni 2017 sein Amt angetreten.
Die Aktien von Akorn brachen um 58,7 Prozent ein. Im Rechtsstreit um die abgesagte Übernahme des Generika-Herstellers hat das zuständige US-Gericht ein Urteil zu Gunsten der deutschen Fresenius gefällt. Der Court of Chancery wies die Klage auf Vollzug der Übernahme durch Fresenius zurück. Fresenius hatte die Übernahmevereinbarung mit Akorn gekündigt, weil das Unternehmen mehrere Voraussetzungen nicht erfüllte. Eine unabhängige Untersuchung brachte etwa gravierende Verstöße gegen FDA-Vorgaben zur Datenintegrität bei Akorn ans Licht. Akorn hatte auf Erfüllung des Vertrags geklagt.

Nachdem sich Kanada und die USA auf eine Neuauflage des Freihandelsabkommens Nafta geeinigt haben, fiel der US-Dollar gegenüber dem kanadischen Dollar und dem mexikanischen Peso leicht zurück. Die Einigung wurde mit Erleichterung aufgenommen, denn noch vor wenigen Tagen hatte der US-Handelsbeauftragte Robert Lightizer den US-Kongress gewarnt, dass die Verhandlungspartner die Frist wahrscheinlich nicht einhalten würden. Gegenüber dem Euro zog der Greenback dagegen leicht an. Die Gemeinschaftswährung notierte im späten US-Handel bei 1,1580 Dollar.

Die Ölpreise setzten ihre Rally der vergangenen Woche fort. Der Preis für WTI schoss zum US-Settlement um weitere 2,8 Prozent auf 75,30 Dollar nach oben, Brent legte um 2,7 Prozent auf 84,98 Dollar zu. Damit wurden erneut die höchsten Stände seit rund vier Jahren erreicht. Weiter stützten mögliche Förderausfälle des Iran im Zuge neuer US-Sanktionen. In der Vorwoche hatten die USA zudem einer möglichen Anzapfung der strategischen Ölreserven eine Absage erteilt, um den Wegfall des iranischen Angebots zu kompensieren, wenn im November die neuen Sanktionen in Kraft treten. Zuvor hatte die Opec eine Erhöhung der Fördermengen abgelehnt. Aber auch das neue Freihandelsabkommen und die "Aussicht auf die Marke von 100 Dollar", hätten das Sentiment angeschoben, so ein Teilnehmer.
Für die sicheren Häfen US-Anleihen und Gold ging es mit dem neuen Freihandelsabkommens leicht nach unten. Das Abkommen sei gut für das Wirtschaftswachstum in den drei beteiligten Ländern, hieß es von einem Marktteilnehmer. Die Rendite zehnjähriger Papiere gewann 2,5 Basispunkte auf 3,09 Prozent.

Der Preis für die Feinunze Gold fiel zum US-Settlement um 0,4 Prozent auf 1.192 Dollar. Die erhöhte Risikobereitschaft der Anleger sorgte für Abgaben, hieß es. Nachdem der Goldpreis den September mit dem sechsten Monatsverlust in Folge beendet hat, setzte sich die negative Tendenz fort. Händler verwiesen auch auf die Aussicht weiter steigender Zinsen in den USA und die starke US-Konjunktur.

Quelle: n-tv.de, kpi/DJ/rts

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