Marktberichte

Arbeitsmarkt und Umfragen US-Rally hat noch Luft

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An der Wall Street lebt die Hoffnung auf ein neues Konjunkturpaket.

(Foto: AP)

Die US-Anleger haben mehrheitlich erneut zugegriffen. Noch ist die Hoffnung auf ein neues Konjunkturpaket nicht vom Tisch. ZUdem lassen die Umfragen vermuten, dass es bei der Wahl in wenigen Wochen ein klares Ergebnis geben wird.

Nach der Rally des Vortages im Zuge neuer Hoffnungen auf das Zustandekommen eines Konjunkturpaketes in den USA geht es für die Wall Street weiter nach oben. Die Dynamik ließ aber deutlich nach. Der Dow-Jones-Index gewann 0,4 Prozent auf 28.426 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,8 Prozent. Der technologiebasierte Nasdaq-Composite kletterte um 0,5 Prozent.

Wie sehr Wirtschaft und Konsumenten fiskalische Unterstützung durch den Staat gebrauchen könnten, zeigten die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind zwar gesunken, aber nicht so stark wie erhofft. "Diese Daten sind im Großen und Ganzen immer noch hoch. Sie haben sich im Laufe der vergangenen Monate stabilisiert, aber sie gehen auch nicht wirklich zurück", sagte Volkswirt Peter Dixon von der Commerzbank. Die Daten dürften den Druck auf die Politik verstärken, noch vor der Wahl ein Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen.

Immerhin haben US-Finanzminister Steven Mnuchin und die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, die Gespräche über ein abgespecktes Paket am Vortag wieder aufgenommen. Allerdings hat Pelosi bereits ein Sonderpaket lediglich für die Luftfahrtbranche abgelehnt, das von republikanischer Seite ins Spiel gebracht worden war. "Es dreht sich alles um Wirtschaftshilfen: Wir sehen, die Märkte bewegen sich mit Optimismus, da eine Art von Paket geschnürt wird", sagte Marktstrategin Esty Dwek von Natixis Investment Managers.

Als stützenden Faktor der jüngsten Zeit machen Teilnehmer aber auch die Umfragen zu den Präsidentschaftswahlen aus. Der Vorsprung von Herausforderer Joe Biden sei so groß, dass die Sorgen wegen eines unklaren Ergebnisses in den Hintergrund treten.

IBM erfreut Anleger

Für einen Paukenschlag sorgte der Technologieriese IBM, die Titel zogen um 6 Prozent an. Gleich zwei gute Nachrichten machten Händler aus: So seien die ersten Zahlen zum dritten Quartal positiv ausgefallen. Bei IBM habe das Service- und Cloudgeschäft die hohen Erwartungen der Wall Street erfüllt. Eine "hauseigene Kursrakete" stelle zudem die Ankündigung dar, das Unternehmen in zwei Teile aufzuspalten. "Das könnte massiv Bewertungen heben", sagte ein Händler. Der US-Konzern will seinen Bereich Managed Infrastructure Services aus der Sparte Global Technology in eine Aktiengesellschaft ausgliedern.

McDonalds's hat im dritten Quartal den flächenbereinigten Umsatz gesteigert und erhöht nun die Quartalsdividende. Die Aktie lag aber 0,3 Prozent im Minus, nachdem sie seit dem März-Tief bereits 75 Prozent zugelegt hat.

Der Dow-Jones-Index blieb vor allem wegen der schwachen Amgen-Aktie zurück, die 6,8 Prozent verlor. Ein gemeinsam mit Cytokinetics entwickeltes Herz-Präparat hat in einer Phase-3-Studie lediglich das Primärziel erreicht, enttäuschte aber beim Sekundärziel. Der Effekt sei nur minimal und verhalf den betroffenen Patienten nicht zu einer Lebensverlängerung.

Regeneron Pharmaceuticals kletterten um 1,4 Prozent. Laut US-Präsident Trump war es ein experimentelles Mittel des Pharma-Unternehmens, das ihm bei seiner Coronavirus-Infektion sehr geholfen habe. Das Unternehmen selbst hat eine beschleunigte Zulassung in den USA beantragt. Eli Lilly zogen um 1,2 Prozent an. Trump fand auch über dieses Pharma-Unternehmen lobende Worte.

Der Kurs des auf Wirbelsäulenerkrankungen spezialisierten Medizintechnikers Alphatec Holdings machte einen Satz um 37 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat einen Umsatzanstieg für das dritte Quartal um über 40 Prozent in Aussicht gestellt. Gamestop haussierten um 44 Prozent, nachdem das Unternehmen über ein mehrjährige Partnerschaft mit Microsoft informiert hat.

Trotz des Optimismus am Aktienmarkt zogen auch US-Renten an. Die Rentennotierungen wurden gestützt von den schwachen Arbeitsmarktdaten. Zudem hatte die US-Notenbank am Vortag in ihrem Sitzungsprotokoll die Hürde für eine Zinsanhebung höher gelegt.

Die Ölpreise zogen an: US-Leichtöl der Sorte WTI um 3,4 Prozent auf 41,29 Dollar pro Fass und europäisches Referenzöl der Sorte Brent ebenfalls um 3,4 Prozent auf 43,40 Dollar. Das Erdölkartell Opec sprach von einer langfristig widerstandsfähigen Nachfrage. Die Konkurrenz durch erneuerbare Energien werde nicht so dramatisch ausfallen, wie einige Beobachter dies wünschten. Bis 2045 werde die Nachfrage weiter steigen, so die Opec. Der Nachfragehöhepunkt werde in den nächsten 20 Jahren nicht erreicht werden. Zudem stützten Meldungen, denen zufolge Saudi-Arabien bereit sein könnte, sich von den Plänen zur Ausweitung der Produktion Anfang kommenden Jahres zu verabschieden.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