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Neues heißes Ding auf Tech-Markt E-Scooter breiten sich in US-Städten aus

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Wie einige Verleihsysteme für herkömmliche Fahrräder operieren auch Tretroller-Verleihe in den USA ohne feste Abhol- und Abgabestellen.

(Foto: REUTERS)

Kostengünstig und umweltfreundlich: In vielen Innenstädten der USA breiten sich Elektro-Tretroller aus. Die Scooter können per App entriegelt und überall abgestellt werden. Doch die Mini-Roller sorgen auch für Ärger. In einigen Städten sind sie sogar schon verboten.

Aufrecht stehend auf dem Trittbrett sausen sie dahin, die Anhänger des neuesten Trends im US-Straßenverkehr. Elektro-Tretroller zum Leihen haben sich zuletzt in vielen Innenstädten ausgebreitet. Die dahinter stehenden Start-ups propagieren sie als kostengünstige und umweltfreundliche Zukunftstechnologie. Viele Kritiker sehen sie dagegen als Plage. In San Francisco und manchen anderen Städten wurden die E-Scooter inzwischen sogar vorläufig verboten.

Ärger verursachen die Zweiräder, die Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h erreichen können, unter anderem dadurch, dass viele Leihnutzer damit auf den Bürgersteigen fahren - was an vielen Orten gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt. Zudem lassen viele Nutzer die Vehikel achtlos mitten auf Gehsteigen oder direkt vor Einfahrten und Ladentüren stehen oder liegen.

Unter dem Schlagwort "#ScootersBehavingBadly" (Roller, die sich schlecht benehmen) läuft deshalb in den Onlinenetzwerken eine Kampagne gegen die kleinen Elektroflitzer. Die Beschwerden ähneln sich. Ein Facebook-Nutzer aus San Francisco beklagte sich etwa vor einigen Wochen, er sei auf dem Weg zur Bahn fast von "sieben" Rollern überfahren worden, deren Fahrer "zum Teufel nicht wussten, was sie taten" - dies war noch bevor die Stadt ihr vorübergehendes Verbot der Mini-Roller verfügte. Bereits zuvor hatten die örtlichen Behörden Hunderte der Vehikel konfisziert.

Chaos bei der Einführung

Allerdings sollen die Leihroller in San Francisco schon bald wieder herumschwirren dürfen - im Rahmen eines einjährigen Pilotprogramms. Um die Zulassung zu erhalten, müssen die Anbieter detaillierte Pläne unter anderem dafür vorlegen, wie sie ihre Roller von den Bürgersteigen fernhalten und für ein geordnetes Abstellen sorgen wollen. Im ersten Halbjahr des Testprogramms sollen nur 1250 der Leih-Roller in der kalifornischen Stadt zugelassen werden, im zweiten Halbjahr dann möglicherweise 2500. Auch andere Städte wie Denver oder Nashville gehen inzwischen gegen die ungeordnete Tretroller-Invasion vor. Doch die eingeleitete Regulierungswelle dürfte die Attraktivität der Elektroroller auf längere Sicht nicht unbedingt schmälern. Denn das System ist praktisch und preisgünstig.

Wie einige Verleihsysteme für herkömmliche Fahrräder, E-Bikes und E-Motorroller, wie es sie auch in vielen deutschen Städten gibt, operiert auch der Tretroller-Verleih in den USA ohne feste Abhol- und Abgabestellen. Die E-Roller werden also nicht "angedockt", sondern bei Bedarf von Firmenmitarbeitern aufgesammelt und zu Ladestationen gebracht. Der Nutzer findet und entriegelt die Roller mittels einer Smartphone-App. Der Preis liegt meist bei einem Dollar (0,85 Euro) für die Entriegelung plus 15 Cents pro Fahrminute.

Das Chaos bei der Einführung der E-Scooter ähnelt dem Start der Fahrtenanbieter Uber und Lyft. Wie schon damals trafen die Start-ups keine Vorabsprachen mit den Kommunen, auch damals wurde erst im Nachhinein um Regulierungen gerungen. Uber und Lyft wollen nun übrigens ebenfalls in das Business mit den Verleihrollern einsteigen.

Alternativen zum eigenen Auto

Denn die Elektro-Tretroller scheinen potenzielle Goldesel zu sein - viele Finanzinvestoren sehen sie als das neue heiße Ding auf dem Tech-Markt. Bird, eines der Start-ups, strebt in seiner aktuellen Finanzierungsrunde an, mit zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) veranschlagt zu werden. Der Konkurrent Lime peilt einen Wert von einer Milliarde Dollar an.

Experten trauen den Minirollern zu, dauerhaft zu einem wichtigen urbanen Transportmittel zu werden. Fahrrad und Carsharing könnten sie zwar nicht unbedingt verdrängen, doch erweiterten sie für Stadtbewohner die Alternativen zum eigenen Auto, sagt der Verkehrsforscher Daniel Sperling von der University of California-Davis.

Die junge E-Scooter-Verleihbranche hat jedenfalls große Visionen. 40 Prozent der Autofahrten gingen heutzutage über Distanzen von weniger als zwei Meilen (3,2 Kilometer), erklärt Bird-Gründer Travis VanderZanden, der früher Manager bei Uber war. Und er verkündet: "Unser Ziel ist es, so viele wie möglich dieser Autofahrten zu übernehmen, damit Autos von der Straße verschwinden."

Quelle: n-tv.de, Rob Lever und Daniel Jahn, AFP

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