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Bewegung im Zollstreit Wall Street legt radikale Umkehr hin

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(Foto: dpa)

Zugeständnisse der USA im Zollstreit mit China lösen eine Erleichterungsrally an der Wall Street aus. Die US-Technologiebranche gilt als besonders eng verbunden mit Fernost, daher profitieren die Aktien hier überproportional von den Nachrichten.

Eine radikale Umkehr haben die US-Aktienmärkte hingelegt. Nach Abgaben zum Start drehten die Indizes abrupt ins Plus. Grund war, dass die USA zumindest einige der für Anfang September geplanten Zölle auf chinesische Produkte in den Dezember verschieben wollen. Dies schafft Zeit für neue Verhandlungen, die in zwei Wochen wieder aufgenommen werden sollen. Der Dow-Jones-Index stieg um 1,5 Prozent auf 26.280 Punkte, der S&P-500 gewann 1,5 Prozent und der Nasdaq-Composite rund 2 Prozent. Auf 2.134 Kursgewinner kamen 849 -verlierer. Unverändert gingen 71 Titel aus dem Handel.

Dow Jones
Dow Jones 25.628,90

Damit wurde der Cocktail aus eigentlich schlechten Nachrichten plötzlich wieder schmackhafter. Neben dem Handelsstreit blicken die Investoren immer besorgter nach Hongkong, wo sich der Konflikt zwischen Demonstranten und der lokalen Regierung bzw Peking weiter verschärft hat. Neu hinzugekommen sind seit dem Wochenende Sorgen wegen Argentinien, dort brachen am Montag Börse und Währung nach einer Vorwahlniederlage des wirtschaftsfreundlichen Präsidenten ein.

In Europa sorgten Brexit und die Politik in Italien für Unruhe. Der ZEW-Index aus Deutschland fiel verheerend aus. All dies zusammen hält die Sorge über den Zustand der globalen Wirtschaft wach. Doch nun erfreuten sich die Anleger der Perspektive einer Entspannung im US-chinesischen Handelsstreit. Neue Inflationsdaten zeigten eine robuste Teuerung, was ebenfalls als positives Zeichen gesehen wurde.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar ,00

Am Devisenmarkt bewegt sich das Euro-Dollar-Paar seit Anfang vergangener Woche mit kleineren Ausschlägen um 1,12 seitwärts. Im späten US-Handel stand der Euro bei 1,1180 Dollar und kam damit auf Tagesbasis vom Hoch zurück. Eindeutiger war die Bewegung beim Yen, der gegen den Dollar abverkauft wurde. Er gilt als Fluchtwährung und war nun mit der Entspannung nicht mehr attraktiv. Der Dollar rückte vor auf 106,60 Yen nach gut 105.

Gold stürzte vom Tageshoch um 45 Dollar ab auf 1.480 Dollar, machte dann aber etwas Boden gut. Gegenüber dem Vortag verlor es aber immer noch 0,7 Prozent auf 1.500 Dollar. Gedrückt wurde der Preis auch von den Inflationsdaten, die höher ausfielen als erwartet. Auch am Anleihemarkt drehte der Trend.

Nach den satten Kursaufschlägen ging es nun in die Gegenrichtung; die Rendite der Zehnjährigen stieg um 3,8 Basispunkte auf 1,69 Prozent. Die Rendite der 30-jährigen Papiere hatte sich zwischenzeitlich ihrem Allzeittief bei 2,09 Prozent genähert, erholte sich dann aber auf 2,16 Prozent. Neben den Fortschritten im Handelsstreit dämpfte die etwas stärker als erwartet gestiegene Kernteuerung das Interesse an den Festverzinslichen, denn eine höhere Inflation droht die Anleiherenditen "aufzufressen".

