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Carsten Maschmeyer im Interview "Internet der Dinge spielt zentrale Rolle"

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Carsten Maschmeyer

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Carsten Maschmeyer schlägt wieder zu und investiert in das Startup ZkSystems. Das Unternehmen zweier Gründerinnen will Maschinen das Kommunizieren beibringen. ntv.de hat mit Maschmeyer über seine Ambitionen und die Zukunftstechnik des Internets der Dinge gesprochen.

ntv.de: Warum investieren Sie jetzt in ein Startup, das sich mit dem Internet der Dinge (IoT) beschäftigt?

Carsten Maschmeyer: IoT wird für die Industrie der Zukunft eine zentrale Rolle spielen, davon bin ich überzeugt. Die Technologie wird helfen, Wertschöpfungsketten besser zu managen und zu optimieren. Nehmen wir den Maschinenbau: Die Branche steht in der Corona-Krise vor großen Herausforderungen, was den Absatz ihrer Produkte angeht, weil viele Kunden mit Investitionen zögern oder keine Finanzierung bekommen. Da sind gerade jetzt neue Modelle gefragt wie beispielsweise "pay-per-use". Der Kunde zahlt nur das, was er wirklich nutzt. Genau dafür ist die Software von ZkSystems gemacht.

Und was reizt Sie genau am Team von ZKSystems?

Das Team meines Frühphasenfonds "Seed + Speed Ventures" und ich waren von den beiden Gründerinnen Diana Rees und Amine Ünal und ihrem Geschäftsmodell überzeugt. Die beiden sind fachlich sehr kompetent, haben Erfahrungen aus der Industrie und der Software-Entwicklung, ergänzen sich also sehr gut. Und sie haben schon eine erfolgreiche Gründerinnen-Vergangenheit. Außerdem haben sie mit beispielsweise Siemens oder Bosch schon Top-Kunden gewonnen.

Werden Sie Ihr Engagement im Bereich Internet der Dinge weiter ausbauen?

Wir investieren gerne in interessante Anwendungsfälle und innovative Software-Startups in Zukunftstechnologien. IoT ist sowohl für unseren Frühphaseninvestor als auch für unseren Wachstumsfinanzierer Alstin ein wichtiges Thema, weil es in unseren Technologiefokus passt. Da werden auch in Zukunft weitere Investments folgen.

Welchen Stellenwert wird das Internet der Dinge in den kommenden Jahren haben?

Es wird die industrielle Infrastruktur von Grund auf verändern, denn es werden nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen zukünftig miteinander reden. Produktionsanlagen werden noch stärker vernetzt werden, das ermöglicht auch neue Produktionen und Produktionssteuerungen. Mit den daraus gewonnenen Daten ergeben sich enorme Reaktionsgeschwindigkeiten und großes Optimierungspotential entlang der Wertschöpfungskette.

IoT bildet dafür die Infrastruktur, und Technologien wie 5G verpassen dem Ganzen nochmal einen Schub. Ich bin überzeugt, dass gerade im deutschen Maschinenbau IoT völlig neue Geschäftsmodelle möglich machen wird. Konkret: Maschinenbauer werden nicht nur Maschinen bauen und verkaufen, sie werden mithilfe der Daten sehen können, wie diese Maschinen genutzt werden. Auf dieser Basis können sie neue Geschäftsmodelle und Services anbieten. Das ist gerade für eine deutsche Vorzeigeindustrie wie den Maschinenbau eine enorme Chance.

Wie stark muss der deutsche Mittelstand hier aufholen, um mit China mitzuhalten?

Der Mittelstand ist und bleibt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Maschinenbau. Chinesische Unternehmen werden irgendwann auch in der Lage sein, qualitativ sehr hochwertige Maschinen zu bauen und diese international zu vermarkten. Deswegen dürfen wir niemals stehen bleiben und uns ausruhen, sondern müssen schnell digitaler werden, technische Innovationen vorantreiben und funktionierende Geschäftsmodelle weiterentwickeln - ähnlich wie ZkSystems das macht, die um die Maschinen weitere innovative Services anbieten.

Investieren Sie jetzt mehr, um die Startup-Szene gerade in Coronazeiten zu unterstützen?

Als Chancennutzer investieren wir vor, während und nach Corona, immer dann, wenn wir gute Gründer mit spannenden Produkten und überzeugenden Geschäftsmodellen finden. Das unterscheidet uns von einigen anderen Investoren, die jetzt nach Corona nicht mehr in Startups investieren wollen oder können. Wir bleiben also innerhalb der Investoren unter den Weitermachern und schauen natürlich auf mögliche Corona-Gewinner.

Mit Carsten Maschmeyer sprach Andreas Laukat

Quelle: ntv.de