Wirtschaft
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Donnerstag, 28. Juni 2018

Handelsstreit bleibt im Fokus : US-Börsen retten sich knapp ins Plus

Wie geht es weiter mit der internationalen Handelspolitik? Eine Frage, die auch die Börsianer an der Wall Street umtreibt. Ansonsten: Amazon kauft eine Online-Apotheke und offenbar stehen Marvell Technology und Cavium auf den Einkaufslisten der Anleger.

Die Verunsicherung der Anleger über die weitere internationale Handelspolitik hat auch am Donnerstag die Wall Street ausgebremst. "Je größer der Handelskrieg wird, umso stärker werden das alle zu spüren bekommen", sagte ein Börsianer. Gestützt wurde die Wall Street dagegen von Kursgewinnen bei den Hochtechnologie- und Finanzwerten. Börsianer warteten auf die Ergebnisse des zweiten Teils des Banken-Stresstests der US-Notenbank Fed. Der S&P-500-Finanzindex zog im Vorfeld der Bekanntgabe der Daten um 0,9 Prozent an.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,4 Prozent höher auf 24.216 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,6 Prozent auf 2716 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,8 Prozent auf 7503 Punkte.

Am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, er wolle auf ausdrücklich gegen China gerichtete Maßnahmen zur Beschränkung von Investitionen in Technologiefirmen verzichten. Doch später legte sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow nach und erklärte, dies bedeute keine abgeschwächte Position gegenüber China.

Enttäuschende Nachrichten kamen von der Konjunkturseite. Die US-Wirtschaft wuchs zu Jahresbeginn etwas schwächer als gedacht. Zwischen Januar und März stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,0 Prozent, wie das Handelsministerium auf Basis endgültiger Zahlen mitteilte. Damit wurden vorläufige Zahlen revidiert, in denen ein Plus von 2,2 Prozent veranschlagt wurde. Ein Grund dafür war, dass die Ausgaben der Verbraucher etwas zu hoch angesetzt wurden. Ende 2017 hatte das BIP noch um 2,9 Prozent zugelegt.

Auf der Unternehmensseite stand der Kauf der US-Online-Apotheke PillPack durch Amazon im Fokus. Die Aktien von klassischen Konkurrenten von PillPack gingen auf Talfahrt: Die seit Dienstag im Dow gelisteten Aktien von Walgreens Boots Alliance büßten fast zehn Prozent ein. Die Papiere von CVS Health verloren  sechs Prozent. Auch die Titel der Großhandelsfirmen Mckesson Corp, Cardinal Health und AmerisourceBergen verloren je mehr als vier Prozent. Amazon legte dagegen 2,5 Prozent zu.

Die Anteilsscheine von Marvell Technology sprangen um gut acht Prozent in die Höhe. Zuvor hatte der Chiphersteller mitgeteilt, aus China grünes Licht für die rund sechs Milliarden Dollar schwere Übernahme des kleineren Rivalen Cavium erhalten zu haben. Cavium-Aktien kletterten fast zehn Prozent. Starbucks ließen 2,6 Prozent Federn. Finanzchef Scott Maw tritt von seinem Amt Ende November zurück.

Die Flucht der Anleger aus Aktien von Zulieferbetrieben der Automobilindustrie hinterließ am deutschen Aktienmarkt tiefe Spuren und bremste auch die europäischen Börsen aus. Der Dax fiel 1,4 Prozent auf 12.177 Punkte und schloss damit so niedrig wie seit Anfang April nicht mehr. Der EuroStoxx50 verlor 0,9 Prozent.

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"Die Gewinnwarnung von Osram hat die Anleger in Deutschland auf dem falschen Fuß erwischt, da nehmen viele lieber Reißaus", begründete ein Händler die schlechte Stimmung in Frankfurt. Der Lichttechnik-Konzern, der auch die Autoindustrie beliefert, hatte zum zweiten Mal binnen zwei Monaten seine Gewinnprognose gesenkt und dies mit der im Sog des Handelsstreits und Dieselskandals heraufziehenden Krise bei seinen Kunden begründet. "Das war ein herber Schlag ins Kontor", sagte ein Händler. "Zwar haben zuletzt schon viele Anleger mit schlechten Nachrichten bei Osram gerechnet, aber eine zweite Gewinnwarnung binnen gerade mal zwei Monaten hatten die wenigsten auf dem Radar."

Quelle: n-tv.de