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Hoffnung auf "Waffenstillstand" Xi-Trump-Deal könnte Aktienkurse beflügeln

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nach zuletzt mauer Stimmung an den Börsen blicken Anleger zum G20-Gipfel. Sollten sich der Handelskrieg zwischen den USA und China dort entschärfen, könnte das ein Kaufsignal sein. Vielleicht reicht auch schon eine Minimallösung für steigende Kurse.

Die Aussicht auf behutsamere Zinserhöhungen in den USA könnte den Börsen in der neuen Woche Auftrieb geben. "Fed-Chef Jerome Powell hat sich zum Weihnachtsmann für Aktienanleger verwandelt", sagt Neil Wilson, Chefanalyst des Brokers Markets.com. Er habe die Furcht vor zu aggressiven Zinserhöhungen gedämpft, die die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft abwürgen könnten. In der alten Woche kam der Dax mit rund 11.200 Punkten allerdings noch kaum vom Fleck.

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US-Notenbankchef Powell hatte zuletzt betont, die aktuelle Leitzinsspanne von 2,0 bis 2,25 Prozent liege "knapp unter" dem Niveau, mit dem die Wirtschaft weder angeschoben noch gebremst werde. Investoren rechneten nun nach der für Mitte Dezember erwarteten Anhebung um einen Viertelpunkt nur noch mit einem weiteren Schritt 2019, sagt Anlage-Experte Rodrigo Catril von der National Australia Bank. Steigende Zinsen führen in der Regel zu fallenden Aktienkursen, da festverzinsliche Wertpapiere dann tendenziell interessanter werden. Erhöht die Fed die Zinsen aber langsamer, dürfte das Aktionäre freuen.

"Waffenstillstand" würde Märkte freuen

Einen Schub könnte der Dax auch aus Argentinien bekommen. "Die Anleger werden verarbeiten, was bei dem G20-Gipfel herausgekommen ist", sagt Postbank-Marktstratege Heinz-Gerd Sonnenschein. Das Hauptaugenmerk des Treffens in Buenos Aires liege auf dem Zollstreit zwischen den USA und China, ergänzt Analyst Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Das wahrscheinlichste Szenario dürfte eine Art 'Waffenstillstand' sein, also ein Aufschub der für Januar angedrohten Erhöhung der Strafzölle auf China-Importe. Dies dürfte an den Aktienmärkten mit Erleichterung aufgenommen werden."

Vor allem für die stark vom Export abhängigen deutschen Unternehmen wäre eine mögliche Konjunkturdelle in China in Folge des Handelsstreits eine Belastung, so die Experten der Investmentbank Barclays. Der gesamte Handel, also die Importe und Exporte, zwischen den beiden Ländern erreichte 2017 ein Rekordvolumen von 188 Milliarden Euro.

Mit Spannung warten Investoren auch darauf, ob Trump Sonderzölle auf Autos aus Europa verhängt. Es werde befürchtet, dass er bald Abgaben von 25 Prozent erheben werde, sagt LBBW-Analyst Klumpp. "Die europäischen Automobilkonzerne hoffen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den US-Präsidenten davon überzeugen kann, diese Pläne wieder in die Schublade zurückzulegen." Von Interesse dürfte daher das voraussichtlich für Dienstag geplante Treffen deutscher Autobosse mit der US-Regierung sein.

US-Daten und Deutsche Bank im Fokus

Bei den Konjunkturdaten steht das Highlight am Freitag auf dem Terminplan: die US-Beschäftigtenzahl. Experten rechnen für November mit 205.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft, nach einem Plus von 250.000 im Vormonat. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen liefern bereits am Mittwoch die Daten der privaten Arbeitsagentur ADP. "Die anstehenden US-Daten sollten bestätigen, dass die US-Wirtschaft weiterhin ordentlich wächst", so Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Bei den Unternehmen dürfte weiterhin die Deutsche Bank im Rampenlicht stehen. Ihre Aktien fielen am Freitag in Folge der Geldwäsche-Razzia auf ein Rekordtief von 8,03 Euro. Nach dem angekündigten Konzernumbau und Stellenabbau bei Bayer werden Anleger mit Interesse den Kapitalmarkttag des Pharma- und Agrarchemiekonzerns am Mittwoch verfolgen.

Quelle: n-tv.de, kst/rts

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