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 58,94

Öl drehte mit den neuen Meldungen im Handelsstreit massiv nach oben. Auch Berichte, wonach die saudische Aramco an die Börse gebracht werden könnte, stützen die Preise. Ein solches Vorhaben würde dafür sprechen, dass die Saudis verstärkte Anstrengungen zur Hebung der Preise vornehmen werden, um das IPO attraktiver zu gestalten. Der Preis für die Sorte WTI erhöhte sich um 4,0 Prozent auf 57,10 Dollar, Brent stieg um 4,7 Prozent auf 61,30 Dollar.

Am Aktienmarkt legten besonders die Branchen zu, deren Produkte von den höheren Strafzöllen vorerst ausgenommen bleiben sollen. Dazu gehören Mobiltelefone, Laptops und andere Konsumgüter wie etwa Kleidung oder Spielzeug. Technologiewerte führten daher mit plus 2,5 Prozent die Gewinner an.

Die Branche leidet besonders unter dem Handelsstreit, in dessen Zuge auch vielen US-Technologieunternehmen die Belieferung des chinesischen Telekomausrüsters Huawei nur eingeschränkt erlaubt oder ganz verboten wurde. Aktien der Branche Konsumgüter des gehobenen Bedarfs gewannen im Schnitt 1,5 Prozent, der Einzelhandelssektor stieg um 1,9 Prozent.

Apple
Apple 184,12

Apple führten lange Zeit den Dow an mit Kursgewinnen von fast 5 Prozent, gaben diese kurz vor Handelsschluss aber vollständig ab und schlossen unverändert. Zwar wird die Vorstellung neuer iPhones im September dieses Jahres wohl nicht mehr vom Zollstreit überschattet, doch könnte das Unternehmen nach Meinung von Analysten im kommenden Jahr Probleme bekommen.

Den Platz von Apple als führender Kursgewinner im Dow übernahmen Intel, die sich um 2,7 Prozent verbesserten. Die Aktie des konjunktursensitiven Baumaschinenherstellers Caterpillar legte um 2 Prozent zu. Der Kurs des Spielzeugherstellers Hasbro rückte um 2,8 Prozent vor.

Die Aktie des Einzelhandelsriesen Walmart stieg um 2,1 Prozent nach einem positiven Analystenkommentar. Analyst Chuck Grom von Gordon Haskett empfiehlt Anlegern, die Walmart-Aktie zu kaufen, bevor der Konzern am Donnerstag Zahlen vorlegt. Grom glaubt, dass Walmart aufgrund seiner Größe die Folgen des Handelsstreits und etwaige Kürzungen bei der staatlichen Ausgabe von Lebensmittelmarken an Bedürftige in den USA gut verkraften kann.

Boeing
Boeing 356,01

Etwas gebremst wurde der Dow von Schwergewicht Boeing, das kaum verändert schloss. Das Unternehmen hatte in den ersten sieben Monaten dieses Jahres weniger Flugzeuge ausgeliefert als im Vorjahr und fällt damit weiter hinter den europäischen Konkurrenten Airbus zurück.

Die Aktien von Advance Auto Parts holten anfängliche Verluste von fast 8 Prozent fast vollständig auf und schlossen kaum verändert. Auch hier milderte die geplante Verschiebung von Zöllen den Verkaufsdruck, den die schwachen Quartalszahlen des Unternehmens ausgelöst hatten. Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal lagen unter den Erwartungen. Zudem kürzte der Autoteile-Hersteller und -Verkäufer die Prognosen.

Die in den USA gelisteten Titel von JD.com verteuerten sich dagegen um fast 13 Prozent, nachdem das in China beheimatete E-Commerce-Unternehmen die Erwartungen im zweiten Quartal übertroffen hatte.

Genworth Financial rückten um fast 16 Prozent vor, weil der Versicherungskonzern einen Mehrheitsanteil an seiner Tochter Genworth MI Canada am Brookfield Business Partners für rund 2,4 Milliarden Kanadische Dollar verkauft hat.

Quelle: n-tv.de, jki/DJ

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