Startup

Gründerin setzt bei Westwing aus Initiative fordert Babypause für Chefs

Als Gründerin des Online-Möbelhändlers Westwing ist Delia Lachance eine der wenigen Frauen in einer Führungsposition. Ihren Posten im Vorstand hat die Unternehmerin allerdings nach der Geburt ihres Kindes abgeben müssen - denn Elternzeit ist für Vorstände nicht vorgesehen. Eine Initiative will das ändern.

Westwing-Gründerin Delia Lachance hat sich dafür entschieden, sich voll und ganz um ihr Baby kümmern zu wollen, und musste deswegen ihren Vorstandsposten abgeben. Eine Initiative will nun das Aktiengesetz ändern, denn das sieht in Deutschland keine Elternzeit für Aufsichtsräte und Vorstände vor. Bis vor kurzem war Lachance noch die einzige Frau im Vorstand des Online-Möbelhändlers. Aber weil sie seit März in Mutterschutz ist, musste sie ihr Mandat erst einmal aufgeben. Westwing will Lachance zwar auf jeden Fall zurücknehmen, gesetzlich wäre sie aber kaum abgesichert. Denn Pausieren darf man ein solches Mandat in Deutschland nicht.

In der Startup-Szene hat das für viel Aufregung gesorgt, jetzt formiert sich sogar Widerstand. "Mehr Frauen in die Chef-Etagen!" lautet seit Jahren die Forderung. Viel getan hat sich aber bislang nicht: In den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne sitzen nur rund 30 Prozent Frauen. Und das hat auch etwas mit den deutschen Gesetzen zu tun, sagen die Initiatorinnen von '#stayonboard'. Verena Pausder ist eine von ihnen und selbst Gründerin und stellvertretende Aufsichtsrätin bei der Online-Bank Comdirect. Dass Eltern ihr Mandat abgeben müssen, wenn sie eine Babypause einlegen, findet sie nicht zeitgemäß, sagt Pausder ntv.

Lachances Fall ist nach ntv-Recherchen bisher einzigartig. Aber warum sind Vorstände in Elternzeit so außergewöhnlich? Immerhin hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit. Tatsächlich sind Aufsichtsräte und meist auch Geschäftsführer laut Arbeitsrecht keine Arbeitnehmer. Sie haben deshalb auch keinen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit. Das gilt für Männer genauso wie für Frauen. Und weil das so ist, würden auch kaum Männer oder Frauen in Führungspositionen in Elternzeit gehen, sagt Verena Pausder. Denn wer sechs Monate weg ist, der hat danach nicht automatisch wieder seinen Posten zurück. "Gerade, wenn die Konkurrenz um solche Posten groß ist, trauen sich viele gar nicht erst, diesen Weg zu gehen", sagt Pausder.

Frauen in Führungspositionen - Politik muss nachbessern

Eine gesetzliche Regelung wäre nicht nur für Vorstände oder die, die es mal werden wollen, wichtig. Denn was Chefs tun, habe Signalwirkung. "Wenn es in den Führungsetagen normaler wird, dann wird es auch für alle darunter viel einfacher", erklärt Pausder. "Diese Revolution von unten zu führen ist fast unmöglich, das haben wir in den letzten Jahrzehnten gesehen". Und tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig getan, und das trotz zahlreicher Kampagnen und Förderungsprogramme für mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Oft fehlt immer noch die Akzeptanz. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgelegt, sich des Themas Frauen in Führungspositionen deswegen noch mal anzunehmen.

Aus Sicht der Initiatorinnen von '#stayonboard' wäre eine Änderung des Aktiengesetzes ein wichtiger Schritt. Denn dann könnten Vorstände und Aufsichtsräte, die sich eine Zeit lang voll und ganz der Familie widmen wollen, eine Pause machen - ohne sich Sorgen um ihren Posten zu machen. Und ein geändertes Gesetz käme nicht nur Frauen zugute. Auch Männer sollten schließlich Elternzeit nehmen oder sich um Angehörige kümmern können. Pausder wünscht sich auch mal die Schlagzeile "Herr Aufsichtsrat Xy legt sein Mandat nieder, um sich um sein Baby zu kümmern." Damit könne man sich "so einige Diversity-Kampagnen sparen", sagt Pausder. Und sie ist zuversichtlich, dass das in Zukunft auch keine Überraschung mehr wäre.

Quelle: ntv.de, cpf