Wirtschaft
US-Militärschlag in Syrien ohne direkte Konfrontation mit den Russen: An der Wall Street wenden sich Börsianer wieder ihren Alltagssorgen zu.
US-Militärschlag in Syrien ohne direkte Konfrontation mit den Russen: An der Wall Street wenden sich Börsianer wieder ihren Alltagssorgen zu.(Foto: REUTERS)
Montag, 16. April 2018

Aufatmen an der Wall Street: US-Börsen überstehen den Raketenschlag

Die Kriegsangst verblasst: An der New Yorker Wall Street kehren Anleger zurück in den Aktienmarkt. Börsenstrategen rechnen vorerst nicht mit einer weiteren Eskalation im Syrien-Krieg. Gespannt wenden sich Analysten den anstehenden Netflix-Zahlen zu.

An den US-Börsen ist die Erleichterung der Marktteilnehmer nicht zu übersehen: Am ersten Handelstag nach dem Militärschlag der drei westlichen Großmächte USA, Großbritannien und Frankreich in Syrien verzeichnen Händler in New York solide steigende Kurse.

Der Dow-Jones-Index mit seinen 30 Standardwerten schließt 0,87 im Plus bei 24.573,04 Punkte. Der sehr viel breiter gefasste S&P 500 legt um 0,81 Prozent auf 2677,84 Zähler zu. An der Technologiebörse Nasdaq rückt der Composite-Index um 0,84 Prozent vor auf 7156,28 Punkte. In Frankfurt war der Dax zuvor mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 12.391 Punkte aus dem Handel gegangen.

Hinweis: Wie der Börsen-Tag in Europa lief, können Sie hier nachlesen.

Die nachlassende Furcht vor einem eskalierenden Syrien-Konflikt habe die Investoren in Kauflaune versetzt, heißt es an der Wall Street. Anleger könnten sich jetzt wieder auf Konjunkturdaten und Unternehmensbilanzen konzentrieren, erklärte Peter Cardillo vom Finanzdienstleister Spartan Capital Securities in New York. "Die Aktion wurde gut aufgenommen."

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Mit dem Begriff "Aktion" bezieht sich Cardillo auf den Militärschlag der drei Großmächte USA, Großbritannien und Frankreich. Einheiten der drei Staaten hatten am Wochenende syrische Ziele als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgasangriff bombardiert. Im Vorfeld des Angriffs hatte es die Befürchtung gegeben, dass der Militäreinsatz zu einer direkten Konfrontation mit Russland führen könnte. Der Raketenbeschuss traf jedoch ausschließlich eng begrenzte Ziele in Syrien.

In New York stehen zu Wochenbeginn unter anderem die Anteilsscheine des US-Pharmakonzerns Merck & Co auf den Kauflisten. Investoren zeigten sich von Studienergebnissen zum Lungenkrebsmittel "Keytruda" überzeugt. Der Aktienkurs steigt um 2,6 Prozent, während die Papiere des Konkurrenten Bristol-Myers Squibb volle 7,8 Prozent in die Tiefe fallen.

Bei der Bank of America reicht es trotz eines Rekordgewinnes im abgelaufenen Quartal nur zu einem schmalen Plus von 0,4 Prozent. Als letzte der großen US-Banken werden am Dienstag Goldman Sachs und am Mittwoch Morgan Stanley ihre Berichte für das erste Quartal vorlegen. Beide Aktien legen zu Wochenbeginn um 0,8 Prozent zu.

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Gut ausgefallene Einzelhandelsumsätze im März stützen die Kurse von Aktien wie Walmart, Macy's und Target. Sie gewinnen zwischen 0,7 und 1,7 Prozent. Im März wuchs der US-Einzelhandel im Monatsvergleich mit 0,6 Prozent doppelt so stark wie erwartet. Für Aktien der Spedition J.B. Hunt geht es um 6,2 Prozent nach oben. Der Konzern übertraf mit seinem Quartalsgewinn die Erwartungen.

Die Aktien von Navistar machen einen Satz um 9,8 Prozent nach oben. Der Kurs profitiert davon, dass Volkswagen die Übernahme des US-Lkw-Herstellers offenbar grundsätzlich auf der Agenda hat. "Das würde irgendwann schon Sinn machen", sagte Matthias Gründler, Finanzvorstand von VW Truck & Bus. Aktuell hält Volkswagen knapp 17 Prozent an Navistar.

Am Abend nach Börsenschluss stehen unter anderem noch die Zahlen des Streaming-Dienstes Netflix an. Der US-Konzern legte seine Ergebnisse aus dem ersten Quartal des laufenden Jahres erst nach Handelsschluss an der Wall Street vor. Die Netflix-Aktie verliert im Vorfeld der Veröffentlichung 1,2 Prozent.

Warten auf die Netflix-Zahlen

Der vorherige Quartalsbericht im Januar wartete mit einer Rekordzahl neuer Kunden auf und übertraf die ohnehin schon hohen Erwartungen. Das sorgte für Schub bei der Aktie, die seitdem um 37 Prozent zugelegt hat. Seit Jahresbeginn hat sie 62 Prozent an Wert gewonnen. Das bedeute aber auch, dass die Ergebnisvorlage am Montag ein "Blockbuster" werden müsse, hieß es im Handel.

Bei den US-Anleihen und beim Gold tat sich wenig. Der Dollar tendierte im späten US-Handel leicht schwächer. Händler führten das auf einen Tweet von US-Präsident Trump zurück. Darin beschuldigte er China und Rusland, das "Abwertungsspiel" zu spielen.

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Quelle: n-tv.de