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Geldnot bei deutschen Startups So angeln sich Gründer einen Star-Investor

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Gemeinsam mit dem Fintech-Inkubator Finlab und dem Family Office des österreichischen Unternehmens Falk Strascheg hat Peter Thiel 3,5 Millionen Euro in ein Startup aus Köln investiert.

(Foto: REUTERS)

An innovativen Ideen mangelt es hierzulande nicht. Nur vielen jungen Unternehmen fehlen die großen Geldgeber, sie umzusetzen. Die Konsequenz: Sie wandern ins Ausland ab. Ein milliardenschwerer Star-Investor aus Amerika hat diese Marktlücke für sich entdeckt.

Während im  Silicon Valley Finanzierungsrunden für Startups regelmäßig schwindelerregende Höhen von 50 bis 100 Millionen Euro erreichen, sind Investoren hierzulande mit ihrem Geld oft sehr viel knauseriger - selten gelingt es einem jungen Unternehmen von liquiden Kapitalgebern mehr als 5 Millionen Euro einzusammeln.

Zwar wurde im vergangenen Jahr laut einer Studie von KPMG und Pitchbook weltweit mit 250 Milliarden US-Dollar so viel Geld wie noch nie investiert. Nach Deutschland flossen davon aber lediglich 4,6 Milliarden Euro.

"Einerseits werden Startups dadurch gezwungen, ins Ausland abzuwandern und dahin zu gehen, wo das Geld locker sitzt. Andererseits kann es dazu führen, dass Unternehmen, die durchaus Marktchancen hätten, ihren Betrieb einstellen müssen", sagt der M&A-Berater Christian Saxenhammer n-tv.de. Das sei keine gute Entwicklung. Schließlich lebe Deutschland als Technologie-Standort von Innovation und technischer Kompetenz. "Gerade auch um den Anschluss nicht zu verlieren, braucht Deutschland mehr Investment."

Wir kaufen bei Amazon, sind bei Facebook angemeldet und nutzen Whatsapp. Nur deutsche oder europäische Unternehmen spielen bei solchen innovativen Anwendungen im Internet bislang überhaupt keine Rolle. Es sind die USA und China, die diese Branche dominieren.

Know-how und Steuergelder wandern ab

"Bislang konnten ausländische Geldquellen ein drohendes Startup-Sterben verhindern", sagt Saxenhammer. Grundsätzlich sei das in einer offenen Welt auch kein Problem. Doch sobald nationale Interessen eine immer größere Rolle spielen, wachse auch die Gefahr, dass sich Investoren mehr einmischen und zum Beispiel Mitarbeiter aus Deutschland abziehen.

Wenn Startups Deutschland den Rücken kehren und ins Silicon Valley verschwinden, gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern es wandern auch Know-how und Steuergelder ab. "Das ist ein Trend, den wir auf jeden Fall verhindern sollten", sagt der Experte für Firmenübernahmen.

Das Kölner Startup Nextmarkets hat bislang noch nicht mit dem Gedanken gespielt, die Rheinmetropole zu verlassen. Die Brüder Manuel und Dominic Heyden konnten aber auch mit ihrer E-Learning Plattform den Facebook-Investor und Paypal-Mitgründer Peter Thiel für sich gewinnen.

Nextmarkets will mit seinem Geschäftsmodell die Börse erklären: "Einerseits tendieren Menschen zu Angst und Überheblichkeit, deswegen machen sie Fehler. Gerade im Umgang mit Geld an der Börse", sagt Manuel Heyden n-tv.de. Andererseits gebe es heutzutage aber auch für alles Mögliche einen Coach. "Das versuchen wir auf die Börse zu übertragen." Irrationales Verhalten soll durch Hilfe von erfahrenen Trainern reduziert werden. Inzwischen stehen den Nutzern nach eigenen Angaben 20 deutsche und englische Börsen-Coaches mit ihrer Expertise zur Seite. Ergeben sich laut den Experten gute Gelegenheiten Aktien zu handeln, benachrichtigen sie die Nutzer per E-Mail oder SMS.

Auch Geldgeber konkurrieren miteinander

Wenn Heyden heute davon erzählt, wie er Thiel 2016 von seinem Geschäftsmodell überzeugt hat, spielt er die Bedeutung des Star-Investors aus dem Silicon Valley herunter. "Klar, jemanden wie Peter Thiel trifft man nicht jeden Tag." Grundsätzlich hätten sich die Brüder aber nicht anders als auf jede andere Finanzierungsrunde vorbereitet.

Der einzige Unterschied: "Wir haben vorher das Buch von Peter Thiel gelesen." Das habe viel darüber verraten, wie der Investor ticke. Der Kontakt zu ihm sei damals über den langjährigen Geschäftsfreund Christian Angermayer zu Stande gekommen. Eigentlich war der Termin für 30 Minuten angesetzt, am Ende wurden drei Stunden daraus.

Zum erfolgreichen Abschluss der Finanzierungsrunde habe sicherlich beigetragen, dass Thiel als Hedgefonds-Manager tief in der Thematik stecke. Der Superinvestor mit deutschen Wurzeln und sein Bruder seien schnell in Fachgespräche abgetaucht.

Für Saxenhammer ist Thiel ein Opportunist, weil er die Vorteile, die der deutsche Startup-Markt rechtzeitig erkannt hat. Schließlich ist die Konkurrenz im Silicon Valley viel größer. In der Innovations-Hochburg tummeln sich nicht nur jede Menge Startups, sondern auch viele Geldgeber. Diesen Wettbewerb gibt es hierzulande nicht. "Thiel profitiert in Deutschland ganz klar von dieser Marktlücke. Außerdem sind die Bewertungen einfach deutlich niedriger als in den USA. Eine Startupbewertung fällt im Schnitt ein Drittel geringer aus", sagt Saxenhammer.

Quelle: ntv.de