Marktberichte

Fed erwartet lange Durststrecke Wall Street schließt mit dickem Minus

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Die Erholung der US-Wirtschaft lässt auf sich warten, Anleger halten sich zurück.

(Foto: AP)

Stau beim Impfen, Sorge vor Coronavirus-Mutationen und eine hohe Arbeitslosenquote dämpfen die Laune an der Wall Street. Der Fed-Chef hat auch keine frohe Botschaft: Laut Powell erholt sich die US-Wirtschaft nur zögerlich. Da gehen die Anleger lieber auf Nummer sicher.

Die US-Börsen haben am Mittwoch kräftige Abschläge verbucht, nachdem die US-Notenbank Hoffnungen auf eine rasche Erholung einen Dämpfer versetzt hatte. Der Dow-Jones-Index verlor 2,0 Prozent auf 30.303 Punkte, der S&P-500 fiel um 2,6 Prozent. Für den technologielastigen Nasdaq-Composite ging es um 2,6 Prozent nach unten. Den nur 543 (Dienstag: 1.318) Kursgewinnern stand eine Überzahl von 2.698 (1.857) -verlierern gegenüber, während 37 (100) Titel unverändert aus dem Handel gingen.

Im Fokus der Anleger stand der Zinsentscheid der US-Notenbank. Erwartungsgemäß ließ die Fed ihren geldpolitischen Kurs unverändert und versicherte, diesen fortzusetzen, bis das Ziel erreicht sei. Fed-Chef Jerome Powell unterstrich jedoch, dass es noch ein langer Weg bis zu einer Erholung der Wirtschaft sei. Dies passte zu den einige Stunden zuvor veröffentlichten Daten zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter, der im Dezember deutlich weniger stark stieg als erwartet. Da sich mit der neuen Regierung von Präsident Joe Biden ein großes Konjunkturpaket abzeichnet, können die US-Währungshüter vorerst untätig bleiben und die Wirkung der bereits erfolgten Lockerung beobachten. Die zuletzt aufgekommene Debatte über ein Abschmelzen der Anleihenkäufe ("Tapering") hat Fed-Chef Powell als "viel zu verfrüht" abgetan.

Leitzins auf ultraniedrigem Niveau

Der Leitzins verbleibt demnach auf dem ultraniedrigen Niveau von 0,0 bis 0,25 Prozent. Dies sei angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der niedrigen Inflation weiter angemessen, hieß es. Auch die Wertpapierkäufe in Höhe von rund 120 Milliarden US-Dollar im Monat zur Stützung der Konjunktur werden demnach weitergehen. Die Geldpolitik werde weiter "wirkmächtige Unterstützung" leisten, bis die Erholung der Wirtschaft abgeschlossen sei, versprach Powell.

Bewegung in Einzelwerte brachte an der Wall Street die auf vollen Touren laufende Berichtssaison. Vor allem die Technologieriesen stehen dabei im Blick, da sie als Profiteure der Corona-Pandemie gelten. Nach Handelsschluss sollten Facebook, Tesla und Apple Geschäftszahlen veröffentlichen. "Die Messlatte für Tech-Aktien liegt ziemlich hoch, da wir uns noch immer in einem Lockdown befinden, und dennoch scheinen sie sich im Vergleich zu den hohen Erwartungen gut zu schlagen", so Hani Redha, Portfoliomanager bei Pinebridge Investments.

Berichtssaison gibt Vollgas

Microsoft
Microsoft 233,93

Microsoft-Aktien kletterten um 0,2 Prozent. Das starke Cloudgeschäft und die hohe Nachfrage nach Videospielen und Rechnern hatten dem Softwarekonzern auch in seinem zweiten Geschäftsquartal ein starkes Wachstum beschert. Der Gewinn legte ebenfalls zu und übertraf die Erwartungen der Analysten. Advanced Micro Devices (AMD) büßten 6,2 Prozent ein, obwohl der Halbleiterkonzern mit guten Geschäftszahlen glänzte und auch sein Ausblick über den Erwartungen lag. Die Aktie hatte im vergangenen Jahr aber um 88 Prozent zugelegt, was darauf hindeutet, dass Anleger aufgelaufene Gewinne mitnehmen.

Starbucks
Starbucks 107,77

Texas Instruments gaben 5,0 Prozent nach. Der Chipkonzern hatte im vierten Quartal besser abgeschnitten als erwartet, was auch für den Ausblick galt. Auch hier dürften Anleger nach der jüngsten Rally Gewinne eingestrichen haben.

Starbucks verloren 6,5 Prozent. Die US-Kaffeehauskette hatte in ihrem ersten Geschäftsquartal per Ende Dezember wegen der Pandemie zwar wieder einen Umsatzrückgang um 5 Prozent verzeichnet. Mit dem Ergebnis übertraf der Konzern die eigenen Prognosen. Gleichwohl fiel das Nettoergebnis um 30 Prozent.

Boeing
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AT&T fielen um 2,0 Prozent. Eine massive Abschreibung auf den Satelliten-TV-Betreiber DirecTV hat dem Telekommunikations- und Unterhaltungskonzern im vierten Quartal einen Milliardenverlust beschert. Gleichwohl schnitt der Konzern nicht so schlecht ab wie von Analysten befürchtet. Boeing fielen um 4,0 Prozent. Der Luftfahrtriese hat auch das vierte Quartal mit Verlust beendet, dabei aber noch deutlich schlechter abgeschnitten als von Analysten erwartet. Der Konzern verbuchte einen Fehlbetrag von 8,44 Milliarden Dollar. Im Vorjahr lag das Minus lediglich bei 1,01 Milliarden.

Quelle: ntv.de, mau/rts